Drei Plug-in-Hybride stoßen zu viel CO2 aus

Der europäische Umweltdachverband Transport & Environment fordert das schnelle Ende von Steuervergünstigungen für Plug-in-Hybrid-Dienstwagen, nachdem Praxistests zeigen, dass drei Modelle von BMW, Peugeot und Renault viel mehr CO2 ausstoßen als angegeben. Zudem schaffen sie weit weniger Strecke rein elektrisch. Auch die Geofencing-Technologie ist zweifelhaft.

Von wegen emissionsfrei: Praxistests ergaben selbst bei voller Batterie dreimal höhere CO2-Emissionen als behauptet, auf einer typischen Pendlerstrecke. Auch das Geofencing ist zweifelhaft, wenn außerorts dafür mehr verbraucht wird, um innerstädtisch elektrisch fahren zu können. | Foto: BMW
Von wegen emissionsfrei: Praxistests ergaben selbst bei voller Batterie dreimal höhere CO2-Emissionen als behauptet, auf einer typischen Pendlerstrecke. Auch das Geofencing ist zweifelhaft, wenn außerorts dafür mehr verbraucht wird, um innerstädtisch elektrisch fahren zu können. | Foto: BMW
Redaktion (allg.)
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

Der europäische Umweltdachverband Transport & Environment (T&E) hat nach einem Praxistest mit Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen (PHEV) von BMW, Peugeot und Renault ein schnelleres Ende für die Förderung der Doppelantriebsfahrzeuge gefordert. Noch immer würden die PHEV als klimafreundliche Lösung angepriesen. Tests der meistverkauften PHEV-Modelle von BMW und zwei weiteren Marken zeigten jedoch, dass sie im Stadt- und Pendlerverkehr mehr CO2 ausstoßen als angegeben, so die NGO. Vor zwei Jahren stellte T&E fest, dass die Technologie, die eine elektrische Batterie und einen Verbrennungsmotor kombiniert, auf längeren Strecken deutlich mehr CO2 ausstößt als von Unternehmen beworben. Neue Tests bestätigen die Forderung von T&E an die Bundesregierung, die Privilegien für PHEV bei der Dienstwagenbesteuerung zu beenden, die in den kommenden zwei Jahren die Steuerzahlenden 1,2 Milliarden Euro kosten werden.

Selbst bei voller Batterie dreifacher CO2-Ausstoß

Die neuen Erprobungen in der Praxis hätten ergeben, dass der BMW 3er Plug-in-Hybrid selbst bei einem Start mit voller Batterie dreimal so viel CO2 ausstößt wie vom Hersteller angegeben. Im Auftrag von T&E führte die Technische Universität Graz die Tests auf einer typischen Pendlerstrecke durch. Die PHEV-Modelle Peugeot 308 und Renault Mégane schnitten bei den Tests besser ab, stießen aber trotz der relativ kurzen Strecke (55 km) und voller Batterie immer noch 20 Prozent beziehungsweise 70 Prozent mehr als angegeben aus. Im Stadtverkehr hatte der Peugeot mit einer einzigen Ladung nur etwas mehr als die Hälfte (53 Prozent) der angegebenen elektrischen Reichweite, während der BMW 74 Prozent von dieser erreichte. Nur der Renault erfüllte die angegebene elektrische Reichweite. Allerdings wird er mit einer Reichweite von nur 50 km pro Ladung und ohne Schnellladefunktion im Pendlerverkehr in europäischen Städten nur begrenzt einsetzbar sein, so die Einschätzung der NGO.

„BMW behauptet, seine Plug-in-Hybride seien ideal für die Fahrt zwischen Wohnung und Arbeitsplatz. Im Praxistest in der Stadt ist die elektrische Reichweite des BMW 3er aber kürzer als beworben und im Pendelverkehr stößt er dreimal so viel CO2 aus wie angegeben. Dennoch ist er einer der meistverkauften PHEV in Deutschland, weil Gesetzgeber Plug-in-Hybride nicht nach ihren tatsächlichen Emissionen bewerten", kritisierte Friederike Piper, Referentin für E-Mobilität bei T&E Deutschland.

 

Siebzig Prozent der PHEV sind Dienstwagen

In Deutschland werden sieben von zehn neuen PHEV auf dem Firmenwagen-Markt zugelassen. Der BMW 3er liegt dabei auf dem dritten Platz der beliebtesten Modelle. Anreize für den hohen Absatz von PHEV auf dem Firmenwagen-Markt sind vor allem die Privilegien bei der Dienstwagenbesteuerung, bei der im Vergleich zum Verbrenner für PHEV nur die Hälfte des Bruttolistenpreises als geldwerter Vorteil angesetzt wird. Untersuchungen bestätigen, dass Firmenwagen-PHEV die meisten Kilometer im Verbrennermodus fahren und selten aufgeladen werden. Bei Tests mit leerer Batterie stießen die Modelle von BMW, Peugeot und Renault auf der Straße das Fünf- bis Siebenfache der angegebenen CO2-Emissionen aus.

Geofencing: Sinnlos, wenn außerhalb mehr verbraucht wird

Die Tests lassen auch Zweifel an der Wirksamkeit der neuen eDrive Zones-Technologie von BMW aufkommen, die den PHEV in Städten automatisch auf emissionsfreies elektrisches Fahren umschalten soll. Beim Test innerhalb der Stadt Graz schaltete der BMW 3er trotzdem zweimal den Verbrennungsmotor ein. Die Tests deuten auch darauf hin, dass der BMW außerhalb von Städten Batterieladung sparen könnte, für den Fall, dass das Fahrzeug später in eine sogenannte Geo-Fencing-Zone fährt. Laut T&E garantiert die derzeitige Geo-Fencing-Technologie somit kein emissionsfreies Fahren in Städten und birgt die Gefahr, dass CO2-Emissionen außerhalb solcher Zonen steigen.

Die Bundesregierung subventioniert PHEV-Dienstwagen, die deutlich mehr CO2 ausstoßen als offiziell angegeben, nach T&E-Analysen mit 1,2 Milliarden Euro allein in den Jahren 2023 und 2024. Aber auch private Autobesitzer sind von den versteckten Mehrkosten des Betriebs von Plug-in-Hybriden betroffen. Die elektrische Reichweite ist oft geringer als angegeben und der tatsächliche Kraftstoffverbrauch höher.

“Plug-in-Hybride hindern Deutschland daran, die nationalen Klimaziele zu erreichen und 15 Millionen vollelektrische Autos bis 2030 auf die Straße zu bringen. Die Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag vereinbart, die Dienstwagenbesteuerung für PHEV zu reformieren. Ihre pauschale Privilegierung sollte im kommenden Klimaschutz-Sofortprogramm rückgängig gemacht und ihre Besteuerung an ihrem wahren Umwelteffekt ausgerichtet werden. Nur so kann die Bundesregierung diese umweltschädlichen Subvention endlich abbauen", appellierte Friederike Piper.

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