125 Jahre Taxi-Innung Berlin – Zwischen Tradition und Wandel
Die Berliner Taxi-Innung beging am 12. Juni ihr 125-jähriges Bestehen – eine Zäsur, die nicht nur Anlass zum Feiern war, sondern auch zum Nachdenken über die Zukunft eines Berufsstandes, der sich zunehmend unter Wettbewerbsdruck sieht. In der Filiale der MCF Motor Company in Spandau, wo sich Unternehmer, Politiker und Vertreter der Branche versammelten, war die Freude über das Jubiläum spürbar – doch es blieb nicht bei nostalgischen Rückblicken.
Ein Gewerbe unter Druck
„Die Auftragslage ist sehr schwach“, konstatierte Leszek Nadolski, Erster Vorsitzender der Berliner Taxi-Innung, bereits im Vorfeld. Viele Fahrerinnen und Fahrer sähen sich gezwungen, zusätzlich für Plattformanbieter wie Uber oder Bolt zu fahren. Auch die seit einem Jahr mögliche Buchung von Festpreisen im Taxi habe daran wenig geändert. Zwar sorge sie für Preissicherheit und werde von Kunden geschätzt – die wirtschaftliche Entlastung für die Fahrer aber sei ausgeblieben.
Das Hauptproblem bleibt der strukturelle Wettbewerb. Während Taxibetriebe an gesetzlich definierte Mindestpreise gebunden sind, dürfen Mietwagenanbieter ihre Preise flexibel gestalten. Für die Innung ein klarer Wettbewerbsnachteil. Nadolski fordert deshalb einheitliche Regeln:
„Dann liegt der Vorteil beim besseren Dienstleister.“
Der Berliner Senat hatte im Januar die Prüfung von Mindestpreisen für Mietwagen angekündigt. Laut aktueller Auskunft ist diese noch nicht abgeschlossen. Eine Entscheidung wird bis Jahresende erwartet. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (LABO) Hunderte Fahrzeuge auf Plattformen wie Uber und Bolt überprüft und viele davon aus dem Verkehr gezogen. Doch die Branche beobachtet, wie Mietwagenunternehmen zunehmend auf das Berliner Umland ausweichen – eine Entwicklung, die laut Nadolski einer effektiven Kontrolle entgegensteht.
Feierliche Reden und klare Botschaften
Am 13. Juni wurde das Jubiläum mit einer offiziellen Feier gewürdigt. Gastgeber Detlef Slupinski, Inhaber der MCF Motor Company, verwies in seiner Eröffnungsrede auf die soziale Verantwortung seines Unternehmens. Die von ihm und seiner Frau gegründete Stiftung unterstützt Auszubildende mit Schwierigkeiten – ein Signal, dass Ausbildung und Zusammenhalt auch im Gewerbe zählen.
Die Senatorin für Mobilität, Ute Bonde, erinnerte an die historische Bedeutung des Taxis für Berlin. Ihre Rede verband humorvolle Beobachtungen – „Früher hat man gewunken, heute wischt man“ – mit politischen Ankündigungen: Man werde sich auch weiterhin des Problems illegaler Anbieter annehmen. Berlin sei bereits aktiv geworden, doch liege zum Beispiel der Flughafen BER schon außerhalb der Stadtgrenze. Um den Druck der von außerhalb nach Berlin einströmenden Fahrzeuge der Plattformbetreiber Herr zu werden, sei eine enge Zusammenarbeit mit Brandenburg und den anderen umliegenden Kreisen enorm wichtig. Eine neu gegründete Arbeitsgemeinschaft Plattformgeschäft solle den Kommunen helfen, ähnliche Maßnahmen zu ergreifen wie Berlin.
Dr. Severin Fischer, Staatssekretär der Senatsverwaltung für Wirtschaft, unterstrich die wirtschaftliche Bedeutung der Taxi-Branche. Mit rund 5.000 Taxis und über 10.000 Beschäftigten bleibe das Gewerbe ein stabiler Bestandteil des städtischen Mobilitätsangebots und der städtischen Wirtschaft. Die Elektrifizierung der Taxi-Flotte sei ein weiterer wichtiger Schritt: Schon jetzt seien 500 E-Taxis auf Berlins Straßen unterwegs, bald werde die Marke von 1.000 erreicht.
„Gerade weil Taxis besonders viel fahren, ist ihr Beitrag zum Klimaschutz nicht zu unterschätzen.“
V.l.n.r.: Nico Höttges, Thomas Kroker, Ute Bonde und Patrick Meinhardt. | Foto: Thomas Kanzler
Ort des Jubiläums: Die Berliner Taxi-Innung feierte ihr 125-jähriges Bestehen in der Spandauer Filiale der MCF Motor Company. | Foto: Thomas Kanzler
Politischer Austausch: Tino Schopf, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, im Gespräch mit Gästen der Jubiläumsveranstaltung in Spandau. | Foto: Thomas Kanzler
Ute Bonde mit Detlef Waldner. | Foto: Thomas Kanzler
Ein Appell an die Politik
Den emotionalen Höhepunkt bildete die – sehr kurze – Rede von Leszek Nadolski. Er dankte für die Ehrungen und die große Resonanz, betonte aber erneut die zentrale Forderung der Branche: Mindestpreise für Mietwagen. Diese Forderung wurde auch vom Präsidenten des Taxi- und Mietwagenverbandes Deutschland (TMV), Thomas Kroker, bekräftigt. Er erinnerte an die geplante bundesweite Taxi-Aktion am 2. Juli und forderte:
„München, Berlin und Hamburg müssen beim Mindestpreis für den Mietwagen vorangehen, dann werden die anderen folgen!“
Christian Linz, Geschäftsführer des bayerischen Landesverbands, beschloss das offizielle Programm mit einem Gedicht, das er – zur allgemeinen Erheiterung – mit geliehener Brille vortrug. Die Verse stammten, wie er freimütig zugab, von einer KI. Die beiden Bilder unter dem gerahmten Gedicht – historische Taxi-Szenen aus Berlin – jedoch waren Originale.
Auf weitere 125 Jahre?!
Die Berliner Taxi-Innung blickt auf eine 125-jährige Geschichte zurück, die von Stabilität und Wandel zugleich geprägt ist. Die Branche steht vor Herausforderungen, die politisches Handeln und inneren Zusammenhalt gleichermaßen erfordern. Das Jubiläum war nicht nur eine Feier – es war auch ein Appell.
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