Vattenfall wird Partner beim Zukunftstaxi – Hamburgs E-Mobilität nimmt Fahrt auf
Die Reaktion des Gewerbes auf die „von oben“ verordnete Umstellung auf E-Taxis fiel verhalten, aber nicht ablehnend aus. Rund 700 dieser Fahrzeuge sind mittlerweile im Einsatz. Damit das Projekt künftig nicht an der Ladezeit scheitert, baut nun Vattenfall gemeinsam mit Lidl eine eigene Schnellladeinfrastruktur – exklusiv für Taxis.
Dabei sollen 26 Ladepunkte an 13 Standorten entstehen, strategisch verteilt über das Stadtgebiet. Die erste Station wird nach aktuellem Stand im Juli an der Lidl-Filiale in der Kieler Straße eröffnen. Für Taxifahrende bedeutet das: Schnellladen während der Pause, ohne Umweg und mit Zugang zu Infrastruktur, die nicht vom allgemeinen Ladeverkehr verstopft ist.
Ein Projekt mit klarer Richtung
Das Vorhaben ist Teil des städtischen Förderprogramms Zukunftstaxi, das 2021 gestartet wurde. Es kombiniert finanzielle Anreize – bislang rund 4,2 Millionen Euro Fördermittel – mit flankierenden Maßnahmen wie Schulungen, einer Beratungsstelle und nun eben auch der Ladeinfrastruktur. Das Ziel ist klar: Das Taxigewerbe soll zeigen, dass die Umstellung auf Elektroantrieb auch unter den Bedingungen eines eng getakteten Fahrplans möglich ist.
Der Ansatz ist pragmatisch: Kein allumfassender Umbau des Verkehrs, sondern ein gezielter Einstieg dort, wo Fahrzeuge viel unterwegs sind, eine hohe Sichtbarkeit genießen – und einen direkten Beitrag zur Emissionsreduktion leisten können. Im städtischen Raum, so die Überzeugung, ist der elektrische Antrieb für Taxis längst eine realistische Option.
Partner aus der Wirtschaft – und aus Schweden
Dass sich Vattenfall als größter Partner der Ladeinfrastruktur positioniert, ist nicht zufällig. Der Energieversorger ist nicht nur Grundversorger in Hamburg, sondern bringt auch Erfahrung aus dem Heimatmarkt Schweden mit, wo Elektromobilität schon weiter verbreitet ist. Für das Projekt kooperiert man mit Lidl, das die Flächen stellt. Die Ladepunkte sollen zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie betrieben werden.
„Mit diesen Schnellladestationen machen wir Hamburg zur Vorzeigestadt für die Elektrifizierung des Taxiverkehrs und schaffen die notwendige Infrastruktur für einen reibungslosen Übergang,“ sagt Fabian Hagmann, Vice President E-Mobility bei Vattenfall.
Der Discounter Lidl stelle die Flächen zur Verfügung, und Vattenfall sorge dafür, dass die Taxis schnell, effizient und mit 100 Prozent erneuerbarer Energie geladen werden können. Dabei könne Vattenfall auf unsere langjährige Erfahrung in Schweden zurückgreifen.
„Vattenfall ist in Hamburg Grundversorger, der Standort hat für uns also eine besondere Bedeutung“ so Hagemann weiter.
Das klingt ambitioniert – doch die Struktur dafür entsteht tatsächlich. Und: Das Beispiel könnte Schule machen. Denn mit der für dieses Jahr geplanten vierten Förderstufe, bei der ausschließlich Verbrenner-Taxis gegen E-Modelle getauscht werden, will Hamburg auch anderen Städten ein Modell liefern.
Eine Branche im Wandel
Dass ein solches Projekt überhaupt funktioniert, liegt auch am Dialog mit dem Gewerbe. Die Stadt hat frühzeitig den Austausch gesucht, Verbände einbezogen und Pilotphasen eingeführt. Gerade für kleinere Unternehmen ist der Wechsel auf Elektrofahrzeuge eine Investition – und die Ladeinfrastruktur ein entscheidender Faktor. Ist sie nicht verfügbar, bedeutet das Wartezeit und damit Einnahmeverluste.
Mit dem nun geplanten Netz an exklusiven Schnellladern reduziert sich dieses Risiko deutlich. Die Stationen sollen gezielt dort entstehen, wo Fahrer ohnehin Pause machen oder zwischen zwei Fahrten gut anhalten können. So wird aus einem strategischen Ladevorgang ein Teil des Arbeitsalltags.
Mehr als Symbolpolitik
Dr. Anjes Tjarks, Hamburgs Verkehrssenator, spricht von einem „Modell für nachhaltige, moderne Mobilität“. Tatsächlich bleibt das Projekt konkret und messbar. Die Zahl der E-Taxis wächst, die Ladepunkte werden gebaut, die Fördermittel fließen. Und: Die Partnerschaft mit Unternehmen wie Vattenfall und Lidl zeigt, dass privatwirtschaftliches Interesse und städtische Ziele durchaus zusammenfinden können – zumindest, wenn die Voraussetzungen stimmen.
Hamburg macht also bei der Elektrifizierung weiter Tempo!
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