Nissan präsentiert den neuen Leaf

Endlich: Neue Nissans, die voll unter Strom stehen. Nachdem man mit dem Leaf zu den Pionieren gehörte und mit dem einst den elektrischen Weltbestseller stellte, verlor Nissan etwas den Anschluss – der jetzt wieder gesucht wird. Zumindest der Leaf könnte als E-Taxi wieder eine Rolle spielen.

Drei Neue: Juke (links), Leaf (Mitte) und Micra (rechts) kommen ganz neu und elektrisch. | Foto: Nissan
Drei Neue: Juke (links), Leaf (Mitte) und Micra (rechts) kommen ganz neu und elektrisch. | Foto: Nissan
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Nissan meldet sich zurück in der Elektroauto-Liga – mit einem eigentlich überfälligen Comeback: Den Anfang macht der neue Micra, der komplett elektrisch unterwegs ist und damit als Kompaktelektriker Rolle übernimmt, die er eigentlich schon vor Jahren hätte spielen können. Optisch bleibt er nah an der Micra-DNA: Klein, kompakt, mit riesigen LED-Kulleraugen – diesmal aber mit Strom statt Sprit im Tank. Und bevor jemand fragt: Ja, er basiert auf der AmpR-Small-Plattform und damit dem Renault 5 E-Tech. Produziert wird das Ganze im französischen Douai, wo Renaults E-Offensive bereits läuft. Ein cleverer Micra-Move, immerhin kann Nissan damit auf die Technik der Allianzpartner zurückgreifen, ohne bei null anfangen zu müssen.

Bekannt sind auch die zwei Batterievarianten mit 40 oder 52 kWh, die beim großen Akku für über 400 Kilometer Reichweite reichen sollen – wer hier zu den Renault-Daten schielt, hat eine sehr korrekte Basis: Der R5 e-tech schafft nach WLTP bis zu 310 respektive 410 Kilometer, wovon real im Worst Case knapp 200 bis gut 250 übrig bleiben. Und: Auch der Micra dürfte keine 1,6 Tonnen wiegen. Noch 2025 soll das Auto in den Handel gehen. Preislich dürfte es sich auch am Renault orientieren – wer hier mit 25.000 bis 35.000 Euro rechnet, dürfte richtig liegen.

Leaf, Runde drei – diesmal bitte mit mehr Biss

Und der Leaf kommt endlich ganz neu – dann in dritter Generation, wobei die Generation zwei eigentlich ein Riesenfacelift des Urmodells war. Der erste Leaf war 2010 ein echter Meilenstein für die Elektromobilität, aber dann wurde es um ihn ziemlich still. Jetzt also ein neuer Versuch: neues Design, bessere Aerodynamik, und diesmal auf der CMF-EV-Plattform, die er sich mit dem Ariya teilt. Auch hier kann man schon mal auf die Daten der „kleineren“ Modelle schauen. Er kommt mit 63- oder 87-kWh-Akku und damit nach WLTP im Idealfall 402 bis 531 Kilometer weit, wovon rund 250 bis 350 übrig bleiben im Worst Case. Man darf gespannt sein, ob Nissan auch den 87er-Akku in den Leaf hängt – aber nachdem auch Kia EV3 oder Skoda Elroq in diesen Segmenten unterwegs sind, würde es Sinn machen.

Gebaut wird der Leaf im britischen Sunderland, das Nissan gerade zum E-Auto-Hub umbaut. Dort entsteht mit der „EV36Zero“-Initiative eine Art Produktionsdreieck aus Elektroautos, Batterien und Ökostrom. Klingt nach einem Plan – bleibt zu hoffen, dass Nissan diesmal dranbleibt.

e-Power: Halb elektrisch, halb Ausrede

Nissan hat 2022 mit e-Power eine Hybridlösung vorgestellt, die zumindest auf dem Papier ein Zwischenschritt in Richtung E-Mobilität war. Das System fährt elektrisch, wird aber von einem kleinen Benziner geladen – ein bisschen wie ein Range Extender, nur anders benannt.

Jetzt bekommt e-Power ein Update: weniger Emissionen, besseres Fahrgefühl – und das Ganze soll sich noch mehr nach „richtigem Elektroauto“ anfühlen. Praktisch für Leute, die kein Kabel sehen wollen, aber trotzdem das elektrische Gleitgefühl suchen. Über 250.000 Stück sind schon auf Europas Straßen unterwegs – also offenbar ein Treffer, wenngleich der Verbrauch bei unserem Test des X-Trail und Qashqai nicht überzeugen konnte.

Nach Jahren des Zögerns wirkt das Ganze wie eine Aufholjagd. Während andere Hersteller längst ein Modell nach dem anderen auf den Markt werfen, holt Nissan jetzt endlich eine neue elektrische Modellpalette im europäischen Kernsegment aus der Garage. Micra, Leaf, Juke, dazu eine Hybridtechnik mit mehr Ernsthaftigkeit – das ist ein Anfang. Ob das reicht, um den verlorenen Boden gutzumachen? Bleibt abzuwarten. Zumindest sieht es so aus, als hätte Nissan erkannt, dass "abwarten" keinen unter Spannung setzt.

 

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