Zukunftswerkstatt in Bamberg: TMV lädt zum Think Tank 2026 – und öffnet die Türen für alle Interessierten
In Bamberg veranstaltet der Taxi- und Mietwagenverband Deutschland (TMV) am 25. und 26. Juni seinen „Think Tank 2026“. Im Bildungszentrum Aufseesianum soll dabei bewusst nicht die klassische Verbandsveranstaltung im Mittelpunkt stehen. Statt langer Grußworte und endlose Podiumsdiskussionen setzt der Verband auf Werkstattcharakter, Diskussion und konkrete Lösungsansätze. Schon die Themenliste zeigt, dass sich der TMV an den aktuellen Brennpunkten des Gewerbes orientiert. Im Mittelpunkt stehen unter anderem die Kontrolle der Rückkehrpflicht für Mietwagen, die wirtschaftliche Zukunft von Krankenfahrten, die Auswirkungen von Sondervereinbarungen mit Krankenkassen sowie die Frage, wie sich das Gewerbe gegenüber international agierenden Plattformunternehmen behaupten kann.
Den politischen Auftakt übernimmt der Bundestagsabgeordnete Michael Donth (CDU), der seit Jahren als einer der profiliertesten Verkehrspolitiker im Bereich des Personenbeförderungsrechts gilt. Seine Teilnahme dürfte als Signal gedacht sein, dass die Anliegen des Gewerbes auch in Berlin weiterhin Gehör finden.
Rückkehrpflicht überwacht!
Besonders spannend dürfte für viele Unternehmer der Themenblock zur Rückkehrpflicht werden. Der TMV stellt mit „RouteProof“ und „driveAnalytics“ neue Softwarelösungen vor, mit denen sich mögliche Verstöße gegen die gesetzlichen Vorgaben dokumentieren und auswerten lassen sollen. Die Frage, wie die Einhaltung der Rückkehrpflicht kontrolliert werden kann, gehört seit Jahren zu den zentralen Streitpunkten zwischen Taxiunternehmen und Plattformvermittlern.
Dass sich der Konflikt zunehmend auf digitalem Terrain abspielt, zeigt ein weiterer Programmpunkt. Mit „team.getcloser“ wird eine Software für Anhörungsstellen vorgestellt, die Behörden und Kontrollinstanzen bei der Bearbeitung entsprechender Verfahren unterstützen soll. Datenanalysen, Plattformauswertungen und digitale Kontrollinstrumente entwickeln sich zunehmend zu einem wichtigen Werkzeug im regulatorischen Wettbewerb.
Der Blick über die Landesgrenzen hinaus gehört ebenfalls zum Programm. Unter dem Titel „Einheitsgewerbe Österreich – übertragbar auf Deutschland?“ diskutiert der TMV mit Christian Holzhauser, Geschäftsführer von Taxi 40100 Wien, über das österreichische Modell. Dort gelten seit Jahren deutlich einheitlichere Regeln für Taxi- und Mietwagenverkehr als in Deutschland. Die Frage, ob sich daraus Erkenntnisse für den deutschen Markt ableiten lassen, dürfte für viele Teilnehmer interessant sein.
Unser Rechts-Experte vor Ort: Thomas Grätz
Juristische Einordnung liefert zudem Thomas Grätz, der in der Branche seit Langem als ausgewiesener Experte für das Personenbeförderungsrecht bekannt ist. Angesichts der zahlreichen Gerichtsverfahren rund um Plattformanbieter und neue Mobilitätsdienste verspricht dieser Programmpunkt praxisnahe Orientierung.
Am zweiten Veranstaltungstag rückt ein anderes Thema in den Mittelpunkt: die Krankenbeförderung. Für viele Betriebe ist sie inzwischen ein unverzichtbarer wirtschaftlicher Baustein geworden. Entsprechend groß ist die Aufmerksamkeit für die aktuellen Auseinandersetzungen mit den Krankenkassen.
Unter der Überschrift „Brennpunkt Hessen“ berichtet Jens Marggraf über den aktuellen Stand der Konflikte mit der DAK. Viele Unternehmer sehen insbesondere Sondervereinbarungen und Ausschreibungsmodelle kritisch, weil sie die Wirtschaftlichkeit von Krankenfahrten zunehmend infrage stellen.
Qualitätsstandards bei Krankenfahrten
Diskutiert werden außerdem Entwicklungen im nichtqualifizierten Krankentransport. Hier verschwimmen die Grenzen zwischen Taxiunternehmen, spezialisierten Fahrdiensten und neuen Mobilitätsanbietern immer stärker. Die Sorge vieler Unternehmer: Qualitätsstandards und faire Vergütungen könnten auf der Strecke bleiben.
Gleichzeitig richtet sich der Blick nach vorn. Mit Projekten wie „Smart Move“ des GVN, digitalen Lösungen für das Entlassmanagement von Kliniken und der angekündigten „Initiative Vereinigte Fahrdienste“ stehen neue Kooperations- und Vernetzungsmodelle auf der Agenda. Ziel ist es, die Position der Branche zu stärken und langfristig eine verlässliche sowie fair vergütete Versorgung sicherzustellen.
Hausmesse öffnet auch für Nicht-Teilnehmer
Wer keinen Platz für den Think Tank gebucht hat, muss auf einen Besuch in Bamberg dennoch nicht verzichten. Parallel zur Veranstaltung organisiert der TMV eine Hausmesse, die ausdrücklich auch für interessierte Unternehmer aus der Region und dem Umland geöffnet ist.
Die Messe ist am Donnerstag, 26. Juni, von 10 bis 16.30 Uhr sowie am Freitag von 9 bis 16 Uhr geöffnet. Besucher können sich dort über aktuelle Produkte, Dienstleistungen und Entwicklungen für das Taxi- und Mietwagengewerbe informieren.
Mit dabei sind unter anderem Transform GmbH, Dittmeier Versicherungen, DMRZ, MPC Software, opta data, PTAS, Rollstuhltaxi.de, RZH, Taxi Fusion und Tribus Deutschland.
Ein besonderer Programmpunkt erwartet die Besucher am Stand von INTAX. Dort wird erstmals der neue XPeng P7+ als Taxi präsentiert. Die Weltpremiere dürfte insbesondere für Unternehmer interessant sein, die sich mit alternativen Fahrzeugkonzepten und Elektromobilität beschäftigen.
In einer Branche, die zwischen Kostendruck, Regulierung und Digitalisierung nach Antworten sucht, soll Bamberg für zwei Tage zu einer offenen Werkstatt für Ideen, Diskussionen und neue Kontakte werden. Und wer einfach nur einen Blick auf aktuelle Produkte und Dienstleistungen werfen möchte, ist auf der begleitenden Hausmesse ausdrücklich willkommen.
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