Studie à la carte – Luzerner Hochschule und Uber im Zusammenspiel

Die Hochschule Luzern agiert ausdauernd in der Forschung – mit einem Geschäftsmodell, das großen Auftraggebern entgegenkommt. Wie gezielte Finanzierung und mediale Verwertung wirken, zeigt ein Beispiel einer Studie zu Uber - bezahlt vom Anbieter selbst.

Die Hochschule Luzern hat eine Studie veröffentlicht, die Uber u. a. als Innovator im Mobilitätssektor bezeichnet- Auftraggeber der Studie: Uber selbst.| Foto: Hochschule Luzern/KI
Die Hochschule Luzern hat eine Studie veröffentlicht, die Uber u. a. als Innovator im Mobilitätssektor bezeichnet- Auftraggeber der Studie: Uber selbst.| Foto: Hochschule Luzern/KI

Wie das gemeinnützige Nachrichtenportal „infosperber“ berichtete präsentierte die Schweizer Sonntags-Zeitung (Tamedia) eine Grafik mit der Schlagzeile: „An Uber hängen 5 500 Vollzeitstellen in der Schweiz.“ Beim genauen Hinsehen schrumpfen die Uber- und Uber-Eats-Aufträge auf 4 300 Stellen – alle übrigen Beschäftigten entfielen auf Gastronomie und andere Kategorien, die angeblich dank Uber entstanden. Die Daten – so bemerkenswert – stammen ausschließlich von Uber selbst. Eine Studie, die Uber bei der Hochschule Luzern in Auftrag gegeben und mit rund 50 000 Franken bezahlt hat, bildet die Grundlage. Es überrascht kaum, dass die Grafik prominent erschien – mit Wohlwollen von Licht und Tamedia.

Schon die Zusammenfassung trägt den Ton des Auftraggebers: Uber habe seit 2013 „zur Innovation im Mobilitätssektor, zur Arbeit und zur Wertschöpfung“ beigetragen. Zudem werde Uber als integraler Bestandteil des urbanen Verkehrssystems gezeichnet – als flexible, zugängliche Alternative zum traditionellen Transport. Klar ist: Eine kritische Distanz fehlt. Zur Gruppe „Andere“, die dank Uber angeblich Arbeit finden, rechnet die Studie auch Tankwarte, Versicherungsangestellte und Automechaniker.

Trotz aller Hinweise auf mögliche Interessenskonflikte brachte die Sonntags-Zeitung eine ganze Seite über die Studie – der kritische Blick blieb aus. Auch andere Tamedia-Blätter folgten in der Folge schablonenhaft mit positiver Berichterstattung.

Hochschulmarketing und Medienaffinität

Die Hochschule Luzern versteht sich nicht zuletzt als Medienschmiede – und das zahlt sich aus. Recherchen zeigen, dass Studien aus Luzern innerhalb eines Jahres mehr als 1 000 Mal in Schweizer Medien zitiert wurden, wenn die Begriffe „Studie“ und „Hochschule Luzern“ verwendet wurden.

Tamedia-Zeitungen greifen solche Studien regelmäßig bereitwillig auf. Fraglich bleibt, welchen Anteil journalistische Recherche und kritische Prüfung bei der Übernahme haben – und welchen Anteil das bloße Angebot gelieferten Materials?

Es fällt auf: Die Auftraggeber profitieren unmittelbar. Uber suggeriert, Umsatz und Arbeitsplätze zu schaffen – und erhält hohe mediale Reichweite. Das Nachrichtenportal „infosperber“ kritisiert, die Hochschule Luzern liefere willfährige Projektarbeit auf Kundenwunsch. Und die Medien wiederum übernähmen bereitwillig die Ergebnisse – ohne auf methodische Grenzen der jeweiligen Studien hinzuweisen.

Auftraggeber finanziert - Hochschule produziert - Presse publiziert

Der Ton bleibt zustimmend, die Distanz fehlt. Unter dem Label „Studie“ wird Werbung in wissenschaftlichem Gewand präsentiert. Auch in Deutschland war Uber mit „organisierten“ Studien, die dann in der Presse gehör fanden, aufgefallen. Zuletzt mit der Analyse eines Mitarbeiters der Technischen Universität Berlin, der unter dem Titel „Dekonstruktion des Taxi-Opfernarrativs“ im Auftrag von Uber darlegte, dass der Taxitarif in den letzten Jahrzehnten angeblich inflationsbereinigt überproportional gestiegen sei.

Für die Medienlandschaft wäre es ein Gewinn, wenn mehr kritische Bewertung und weniger bloße Weiterleitung stattfinden würde. In diesem Sinne: Behalten wir den prüfenden Blick darauf, wessen Interessen und Geld hinter den jeweiligen Informationen stecken!

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