„Taxi-Revolution“: Verband kritisiert Verdrängung durch Mietwagen-Plattformen

Der Bundesverband Taxi warnt vor dem Abwandern plattformbasierter Mietwagen in kleinere Städte und fordert politische Maßnahmen. Auch die Elektrifizierung und der ländliche Raum stehen im Fokus der Kritik.

Marc Borucki, zuständig bei Signal Iduna für den Bereich „Kooperation Zielgruppen“ und Bundesverbands-Referentin Svenja Lange-Wilde. | Foto: Bundesverband Taxi und Mietwagen e.V.
Marc Borucki, zuständig bei Signal Iduna für den Bereich „Kooperation Zielgruppen“ und Bundesverbands-Referentin Svenja Lange-Wilde. | Foto: Bundesverband Taxi und Mietwagen e.V.

Im Rahmen der Jahrestagung der VdK Versicherung der Kraftfahrt, die heute zur Signal Iduna Gruppe gehört, trafen sich in der Dortmunder Hauptverwaltung rund 60 Teilnehmende aus Vertrieb und Geschäftsleitung. Anlass war unter anderem das 45-jährige Bestehen der Partnerschaft zwischen der VdK und dem Bundesverband Taxi und Mietwagen.

Vortrag zur aktuellen Marktlage

Svenja Lange-Wilde, Referentin für Kommunikation beim Bundesverband Taxi und Mietwagen, referierte unter dem Titel „Taxi-Revolution“ zur aktuellen Situation im Gewerbe. Der Fokus lag auf den Auswirkungen plattformbasierter Mietwagenanbieter wie Uber oder Bolt. Diese würden das Taxigewerbe in vielen deutschen Städten unter massiven Preisdruck setzen und zu einem unfairen Wettbewerb führen, so die Analyse des Verbandes.

“Wir sehen hier an aktuellen Zahlen für das Bundesland Berlin aber auch hinein in mittelgroße Städte einen Abwanderungseffekt. Die Mietwagen sind also nicht weg, sie sind nur woanders, und zwar im Berliner Umland oder sie wandern in kleinere noch nicht betroffene Städte wie zum Beispiel Bielefeld ab“, erklärt sie und schließt: „Die einzige Lösung, die das Gewerbe bundesweit für einen wirklich fairen Wettbewerb benötigt und das Taxisterben stoppt, sind Mindestpreise.“

Regulierungsbedarf und gesetzliche Maßnahmen

Ein zentraler Punkt des Vortrags war die Forderung nach bundesweiten Mindestpreisen für Mietwagenverkehre. Als Beispiel führte Lange-Wilde die Stadt Berlin an, wo verschärfte Kontrollmaßnahmen – etwa der Entzug von Genehmigungen und die Überwachung der Rückkehrpflicht – erste Effekte gezeigt hätten. Dennoch sei das Problem nicht gelöst, sondern lediglich in kleinere Städte und das Umland verlagert worden.

Verbandsarbeit und Protestaktionen

Der Bundesverband Taxi und Mietwagen hat in den vergangenen Monaten verschiedene Maßnahmen zur politischen und öffentlichen Sensibilisierung initiiert. Dazu zählen regelmäßige Informationsformate wie ein Newsletter, ein internes Behördenportal mit Gutachten und Positionspapieren sowie das jährliche PBefG-Symposium. Zudem koordiniert der Verband den „Nationalen Aktionstag Taxi“, der am 2. Juli 2025 in 14 Städten stattfinden soll.

Neuregelung zur Fahrerqualifikation

Ein weiteres Thema war die Einführung der sogenannten „Kleinen Fachkunde“. Diese Qualifikationsmaßnahme soll ab diesem Jahr verpflichtend für Fahrerinnen und Fahrer von Taxis und Mietwagen sein. Ziel ist die Erhöhung der Verkehrssicherheit durch grundlegende Schulungsinhalte.

Digitalisierung und Kooperationen

Lange-Wilde berichtete zudem über Fortschritte bei der Digitalisierung von Taxigutscheinen im Rahmen der fortgeführten Kooperation mit der Deutschen Bahn. Die Umstellung auf digitale Prozesse wird als Schritt zur besseren Integration des Taxis in den öffentlichen Verkehr gesehen.

Einordnung des Koalitionsvertrags

Abschließend nahm die Referentin Bezug auf den aktuellen Koalitionsvertrag auf Bundesebene. Zwar werde das Taxigewerbe nicht explizit erwähnt, es seien aber auch keine weiteren Deregulierungen geplant. Der Verband sieht darin ein positives Signal für die Einbindung des Taxis als Teil des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). Unterstützt werden zudem Pläne für einen Mobilitätspakt, die Einführung einer Pflicht zur Kartenzahlung sowie die Verbesserung der Verkehrsversorgung im ländlichen Raum durch ÖPNV-Taxi-Konzepte. Kritisch äußerte sich der Verband zur fehlenden Berücksichtigung des kleinteiligen Taxigewerbes bei der Förderung von E-Mobilität, die derzeit überwiegend auf private Haushalte und größere Unternehmen abzielt.

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