Welt-Journalist beleidigt Taxibranche

Ein Journalist der Tageszeitung „Die Welt“ nimmt in einer kürzlich erschienenen Kolumne ein persönliches Erlebnis zum Anlass, das Taxigewerbe völlig undifferenziert und verallgemeinernd an den Pranger zu stellen. Wir sind der Meinung: Persönliche Rachefeldzüge gegen einen ganzen Berufsstand haben in einer renommierten Tageszeitung nichts zu suchen.
Redaktion (allg.)

Der Journalist der „Welt“ heißt Stefan Anker. Der Titel seines Beitrags lautet „Wenn Taxifahrer zudringlich werden“. Herr Anker verrät uns einiges aus seinem Privatleben: Dass er in einem Dorf an einem kleinen, halbdunklen Feldweg wohnt, dass er verheiratet ist und vor kurzem einem Taxifahrer am liebsten ein paar Backpfeifen verpasst hätte. Denn jener wäre gegenüber seiner Frau, als diese sich alleine von besagten Kollegen heimfahren ließ, sehr zudringlich geworden. Der Taxifahrer hätte nicht mehr aufgehört, auf seine Frau einzureden, berichtet uns Anker in seiner Kolumne. Er hätte von seiner Ex-Frau erzählt, die ihn verlassen habe, von dem Haus mit den vielen Zimmern, das ihm nun, da auch die Kinder erwachsen seien, viel zu groß vorkomme und nun darauf warte, wieder ein weibliches Wesen schalten und walten zu sehen.

Dann hätte er Frau Anker nach ihrer Telefonnummer gefragt und wissen wollen, ob sie nicht mal zusammen etwas trinken gehen könnten.

Nun, besagte Geschichte mag sicher der Wahrheit entsprechen und der daraus resultierende Zorn des Ehemannes über diese „plumpe Anmach-Methode“ verständlich sein. Besagtes Verhalten des Taxikollegen ist – um es mal auf Neudeutsch auszudrücken – ein absolutes „No-Go“ und durch nichts zu entschuldigen. Frau Anker hat sich berechtigterweise nicht mehr sicher gefühlt und Herr Anker hat völlig Recht, wenn er dieses Verhalten als „peinlich“ bezeichnet.

Nicht minder peinlich ist allerdings, wie Herr Anker mit dieser Geschichte umgeht. Bevor der Journalist nämlich diesen Vorfall beschreibt, geißelt er das Taxigewerbe ab. Er schreibt wörtlich: „Lassen wir mal beiseite, dass viele Taxis heute aussehen wie rollende Müllhalden, dass Fahrer kaum deutsch sprechen, sich nicht gut auskennen oder fahren wie die Henker.“

Eine solche Verunglimpfung trifft jeden Taxifahrer bis ins Mark und ist eine Beleidigung all jener Kolleginnen und Kollegen, die tagtäglich in ihren sauberen Autos und ohne sprachliche Barrieren mit ordentlichem Fahrstil ihre Fahrgäste zuverlässig und sicher nach Hause bringen.

Denn das alles ist für jeden in der Taxibranche genauso selbstverständlich wie es für gewissenhafte Journalisten zum Ehrencodex gehört, jede öffentliche Behauptung nach besten Wissen und Gewissen aufzustellen. Man bezeichnet dies auch als „journalistische Sorgfaltspflicht“.

Pauschaliert zu behaupten, viele Taxis seien rollende Müllhalden etc. verstößt gegen jegliche journalistische Sorgfaltspflicht, denn Herr Anker hätte wissen müssen, dass dies auf eine ganz, ganz große Mehrheit unter den rund 30.000 Taxis nicht zutrifft.

Als taxifahrender Chefredakteur von taxi heute schäme ich mich für das Verhalten meines Taxi-Kollegen gegenüber seinem weiblichen Fahrgast. Ich schäme mich aber auch für meinen Redaktions-Kollegen der Tageszeitung „Die Welt“, der mit seinen beleidigenden und undifferenzierten Aussagen eine ganze Berufsgruppe an den Pranger gestellt hat.

Unsere Redaktion wird sowohl Herrn Anker als auch den stellvertretenden Chefredakteur der „Welt“ über diese Zeilen informieren. Es würde dem Ansehen dieser renommierten Tageszeitung sicher gut zu Gesicht stehen, wenn sich Herr Anker für diese journalistische Entgleisung entschuldigt.

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