Paris Motor Show 2026: Fiat Multiplay - Drei Autos in einem!
Fiat hat offenbar beschlossen, dass normale Familienautos viel zu langweilig sind. Also haben die Italiener einen Van, einen SUV und einen Pick-up in einen Mixer geworfen. Herausgekommen ist der Fiat Multiplay. Ein Auto, das ungefähr so viele Talente verspricht wie ein Schweizer Taschenmesser – und dabei nicht länger ist als ein durchschnittlicher Kompakt-SUV.
Nur 4,45 Meter! Das ist die eigentliche Sensation. Denn auf dieser überschaubaren Länge will Fiat bis zu sieben Menschen unterbringen, reichlich Gepäck transportieren und bei Bedarf sogar eine offene Ladefläche anbieten. Andere Hersteller brauchen dafür drei verschiedene Modelle und einen ziemlich großen Parkplatz.
Einmal ziehen, schon ist der Van ein Pick-up
Der technische Partytrick hört auf den Namen „Metamorfosi“. Dahinter verbirgt sich eine verschiebbare Heckkonstruktion, die den Fiat Multiplay vom geschlossenen Familienvan in einen viersitzigen Pick-up verwandelt. Bei Fiat selbst gibt man sich jedenfalls begeistert. Arnaud Belloni, CEO der Marken Fiat, Abarth und Lancia, erklärt:
„Multiplay verkörpert eine Qualität, die wir in das nächste Kapitel von FIAT mitnehmen wollen: die Fähigkeit, das Auto im Alltag wirklich nützlich zu machen. Die Bedürfnisse von Familien verändern sich – und dieses Konzept erlaubt uns, Lösungen zu erproben, die sich mit ihnen weiterentwickeln. Es ist ein Ideenlabor für die Zukunft der Marke, mit Raum, Vielseitigkeit und jenem italienischen Charakter im Mittelpunkt, der Fiat auf den ersten Blick unverwechselbar macht.“
Klingt wunderbar. Nur hat die Automobilindustrie eine lange Tradition darin, auf Messen geniale Konzepte zu präsentieren, um anschließend wieder einen völlig gewöhnlichen SUV zu bauen. Und das klingt auch genial. Zumindest so lange, bis man sich fragt, wie schwer, teuer und kompliziert eine solche Konstruktion in der Serienfertigung wäre. Und wie es um Crashsicherheit, Dichtigkeit und Langzeitqualität bestellt ist. Schließlich soll ein Auto nicht nach dem dritten Ikea-Einkauf anfangen zu klappern wie eine Besteckschublade.
Immerhin: Selbst der Heckspoiler hat einen Nebenjob. Er lässt sich zum Fahrradträger umfunktionieren und nimmt bis zu zwei Räder auf. Das ist clever – sofern die Konstruktion in der Praxis ebenso gut funktioniert wie auf dem Messestand.
Der Multipla ist zurück. Irgendwie. Mit einem speziellen Platz für Haustiere!
Der Fiat Multiplay erinnert nicht zufällig an den legendären Multipla. Schon 1956 brachte Fiat sechs Menschen auf rund 3,50 Metern unter. Der Multipla von 1998 schaffte sechs Sitzplätze auf weniger als vier Metern – und sah dabei aus, als hätte jemand zwei verschiedene Autos übereinandergestapelt.
Der neue Multiplay übernimmt zumindest den Mut zum Anderssein. Statt sechs Sitzen in zwei Reihen gibt es nun eine 6+1-Konfiguration mit einem sogenannten „Petsenger Seat“.
Dieser kann Kindersitzhalterung, Haustierplatz, Tisch oder Ablage sein. Sogar eine Hundeleine und ein faltbarer Napf gehören zum Konzept. Fiat denkt also nicht nur an die Kinder, sondern auch an den Familienhund. Ob der sich über die Wassermelonen-Farbgestaltung freut, ist allerdings fraglich.
Für die Erwachsenen gibt es den „Sunseat“: einen drehbaren Beifahrersitz, der sich im Stand in eine Art Liegestuhl verwandelt. Dazu kommen ein riesiges Panoramadach, viel Glas und ein Display, das bei ausgeschaltetem Fahrzeug verschwindet.
Das klingt nach italienischem Dolce Vita. Oder nach einem Wohnzimmer, das zufällig Räder bekommen hat.
Wassermelone statt Einheitsgrau
Auch optisch verweigert sich der Fiat Multiplay dem automobilen Einheitsbrei. Außen leuchtet er grün, innen dominieren Rot, Rosa und Türkis. Die Inspiration: eine Wassermelone.
Das ist entweder herrlich italienisch oder ein ernsthafter Angriff auf den guten Geschmack. Wahrscheinlich beides.
Bei den Materialien setzt Fiat auf 3D-gestrickte Textilien, wasserabweisende Oberflächen und möglichst einfache Materialstrukturen. Klingt nachhaltig und praktisch. Allerdings muss sich erst zeigen, ob das Ganze auch einen echten Familienalltag mit matschigen Schuhen, verschüttetem Orangensaft und zwei schlecht gelaunten Kindern übersteht.
Kommt der Fiat Multiplay auf Grizzly-Basis?
Die spannendste Frage stellt Fiat allerdings gar nicht erst: Bleibt der Multiplay ein rollendes Ideenlabor oder steckt dahinter bereits ein möglicher Serienableger? Offiziell betont Fiat, dass die Studie keinen konkreten Ausblick auf ein Serienmodell gibt. Doch ganz abwegig wäre eine Serienversion nicht.
Schließlich könnte die technische Basis des Fiat Grizzly eine interessante Ausgangslage bieten. Sollte Fiat dessen Architektur auch für den Multiplay nutzen, ließen sich Entwicklungsaufwand und Kosten möglicherweise deutlich reduzieren. Die kompakten Außenmaße von nur 4,45 Metern würden jedenfalls gut zu einem erschwinglichen, besonders variablen Familienauto passen.
Natürlich ist das bislang reine Spekulation. Weder eine gemeinsame Plattform noch eine Serienproduktion sind bestätigt. Und ob es die aufwendige Schiebe-Heckkonstruktion tatsächlich in ein bezahlbares Serienauto schaffen könnte, steht auf einem ganz anderen Blatt. Vielleicht wäre ein etwas weniger verrückter Multiplay auf Grizzly-Basis sogar die vernünftigere Lösung.
Fazit: Endlich wieder ein Fiat mit einer wirklich verrückten Idee
Der Fiat Multiplay ist genau die Sorte Auto, die man heute viel zu selten sieht. Kein weiterer austauschbarer SUV mit aggressivem Kühlergrill und 27 Zoll großen Bildschirmen, sondern ein ungewöhnliches Raumkonzept mit echten Ideen.
Das Beste daran sind nicht die Wassermelonenfarben, der Hundesitz oder der verwandelbare Heckspoiler. Es sind die gerade einmal 4,45 Meter Länge. Denn wenn Fiat tatsächlich so viel Nutzwert auf so wenig Raum unterbringen kann, wäre das eine bemerkenswerte Leistung.
Noch ist der Multiplay allerdings ein Konzeptfahrzeug, das mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Besonders die komplizierte Verwandlung vom Van zum Pick-up dürfte in der Realität eine Herausforderung werden.
Was bedeutet das?
Sollte Fiat den Mut haben, aus der Studie einen bezahlbaren Serienwagen zu entwickeln – vielleicht sogar auf Grizzly-Basis –, könnte aus dieser italienischen Wassermelone tatsächlich ein ziemlich cleveres Familienauto werden. Und das wäre allemal besser als der nächste langweilige SUV.
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