Auto China 2026: Deutsche Autohersteller kämpfen gegen die Verdrängung

Einst war China für die die deutschen Hersteller das Land, das Stückzahlen brachte, die man einst kaum kannte. Doch der größte Automarkt der Welt stottert gerade und erlebt aktuell einen nie da gesehenen Verdrängungswettbewerb.

Audi legt mit dem futuristischen E7X nach. Ohne Ringe, mit Schriftzug. | Foto: Press inform
Audi legt mit dem futuristischen E7X nach. Ohne Ringe, mit Schriftzug. | Foto: Press inform
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Mittlerweile kämpfen über 140 Automarken auf dem chinesischen Automarkt um Verkaufsanteile. Da gehen selbst starke Marken wie Audi, BMW, Mini, Mercedes, Porsche oder Volkswagen im Wirrwarr der gigantischen Hallen auf der Auto China in Peking fast unter. Außerhalb der Luxusliga sind die Europäer mittlerweile jedoch kaum mehr als Zuschauer. Weshalb Audi eine Zweitmarke gegründet hat, mit Schriftzug statt Ringen und Volkswagen mit Xpeng eine ganze eigene chinesische Produktilinie ausrollt. Und dazu die Einstiegs-Submarke Jetta weiter pusht.

Und die „Importeure“, die ja alle  auch in China produzieren, hatten Neuheiten mitgebracht: BMW zieht nicht allein das Tuch von seinem überarbeiteten 7er, dessen Design nicht allein an der Front zeigt, welcher Kunde hier den größten Einfluss hat: China. Unverändert offeriert BMW unter der der selbstbewussten Karosse die freie Wahl des Antriebs: Elektro, Benziner, Diesel oder Plug-in-Hybrid.

In China immer wichtig: Lange Radstände

Das sieht beim ebenfalls neuen Doppelpack aus BMW i3 und iX3 ganz anders aus. Die beiden Fahrzeuge der sogenannten neuen Klasse sind auch in China nur mit Elektroantrieb zu bekommen. Landespezifisch bieten auch sie die verlängerten Radstände, die man bereits von den hiesigen Verbrennermodellen kennt. In China lässt man sich in dieser Preisklasse gern chauffieren und braucht entsprechend mehr Platz im Fond. Und Reichweiten – nach der eher dezenten chinesischen CLTC - von mehr als 900 Kilometern und der puristische Innenraum scheinen beim dortigen Publikum gut anzukommen.

Auch Mercedes-Benz lokalisiert die Entwicklung noch stärker in China

Ganz ähnlich sieht es am Mercedes-Messestand aus. Neben der frisch überarbeiteten S-Klasse steht hier insbesondere der elektrische GLC als direkter Wettbewerber des BMW iX3 im Vordergrund. Ebenfalls mit langem Radstand und damit für ein deutlich größeres Publikum als die Edelversionen von S-Klasse und Maybach-Ableger geeignet, die sich in China einer großen Nachfrage erfreuen. Auf Wunsch lässt sich der verlängerte Elektro-GLC in der zweiten Reihe mit zwei luxuriösen Einzelsitzen ausstatten oder man entscheidet sich gleich für den Sechssitzer – inklusiv Luftfeder und Hinterachslenkung.

Wenn es etwas bodenständiger sein soll, ist der neue CLA 260L die rechte Wahl, um gegen immer stärker werdenden China-Marken zu bestehen. „Die Auto China ist für Mercedes‑Benz die ideale Bühne, um unser strategisches Bekenntnis zu China mit Produktsubstanz zu untermauern“, sagt Mercerdes-CEO Ola Källenius und ergänzt:

 „Künftig werden wir unsere Lokalisierung weiter vertiefen – indem wir dort mehr Fahrzeuge entwickeln und produzieren und China zunehmend als Innovationsquelle für Mercedes‑Benz weltweit nutzen.“ 

Was durch die Blume auch bedeuten könnte: Wenn Innovationen aus China weltweit tragen und man dort schneller und günstiger entwickeln kann, kann man Kapazitäten im Schwäbischen kappen…

Womit wir beim CEO der Volkswagen-Gruppe Oliver Blume wären, der ebenfalls groß auffuhr: Porsche lässt es mit der Coupé-Version seines elektrischen Cayenne betont sportlich angehen, während Volkswagen die breiten Massen ansprechen will, um gegen heimische Marken wie BYD, Geely, Great Wall, Leapmotor oder MG zu bestehen.

Die Submarke Jetta wird für VW wichtiger

Wichtiger denn je soll dabei die bereits 2019 ausgegliederte Submarke Jetta werden. Bei uns als müde Stufenheck-Version des Golf bekannt, soll Jetta in China deutlich stärker als bisher den Einstieg in die Marke bilden und verhindern, dass die Preise der Kernmarke  VW durch den gigantischen Konkurrenzdruck noch weiter absacken. Die neuen Elektromodelle der Jetta-Submarke sollen bei umgerechnet kaum mehr als 10.000 Euro beginnen. Dieser Schritt ist notwendig, da sich Skoda aus dem Reich der Mitte zurückzieht. Die Tschechen konnten in China nie richtig Fuß fassen und fokussieren sich jetzt auf Indien, wo sie imageseitig teils über VW stehen. Und: Der VW Jetta war in China ein begehrenswertes Auto und mindestens so beleibt wie der Santana. Die Frage ist, ob das reicht, um VW auch in den günstigeren Klassen wettbewerbsfähig zu halten, denn dort laufen die Stückzahlen.

