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ADAC-Taxi-Test ruft erste Reaktionen hervor

Der erste bundesweite Taxi-Test des ADAC und seine Ergebnisse waren gestern und heute Thema in zahlreichen Medien. In den meisten Berichten herrschte dabei der Tenor vor, dass Deutschlands Taxler besser seinen als ihr Ruf. Ein genauerer Blick in die Auswertung zeigt jedoch, dass die Diskrepanz zwischen Preis und Leistung mancherorts doch sehr hoch ist. Hier sollte die Gewerbepolitik ansetzen.
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Redaktion (allg.)

Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club hatte also die Taxifahrer in zehn deutschen Großstädten einem Test unterzogen. Dazu führte er nach eigenen Angaben im Zeitraum vom 3. Juni bis 15. Juli dieses Jahres 200 Taxifahrten in zehn deutschen Städten mit über 500.000 Einwohnern durch. Auf dem Prüfstand standen der Fahrer (Gewichtung 40 %), das Fahrzeug (20 %) sowie die Routentreue und der Tarif (40 %). Pro Stadt waren die Tester auf fünf Routen unterwegs. Jede Strecke wurde vier Mal befahren, zweimal bei Tag und zweimal nachts. Fazit: Immerhin 70 Prozent der Fahrten wurden mit der Note „gut“ oder „sehr gut“ bewertet. Aber: Knapp 13 Prozent fielen durch, 16 Prozent erhielten von den Testern lediglich ein „ausreichend“ – bei etwa jeder dritten Fahrt war die Dienstleistung „Taxi“ also faktisch schlecht. Dennoch kommt der ADAC zu der Erkenntnis, dass Deutschlands Taxler besser seien als ihr Ruf. Das sagt doch einiges über den Ruf aus… Zu den Kriterien des Tests: Minuspunkte erhielten Fahrer, wenn sie die erlaubte Höchstgeschwindigkeit deutlich überschritten oder Umwege fuhren. Selbstverständlich noch gravierender gewichtete der ADAC Rotlichtverstöße oder das Befahren von Einbahnstraßen entgegen der Fahrtrichtung – auch das kam offenbar vor. Weitere Maluspunkte konnten die Chauffeure bei fehlender Freundlichkeit, mangelnder Hilfsbereitschaft und ungenügenden Deutschkenntnissen sammeln. Davon machten offenbar vor allem die Taxler in Frankfurt und Stuttgart reichlich Gebrauch. Fast die Hälfte aller Fahrer hätten sich dort mangelhafte oder sehr mangelhafte Wertungen eingehandelt, resümiert der ADAC. So habe in Frankfurt ein Drittel der Fahrer Sprachprobleme gehabt. Auch mit den Verkehrsregeln und der kürzesten Fahrstrecke nahmen es die Kollegen in der Mainmetropole offenbar nicht so genau: Bei jeder vierten Fahrt gab es hier Beanstandungen seitens der Test-Fahrgäste. In Stuttgart reichte es im Gesamturteil noch für eine „gute“ Bewertung des städtischen Taxigewerbes, wohingegen sich die Tester in Frankfurt, Hannover, Hamburg und Berlin allenfalls „ausreichend“ gut befördert fühlten. Besser schnitten da schon die Kollegen in Leipzig, Köln, München und Dresden ab – ihre Dienstleistung fanden die Tester insgesamt gesehen „gut“. Das gleiche gilt für Nürnberg – die Kollegen der mittelfränkischen Stadt können sich nun damit rühmen, die freundlichsten, hilfsbereitesten und routentreuesten ihrer Zunft zu sein. Insgesamt befand der ADAC, dass die Qualität einer Taxifahrt vor allem mit der Einstellung des Fahrers steht und fällt. Zu viele Kritikpunkte habe dieser Teil des Tests zu Tage gefördert: „Manchen Fahrern müsste dringend ein Kurs in Sachen Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft verpasst werden.“ Generelle Kritik kommt vom Automobilclub zum uneinheitlichen Tarifsystem der verschiedenen Städte. Die Preise müssten für die Fahrgäste transparenter gestaltet werden – in manchen Städten müssten Kunden Zuschläge für das Gepäck und / oder die Zahlung mit Kreditkarte bezahlen, in anderen nicht. Auch beim Fahrpreis selbst gebe es zu große Unterschiede: Der Preis für eine sieben Kilometer lange Route betrage in Dresden 13,35 Euro, während der Fahrgast in Stuttgart dafür 17,55 Euro hinlegen müsse. Dieses und viele andere interessante Details des Tests und teils kuriose Verhaltensweisen von getesteten Taxlern lassen sich auf der Internetseite des ADAC nachlesen. Eine erste offizielle Reaktion von Verbandseite kommt von der Berliner Landesvertretung des TVD. Dessen Vorsitzender Stephan Berndt ist dem ADAC für den Test und seine Ergebnisse sehr dankbar, bekräftigten letztere den TVD doch in seinem Bestreben, für strengere und umfassendere Zugangsvorrausetzungen zur Erlangung des Personenbeförderungsscheines einzutreten. Neben dem Nachweis der Ortskunde müsse künftig die erfolgreiche Teilnahme an einem Dienstleistungskurs, einem Fahrsicherheitstraining und der Nachweis guter Deutschkenntnisse sichergestellt werden. Die Tatsache, dass Berlin und auch Hamburg die insgesamt nur „ausreichende“ Bewertung ihrer Taxifahrer vor allem dem schlechten Abschneiden im Testbereich Routentreue zu „verdanken“ haben, führt Berndt darauf zurück, dass die politische Entscheidung der totalen Konzessionsfreigabe in diesen beiden Städten für einen „brutalen wirtschaftlichen Druck“ auf der Straße sorge. Der TVD Berlin fordert in diesem Zusammenhang für Berlin auch eine grundsätzliche Neuregelung der Abnahme der Ortskundeprüfung. Die Beteiligung einer unabhängigen Institution, wie IHK, DEKRA oder TÜV könne zu einer nachhaltigen Qualitätsverbesserung bei der Ortskundeprüfung beitragen.

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