Peking reduziert staatliche Förderung für E-Autos: Weniger Rückenwind für Autobauer

Läutet die Regierung die nächste Phase in der Autobranche ein: Es sieht ganz danach aus, als müssten die bisher stark alimientierten Autohersteller im Reich der Mitte mit weniger Rückenwind rechnen. Die Kaufhilfen jedenfalls werden deutlich zusammengestrichen. Hersteller wie BYD trifft das hart. Jüngst sanken die Verkäufe um 30 Prozent.

Expansion als dringliche Option: Weil der E-Auto-Markt in China ruinös ist, zieht es die Hersteller immer mehr ins Ausland, vor allem nach Europa. Im Bild: E- und Hybridautos im Hafen von Taicang. | Foto: dpa/XinHua
Expansion als dringliche Option: Weil der E-Auto-Markt in China ruinös ist, zieht es die Hersteller immer mehr ins Ausland, vor allem nach Europa. Im Bild: E- und Hybridautos im Hafen von Taicang. | Foto: dpa/XinHua
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

Die Regierung in Peking zieht die Daumenschrauben gegenüber den bisher stark geförderten eigenen Autoherstellern an und streicht einen Teil der staatlichen Kaufhilfen bei E-Autos. Das sorgte prompt für Turbulenzen an den Aktienmärkten, die zusammentreffen mit schwachen Absatzzahlen der Hersteller im Januar. Bei Branchenführer BYD waren die Verkaufszahlen um 30 Prozent auf 210.051 Fahrzeuge gesunken, den fünften Monat in Folge. Auch die Aktien von Geely, Leapmotor, Xiaomi und Xpeng gaben an der Honkonger Börse nach um mehrere Prozent, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. 

Offenbar setzt nach dem Hype eine nüchternere Phase der Bewertung der E-Mobilität ein, die bisher staatlich stark gestützt wurde. So erließ die Regierung die Kaufsteuer von zehn Prozent komplett, wenn ein E-Auto gekauft wurde. Dazu kamen Förderungen speziell für Massenmodelle. Dem ganzen Treiben setzt das Staat nun Grenzen. Ab 2026 läuft die Steuerbefreiung aus, es gilt ein ermäßigter Satz von fünf Prozent, gedeckelt bei etwa 1.920 Euro. Ab 2028 soll die Ermäßigung ganz getilgt werden und die vollen zehn Prozent fällig sein wie beim Benzinmodell. Die direkten Incentives in Form eines fixen Gutscheins von etwa 2.500 Euro für die Verschrottung des alten Fahrzeugs bei Neuanschaffung eines E-Autos fallen weg, es gibt nur noch bis zu zwölf Prozent des Kaufpreises, was speziell bei den extrem günstigen Massenmodellen durchschlägt. 

Die Regierung will mit dem Streichen der Förderung wohl auch signalisieren, dass die jahrelang alimentierte Branche nun ökonomisch auf eigenen Füßen stehen soll. Nach dem Automobilbau stehen im nächsten Fünf-Jahresplan vor allem KI und Robotik im Fokus. Längst ist die Technologie aus den Kinderschuhen heraus und ein Massenmarkt, der kostenmäßig den Verbrennermodellen ebenbürtig ist, wenn nicht günstiger im Betrieb. Laut Branchenverband wurde 12,8 Mio. Autos mit E-Antrieb verkauft, mehr als jeder zweite Neuwagen in China verfügt über einen rein elektrischen oder zumindest Hybridantrieb. Zuletzt hatte sich das Wachstum aber verlangsamt und der Preiskampf von immer mehr Anbietern ist teils ruinös. Der Verband rechnet mit Stagnation im Markt für das laufende Jahr. 

 

Kritisch könnte es vor allem für private Hersteller wie BYD, Geely (Volvo, Polestar, Smart, Zeekr) Nio, Xpeng, in China auch in enger Kooperation mit Volkswagen, werden, während Staatskonzerne wie SAIC, Dongfeng oder FAW von jeher weniger riskant am Markt operieren müssen. Tech-Riesen wie Xiamo oder Huawei, die neuerdings auch ins Autogeschäft drücken, haben wiederum ihr Stammgeschäft als Absicherung im Rücken. Der Wegfall der fixen Prämie trifft Massenhersteller wie BYD daher besonders. Umso größer wird auch der Druck, den engen chinesischen Markt zu ergänzen durch die Erschließung weitere Märkte. Das läuft vor allem auf Europa heraus, weil die USA unter Trump einen rigiden Anti-China-Kurs fahren. BYD kommt dabei in Europa allmählich voran und konnte im vergangenen Jahr 187.000 Fahrzeuge absetzen, von 50.000 im Vorjahr. Daneben wird Mittel- und Südamerika immer wichtiger. 

Logobanner Liste (Views)