Interner Machtkampf bei Taxi-München eG: Vorstände in der Kritik – Genossenschaft vor ungewisser Zukunft

Nach dem Brandbrief der beiden Vorstände Thomas Kroker und Patrick Nothhaft über angebliche Uber-Kooperationen einiger Mitglieder des Taxi München eG-Aufsichtsrates (wir berichteten) gehen die Beschuldigten ihrerseits mit einem Brief an die Öffentlichkeit.

In der Münchner Taxi Genossenschaft ist ein offener Konflikt zwischen Vorstand und Aufsichtstrat ausgebrochen.| Foto: Waldemar, unsplash
In der Münchner Taxi Genossenschaft ist ein offener Konflikt zwischen Vorstand und Aufsichtstrat ausgebrochen.| Foto: Waldemar, unsplash

In der Presseerklärung heißt es, dass das Schreiben der Vorstandschaft vom 20.03.2025 nachweislich Falschbehauptungen enthalte und einen offensichtlich unbegründeten Versuch darstelle, den Ruf von drei Aufsichtsratsmitgliedern – Elias Ghulam, Hüsseyin Bayram Sezai Curuk – zu beschädigen. Besonders kritisch sei es, dass dieses Schreiben nicht nur an unsere Mitglieder, sondern auch – entgegen datenschutzrechtlicher Bestimmungen und ohne rechtliche Grundlage – an Nicht-Mitglieder, Fahrer, Pressevertreter sowie über soziale Medien verbreitet wurde. Dieses Vorgehen entspreche nicht dem Verständnis von verantwortungsvollem und rechtskonformem Handeln.

Weiter erklärt Aufsichtsratsmitglied Curuk: „Es ist richtig, dass es innerhalb unserer Gremien zuletzt zu Unstimmigkeiten gekommen ist. Dabei ist festzuhalten, dass die beiden Vorstände Thomas Kroker und Patrick Nothhaft ohne Vorstandsbeschluss und ohne Kenntnisnahme des gesamten Vorstands eigenmächtig gehandelt haben. Dieses Vorgehen war satzungswidrig und erfolgte offenkundig im eigenen Interesse.“

Ein solches Verhalten widerspräche den Grundsätzen der Satzung der Taxi München eG und den Verpflichtungen gegenüber der Genossenschaft. Darüber hinaus seien Informationen verbreitet worden, die aus Sicht der Beschuldigten weder sachlich noch fair waren. Man bedauere ausdrücklich, dass dies zu Irritationen und Verunsicherung geführt habe.

„Ohne auf interne Details einzugehen, möchten wir auf einen Fakt hinweisen: Bereits seit längerer Zeit stand fest, dass in der heutigen Aufsichtsratssitzung am 25.03.2025 nach ausführlicher Beratung und Abwägung endgültig über die Wiederkandidatur eines Vorstandsmitglieds entschieden werden sollte“ so Curuk weiter. „Auffällig ist daher, dass unmittelbar vor dieser Sitzung gezielt öffentliche Aufmerksamkeit auf interne Vorgänge gelenkt wurde. Dies wirft mehr Fragen auf, als es Antworten gibt.“

Rückläufige Anzahl von Fahrten

Der Taxi-Kurier zeige, dass die Münchner Taxifahrer aktuell mit einer rückläufigen Anzahl an vermittelten Fahrten konfrontiert sind. Das erste Quartal dieses Jahres gehört laut Curuk zu den schwächsten der letzten Jahre im gesamten Münchner Taxi-Gewerbe. Vor allem das Nachtgeschäft sei teilweise nahezu vollständig eingebrochen – in manchen Nächten verzeichne man stundenweise kaum Nachfrage, und das in einer Metropole wie München. Dies ist ein offenes Geheimnis, das niemand belegen muss, weil es alle im Gewerbe unmittelbar betrifft.

Zudem weißt Curuk die Anschuldigung einer betrügerischen Vorteilsnahme im Zuge der Aufsichtsratswahl 2024 gegen das Aufsichtsratsmitglied Elias Ghulam zurück. Dieser habe sich durchaus als Geschäftsführer der Süddeutsche Verlag GmbH bezeichnen dürfen.

„Zudem möchten wir daran erinnern, dass wir als Mehrwagen-Unternehmer mit Angestellten eine besondere Verantwortung tragen – nicht nur für unsere Unternehmen, sondern auch für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Tag und Nacht für den Betrieb auf der Straße stehen“ erklärt Curuk. „Es liegt in unserer Verantwortung, sicherzustellen, dass unsere Unternehmen wirtschaftlich stabil bleiben, damit unsere Angestellten und deren Familien abgesichert sind."

Wenn hunderte Taxiunternehmen in München ihre Liquidität verlieren, betrifft das letztlich auch tausende Fahrerinnen und Fahrer und deren Existenz. Wer sich diese Frage ehrlich stellt, erkennt schnell, worauf es wirklich ankommt.“

Kommt es zum Machtkampf?

Der Aufsichtsrat hat nach Informationen der drei beschuldigten Aufsichtsratsmitglieder konkrete Maßnahmen beschlossen, um die Vorgänge intern aufzuarbeiten. Der Vorstand soll mit Beschluss des Aufsichtsrats nicht erneut zur Wiederwahl vorgeschlagen werden. Auch über den Verbleib eines weiteren Vorstandsmitglieds wird wohl beraten – dies soll noch vor der kommenden Generalversammlung 2025 stattfinden.

Zudem hat der Aufsichtsrat beschlossen, den beiden Vorständen aufgrund des Vertrauensbruchs und zum Wohle der Genossenschaft per Beschluss bestimmte Befugnisse zu entziehen.

Die Beschuldigten gaben an, alle rechtlich zulässigen Schritte sorgfältig zu prüfen und, sofern notwendig, einzuleiten. Hier geht es insbesondere um Verstöße gegen datenschutzrechtliche Bestimmungen, die Verbreitung nachweislich falscher Behauptungen sowie Verstöße gegen die Satzung der Taxi München eG betreffen.

„Wir möchten uns im Namen unserer Genossenschaft bei allen Leserinnen, Lesern und allen aus unserem Taxi-Gewerbe ausdrücklich für die entstandene Unruhe entschuldigen“ schließt Curuk das Schreiben ab. „Unser gemeinsames Ziel bleibt die wirtschaftliche Stabilität und Zukunftsfähigkeit der Taxi-München eG. Dazu gehört auch ein respektvolles und verantwortungsvolles Miteinander, das wir bewusst stärken und bewahren möchten.“

Nun kann man gespannt darauf warten, wie die Vorstände der Münchner Taxi eG reagieren. Auf jeden Fall scheint eine konstruktive Zusammenarbeit des führenden Personals der Genossenschaft in München in dieser Zusammensetzung kaum noch vorstellbar.

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