Showdown im Löwenbräukeller – Taxi München eG trifft sich heute zur außerordentlichen Generalversammlung

Richtungsstreit in der Taxi München eG: Wer sitzt am Steuer der Genossenschaft? Ein Konflikt zwischen Vorstand und Aufsichtsrat spitzt sich zu – im Zentrum stehen Uber, Integrität und die Zukunft des Münchner Taxigewerbes.

Quo vadis, Taxi München eG? Was wird das Ergebnis der außerordentlichen Generalversammlung sein?| Foto: Taxi München eG
Quo vadis, Taxi München eG? Was wird das Ergebnis der außerordentlichen Generalversammlung sein?| Foto: Taxi München eG

Die Taxi München eG, eine der größten Taxigenossenschaften Deutschlands, steht vor einer Zerreißprobe. Seit Monaten tobt ein erbitterter Machtkampf zwischen dem Vorstand um Thomas Kroker und Patrick Nothhaft sowie Teilen des Aufsichtsrats. Was als strategische Auseinandersetzung über den Umgang mit Vermittlungsplattformen wie Uber und Bolt begann, hat sich zu einer umfassenden Vertrauenskrise entwickelt. Heute am 15. Mai soll eine außerordentliche Generalversammlung über die Zukunft der Genossenschaft entscheiden.

Zwischen Prinzipien und Pragmatismus

Im Kern des Konflikts steht die Frage: Kann und darf ein Aufsichtsratsmitglied der Taxi München eG gleichzeitig für eine Plattform wie Uber tätig sein – und damit von deren Geschäftsmodell profitieren, das die Genossenschaft seit Jahren bekämpft?

Thomas Kroker, langjähriger Vorstand der Taxi München eG, hat eine klare Haltung. In einer ausführlichen Stellungnahme spricht er von einem „massiven Interessenkonflikt“, der durch die Plattformtätigkeit von drei Aufsichtsratsmitgliedern entstanden sei. Diese – namentlich Sezai Curuk, Ghulam und Hüseyin Bayram – seien mit ihren Taxiunternehmen für Uber aktiv. Für Kroker bedeutet das: Der Wettbewerber sitzt mit am Tisch, wenn über Maßnahmen gegen eben diesen entschieden wird.

„Der Gegner sitzt sozusagen mit am Tisch“,

schreibt Kroker – und verweist auf jahrelange Bemühungen des Münchner Taxigewerbes, dem Einfluss von Uber entgegenzuwirken. Dass nun innerhalb der Genossenschaft ausgerechnet jene mitentscheiden, die wirtschaftlich mit den Plattformen verbunden sind, sei aus seiner Sicht nicht hinnehmbar.

Misstrauen auf beiden Seiten

Der Vorstand forderte den Rücktritt der betreffenden Aufsichtsratsmitglieder. Eine Einsicht blieb bislang aus. Stattdessen folgte im März eine Gegenoffensive: In einer Sitzung des Aufsichtsrats wurde beschlossen, Kroker solle bei der kommenden regulären Generalversammlung nicht mehr zur Wahl stehen. Auch eine Kündigung seines Anstellungsverhältnisses wurde ausgesprochen – ein Schritt, den Kroker rechtlich anfechten will. Im Raum steht außerdem der Vorwurf des Amtsmissbrauchs und Vertrauensbruchs gegen die beiden Vorstände. Patrick Nothhaft wurde in der Folge vorläufig seines Amtes enthoben.

Die gegenseitigen Vorwürfe sind schwerwiegend – von falschen Angaben bei Kandidaturen über unrechtmäßige Beschlüsse bis hin zu versuchten Prokura-Erteilungen, die laut Vorstand gegen Satzung und Gesetz verstoßen. Ein Vermittlungsversuch durch den Genossenschaftsverband Bayern scheiterte, ein Ende der Eskalation ist nicht absehbar.

Die Frage der Integrität

Max Weiland, bis Ende März noch Mitglied des Aufsichtsrats und langjähriger Vorsitzender, hat die Entwicklung mit Sorge beobachtet – und schließlich Konsequenzen gezogen. In einem Beitrag in der Mitgliederzeitung „Taxikurier“ erklärte er seinen sofortigen Rücktritt. Die Arbeitsweise des Aufsichtsrates, so Weiland, sei nicht mehr mit den Grundsätzen der Genossenschaft vereinbar. Formelle und satzungsmäßige Fehler hätten sich gehäuft. Auch Weiland sieht in der Plattformtätigkeit einzelner Aufsichtsratsmitglieder ein grundlegendes Problem:

„Wie soll ein Mitglied eines Aufsichtsrates neutrale Entscheidungen treffen können, wenn man mit den ‚Totengräbern‘ des Taxigewerbes zusammenarbeitet?“

Mehr als ein interner Machtkampf

Die Auseinandersetzung innerhalb der Taxi München eG ist kein Einzelfall. Die Branche steht unter Druck. Plattformen wie Uber und Bolt verändern das Geschäft mit der Personenbeförderung grundlegend. Das Taxigewerbe reagiert mit einer Mischung aus Widerstand, Anpassung und Verunsicherung. In Stuttgart etwa hat die dortige Taxizentrale jüngst eine Kooperation mit Uber beschlossen – für viele in München ein Schreckensszenario.

Dass nun auch in der bayerischen Landeshauptstadt die Fronten innerhalb einer Genossenschaft derart verhärtet sind, zeigt die Brisanz der Entwicklungen. Der Konflikt bei der Taxi München eG ist exemplarisch für eine Branche, die sich neu erfinden muss – aber uneins darüber ist, wie weit der Spagat zwischen Tradition und Plattformökonomie gehen darf.

Die Stunde der Mitglieder

Nun werden die Mitglieder der Taxi München eG im Festsaal des Löwenbräukellers zusammenkommen. Sie sollen darüber entscheiden, ob der gesamte Aufsichtsrat abgewählt wird – ein Vorschlag des Vorstands. Die Debatte dürfte emotional werden, denn es geht nicht nur um Personen, sondern um grundsätzliche Fragen: Wie hält eine Genossenschaft zusammen, wenn wirtschaftliche Eigeninteressen einzelner mit dem gemeinsamen Ziel kollidieren? Wie viel Nähe zu Plattformanbietern ist vertretbar? Und wie kann man Integrität sichern, wenn Machtkämpfe das Vertrauen erschüttern?

Thomas Kroker formuliert es drastisch:

„Es geht um die Wurscht.“

Um nicht weniger als die Zukunft der Genossenschaft, so der Vorstand. Max Weiland warnt vor einem Machtwechsel zugunsten einer kleinen Gruppe großer Mehrwagenunternehmer – auf Kosten der vielen Einzel- und Kleinunternehmer, die das Rückgrat der Taxi München eG bilden.

Egal wie die Entscheidung ausfällt: Die Taxi München eG steht am Scheideweg. Der 15. Mai könnte ein Wendepunkt sein – oder der Auftakt zu einer neuen Runde des internen Ringens.

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