Patrick Nothhaft zieht Konsequenzen – Rücktritt bei der Taxi München eG

Bei der Taxi München eG kommt es erneut zu einem personellen Einschnitt. Vorstand Patrick Nothhaft, erst seit Ende 2023 im Amt, hat seinen Rücktritt zum 31. Oktober 2025 angekündigt. Der 30-jährige Münchner Taxiunternehmer begründet seinen Schritt mit tiefen Spannungen zwischen Vorstand und Aufsichtsrat.

Patrick Nothhaft zieht sich aus dem Vorstand der Taxi München eG zum Ende Oktober 2025 zurück.| Foto: Taxi München eG
Patrick Nothhaft zieht sich aus dem Vorstand der Taxi München eG zum Ende Oktober 2025 zurück.| Foto: Taxi München eG

„Leider haben sich in den letzten Monaten Differenzen in der Zusammenarbeit innerhalb des Vorstands und mit dem Aufsichtsrat ergeben, die ich als unüberbrückbar empfinde“, erklärte er in einer Mitteilung.

Nothhaft spricht von Eingriffen des Aufsichtsrats in operative Entscheidungen, die nach seiner Auffassung gegen die klare Trennung der Verantwortlichkeiten zwischen beiden Gremien verstoßen.

„Unter diesen Umständen sehe ich keine Grundlage mehr für eine vertrauensvolle und sachorientierte Zusammenarbeit im Sinne unserer Mitglieder“, so Nothhaft.

Ein Generationswechsel mit Hindernissen

Als er 2023 in den dreiköpfigen Vorstand der Genossenschaft gewählt wurde, verbanden viele Mitglieder mit Nothhaft die Hoffnung auf einen Aufbruch. Gemeinsam mit Thomas Kroker und Ertekin Kocer übernahm er die Verantwortung für die strategische Ausrichtung des Unternehmens. Nothhaft galt als Vertreter einer jüngeren Generation im Münchner Taxigewerbe – jemand, der die Digitalisierung vorantreiben und das traditionelle Genossenschaftsmodell modernisieren wollte.

Doch schon wenige Monate später geriet die Führung ins Schlingern. Im Frühjahr 2025 eskalierte der Streit zwischen den Vorständen Kroker und Nothhaft auf der einen und Teilen des Aufsichtsrats auf der anderen Seite. Der Aufsichtsrat warf den beiden wirtschaftliche Schwächen und Vertrauensbruch vor. Die Taxi München eG ist mit mehr als 3.000 Fahrzeugen eine der größten Taxi-Genossenschaften Deutschlands. Sie steht unter erheblichem Druck: Vermittlungsplattformen wie Uber und Bolt graben Marktanteile ab, während intern über Interessenkonflikte gestritten wird. Einige Aufsichtsratsmitglieder sollen gleichzeitig Fahrzeuge über diese Plattformen betrieben haben – ein Vorgang, der die Glaubwürdigkeit der Genossenschaft belastete.

Für den Vorstand war das Thema mehr als eine juristische Frage. Er sah darin ein grundsätzliches Dilemma: Wie kann eine Organisation, die sich gegen Plattformanbieter positioniert, zugleich Vertreter dulden, die mit ihnen Geschäfte machen?

Am 2. April 2025 wurde Nothhaft vom Aufsichtsrat vorläufig abberufen. Das Landgericht München I kassierte diese Entscheidung wenig später: Die Satzung der Genossenschaft sei missachtet worden, eine notwendige Mitgliederversammlung habe gefehlt. Damit durfte Nothhaft ins Amt zurückkehren. Der Konflikt aber blieb – zwischen Kontrolle und Vertrauen, zwischen Generationen und Führungsstilen.

Wahlen im November

Mit seinem Rücktritt rückt die nächste Generalversammlung am 4. November 2025 in den Mittelpunkt. Dann müssen die Mitglieder gleich zwei Vorstände wählen: einen Nachfolger für Nothhaft und turnusgemäß die Position von Thomas Kroker. Der Aufsichtsrat schlägt traditionell die Kandidaten vor, die die Mitglieder bestätigen.

Ursprünglich hatte das Gremium erklärt, Kroker nicht erneut vorschlagen zu wollen. Nach einem Wechsel im Aufsichtsratsvorsitz wurde diese Haltung revidiert – nun wird Kroker doch wieder als Kandidat präsentiert. Eine Gruppe von Mitgliedern hatte zuvor ein Minderheitenbegehren eingereicht, um genau das zu erzwingen. Kroker selbst kündigte im Taxikurier, dem Mitteilungsblatt der Genossenschaft, an, sich erneut zur Wahl zu stellen.

Ein schwieriges Kapitel

Mit dem Abgang Nothhafts endet ein kurzer, aber bewegter Abschnitt in der Geschichte der Taxi München eG. Er steht für den Versuch, Wandel und Tradition zu verbinden – und für das Scheitern an internen Machtkämpfen. Wie es in München weitergeht, wird sich im November zeigen. Sicher ist nur: Die Diskussion über Führung, Verantwortung und Zukunftsfähigkeit im Taxigewerbe ist damit nicht beendet.

Logobanner Liste (Views)