Deshalb ließ es sich Chefdesigner Andreas Mindt auch nicht nehmen, den Jetta X mit zu präsentieren, eine vollelektrische SUV-Studie für das sogenannte „Smart Entry Segment“.  Der Versuch, ein bezahlbares aber modernes, digitales Einstiegs-Elektroauto mit SUV-Optik zu bauen. Der Plan steht: Bis 2028 sollen unter Jetta vier New-Energy-Modelle starten. Darunter auch Plug-in-Hybride und Varianten mit Range-Extender.

China genießt bei VW größere Freiheiten

Die Idee hinter dieser Marke ist klar und entspricht der Idee des neuen Föderalismus, die die Wolfsburger Top-Manager verfolgen. VW gewährt der China-Marke mehr Freiheiten als bisher und setzt auf lokale Stärken, wie eine schnellere Entwicklung, Assistenzsysteme, intelligentes Cockpit und KI-Funktionen sollen stärker auf chinesische Kunden zugeschnitten sein. Gerade in den preissensiblen Klassen sind chinesische Hersteller extrem stark, schnell und preisaggressiv. Jetta muss also mehr sein als ein billiger VW-Ableger. Die Marke braucht eigenständiges Design, gute Software, starke Preise und kurze Modellzyklen. Woran Mindt mit den chinesischen Teams arbeitet…

Audi tritt in China doppelt auf: Klassisch mit den vier Ringen und „jung“ mit dem Schriftzug „Audi“. Diese Strategie, die mit dem Audi E5 Sportback zum ersten Mal umgesetzt wurde, erwies sich als Strohfeuer. Nach anfänglich starkem Interesse brachen die Verkäufe des Hoffnungsträgers im Reich der Mitte so stark ein, dass sich die Ingolstädter Dependance im Reich der Mitte offenbar sogar gezwungen sah, den Preis für das Auto um rund 3.700 Euro zu senken. Ob dieser Rabatt die schwachen Verkäufe ankurbelt, ist zweifelhaft. Ein SUV – wahlweise mit 300 oder 500 kW Leistung - soll es jetzt richten. Dieser feiert in Peking als Audi E7x seine Premiere, der erste Crossover der chinesischen Schwestermarke aus lokaler Entwicklung und Produktion. Das bieten auch Audi A6L und Audi A6 L Etron – Dank 13 Zentimetern mehr Radstand Dank 107-kWh-Batterie auch mit einer Reichweite von 815 Kilometer nach CLTC….

„Audi ist im Aufbruch. Das zeigt sich besonders im so wichtigen chinesischen Markt“

So versuchte Audi-Chef Gernot Döllner bei der Präsentation des Hoffnungsträgers Optimismus zu versprühen. Allein der Begriff „Aufbruch“ zeigt, wie sehr sich die Rolle des Ingolstädter Autobauers im größten Automobilmarkt der Welt auch gemeinsam mit den Kooperationspartnern FAW und SAIC verändert hat.

Aus dem stolzen Platzhirsch im Premiumsegment ist ein Herausforderer geworden, der sich seinen Platz zurückerobern müsste. Die Frage bleibt, wie ein E-Crossover den verblasten Ruhm wieder zu neuem Glanz verhelfen kann. Technisch sind die Konkurrenten aus dem Reich der Mitte mindestens genauso gut aufgestellt, bei den Fahrassistenzsysteme und dem Infotainment angeht, haben sie zumeist einen Vorsprung. Audi muss also anders punkten: Nur wo?

Smart plant wieder einen #2 als Einstiegsmodell

Smart kehrt mit dem 2,79 Meter langen #2 zurück zu seinen bestens bekannten Doppelsitzer-Genen der Hayek-Zeiten. Die seriennahe Konzeptstudie kündigt die Serienversion der Neuauflage des Smart Fortwo an, der vor kurzem eingestellt wurde. Reichweite des Serienmodells, der im Herbst seine Premiere feiert: rund 300 Kilometer. Doch Smart, eine Kooperation aus Mercedes und Geely, zeigt in China nicht allein sein neues Einstiegsmodell, sondern mit dem #6 auch eine betont sportlich positionierte Limousine. Die 4,9-Meter-Limousine wurde vom Mercedes-Designteam erschaffen, kommt aber nicht nach Europa. Wo man sich schon mit den anderen „großen“ Smarts sehr schwer tut.

Klar ist: Grundsätzlich hat China noch lange nicht die Pkw-Dichte von Deutschland. Aber in den enegen, hochverdichteten Städten braucht es diese vielleicht auch gar nicht. Und die massive Unterstützung der Autoindustrie seitens der chinesischen Regierung und Regionalfürsten hat zu einer regelrechten „Explosion“ des Angebots geführt. Und dass die chinesischen Kundinnen und Kunden lieber chinesisch kaufen, weil das als „moderner“ gesehen wird, macht es für die deutschen Hersteller nicht leichter…

In China läuft ein beinharter Verdrängungswettbewerb. Und schon jetzt ist klar: Die Marktanteile von einst werden die „Fremdmarken“ nie wieder zurückholen. Weshalb es jetzt umso mehr gilt, sich in diesem Wettbeerb aber „seinen“ Platz zu sichern…und das kann klappen: Im ersten Quartal 2026 war die Volkswagen-Gruppe nmit ihren Submarken (samt Jetta) absatzseitig wieder Nummer 1 im Reich der Mitte!

In Peking vor Ort waren für uns Wolfgang Gomoll und Stefan Grundhoff von press-inform

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