Taxi München eG ringt um ihre Zukunft – Stillstand oder Aufbruch?
Die außerordentliche Generalversammlung der Taxi München eG hat dem Antrag auf Abberufung des Aufsichtsrats zwar eine deutliche Mehrheit verschafft, doch nicht die notwendige Dreiviertelmehrheit. 61 Prozent stimmten für eine Abwahl, nötig gewesen wären 75. Beide Lager feiern sich – doch für die Genossenschaft bedeutet das Resultat vor allem eins: Stillstand im Streit.
Seit Monaten tobt ein Richtungsstreit innerhalb der Genossenschaft. Im Zentrum steht die Frage, ob sich Mitglieder des Aufsichtsrats mit einer Plattform wie Uber einlassen dürfen – einem Unternehmen, das viele in der Branche als existenzielle Bedrohung sehen. Drei der fünf noch amtierenden Aufsichtsräte tun genau das. Für die Vorstände Thomas Kroker und Patrick Nothhaft war das ein klarer Interessenkonflikt. Sie forderten deren Rücktritt – ohne Erfolg.
Mehrheit gegen Uber & Co
Die gestrige Versammlung hat gezeigt, dass auch viele Mitglieder diese Einschätzung teilen. In Redebeiträgen wurde der Rückzug der Uber-nahen Aufsichtsräte mehrfach gefordert, der Applaus im Saal sprach eine deutliche Sprache. Doch der Weg über die Satzung ist steinig – und die nötige Dreiviertelmehrheit blieb aus. Die Konsequenz: Ein Aufsichtsrat, der im Amt bleibt, obwohl eine Mehrheit der Mitglieder ihm das Vertrauen entzogen hat. Und ein Vorstand, dessen Rückhalt zugleich bröckelt.
Komplizierter wird die Lage durch die Personalie Nothhaft. Der Vorstand wurde im März vom Aufsichtsrat freigestellt – ohne Begründung. Eine Entscheidung, die nun auf der regulären Generalversammlung im Juli von den Mitgliedern bestätigt oder revidiert werden muss. Auch Thomas Kroker steht zur Wahl: Turnusgemäß wird ein Vorstandsmandat neu besetzt. Der Aufsichtsrat darf einen Kandidaten vorschlagen, die Mitglieder entscheiden. Dass Kroker auf der Vorschlagsliste stehen wird, ist unwahrscheinlich. Ob er sich dennoch erneut bewirbt, bleibt offen.
Vorwürfe gegen den Präsidenten machen die Runde
Hinzu kommt: Fünf der neun Aufsichtsratsplätze müssen neu besetzt werden – drei wegen Rücktritten, einer turnusgemäß, ein weiterer vakant. Damit liegt die Chance zur Befriedung der Genossenschaft in den Händen der Mitglieder. Sie könnten durch ihre Wahlentscheidung ein Gremium schaffen, das nicht durch persönliche Animositäten gelähmt ist, sondern gemeinsam mit dem Vorstand agiert.
Doch der Ton der gestrigen Versammlung lässt daran zweifeln. Flugblätter mit schweren Vorwürfen gegen Kroker machten die Runde, verteilt vom amtierenden Aufsichtsratsvorsitzenden selbst. Ob diese haltbar sind, wird womöglich ein Gericht klären müssen.
Die Taxi München eG steht vor einem Wendepunkt. Im Juli kann sich zeigen, ob sie zu einer neuen Arbeitsweise findet – oder weiter im Zwist verharrt. Klar ist nur: Eine Genossenschaft, in der das Vertrauen dauerhaft gestört ist, wird es schwer haben, sich im Kampf gegen Plattformanbieter wie Uber zu behaupten. Das weiß auch die Politik, die gespannt nach München blickt. Und die Branche, die vielerorts ähnliche Kämpfe austrägt – wenn auch nicht immer so offen.
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