Neue MVG-Minibusse in München-Hadern: Gratis Testfahrten starten im Herbst

Im Münchner Stadtteil Hadern hat die MVG in diesen Wochen ein kleines Experiment gestartet, das mehr ist als eine Werbeaktion: Auf einem Abschnitt der Buslinie 167 rollen vollelektrische Kleinbusse, die sich bei Bedarf koppeln lassen und im Testzeitraum kostenlos genutzt werden können. Inwieweit dieser Service das Taxi-Geschäft vor Ort tangiert, muss sich noch herausstellen.

Die Kleinbusse kommen auch bei Engstellen gut durch.| Foto: MVG
Die Kleinbusse kommen auch bei Engstellen gut durch.| Foto: MVG
Thomas Kanzler

Die Fahrzeuge sind für jeweils etwa zehn Fahrgäste ausgelegt; im Verband aus drei Einheiten steigt die Kapazität auf rund 30 Plätze. Die Idee hinter dem Einsatz ist pragmatisch. Große Gelenkbusse sind in dicht bebauten Wohngebieten oft überdimensioniert – sowohl was die Fahrgastzahl angeht als auch die Wendigkeit auf engen Straßen. Kleinere, elektrisch angetriebene „Minis“ versprechen eine flexiblere Taktung und die Möglichkeit, Linienabschnitte gezielt zu bedienen: Bei hohem Bedarf koppeln sich mehrere Fahrzeuge zusammen, an Verzweigungen trennen sie sich wieder und bedienen unterschiedliche Ziele. Das Modell nennt die MVG „Kuppeln“ und „Flügeln“ und testet dabei zugleich Reichweite, Bedienbarkeit und Akzeptanz bei Fahrgästen.

Testbetrieb dort, wo das Netz nicht so dicht ist

Die Kleinbusse fahren auf dem Abschnitt zwischen Waldfriedhof und Großhaderner Straße und ergänzen die reguläre Linie 167. Im Testzeitraum, der Mitte September bis Ende Oktober angesetzt ist, sind die Fahrten frei – ein Angebot, das die Hemmschwelle senken und zugleich reichlich Nutzerfeedback generieren soll. Für die Stadt hat das Mobilitätsreferat die Erprobung aus Mitteln des Stadtrats finanziell unterstützt.

Die Fahrzeuge sind elektrisch, barrierefrei eingerichtet und so bemessen, dass Rollstühle oder Kinderwagen mitfahren können. Gewählt wurde ein Typ, der sich besonders für enge Straßen und nachfrageschwächere Zeiten eignet; er ist noch mit Fahrpersonal unterwegs, eine spätere Stufe sieht autonome Shuttles vor. Die MVG betont, es handele sich vorerst um eine Erprobung — die gewonnenen Erkenntnisse sollen in Konzepte für mögliche On-Demand- oder ergänzende Linien einfließen.

Feldversuch rein elektrisch

Für Fahrgäste mag das zunächst wie ein angenehmes Extra wirken — für Verkehrsplaner ist es ein Feldversuch, das Antworten liefern muss. Reichen die Reichweiten und Kapazitäten, lässt sich das Ein- und Ausklinken im regulären Verkehrsfluss sicher und pünktlich organisieren, und wie akzeptiert wird ein geteiltes Angebot, das konzeptionell zwischen Bus, Rufbus und Mikroshuttle liegt? Die MVG sammelt Eindrücke und technische Daten, die Politik will anschließend über die nächste Ausbaustufe entscheiden.

Am Ende ist Hadern nur der erste Schauplatz eines Themas, das viele Verkehrsbetriebe bewegt. Wie sich klassische Netze mit flexibleren, lokaleren Angeboten ergänzen lassen, ohne das Gesamtangebot zu verkomplizieren oder die Wirtschaftlichkeit aus dem Blick zu verlieren. Die Testfahrten geben nun ein praktisches Bild davon, ob Mini-Busse mehr sind als ein Zwischenstück auf dem Weg zu autonomen Fahrzeugen — und ob sie sich dort bewähren, wo der große Bus zu viel und das Taxi zu teuer wäre.

Wer mitfahren möchte: Im Testzeitraum sind die Fahrten auf der Linie E167 in Hadern kostenlos; Details, Fahrpläne und Anlaufstellen stehen auf der MVG-Seite.

Was bedeutet das fürs Taxi?

Der Testbetrieb der MVG mit elektrischen Kleinbussen dürfte das Taxi-Gewerbe in München nur am Rand berühren. Da die Shuttles in Hadern vor allem als Ergänzung auf einer bestehenden Buslinie verkehren, ersetzen sie keine klassischen Taxi-Fahrten, die meist spontan, individuell und oft mit Gepäck oder zu speziellen Zielen erfolgen. Gleichwohl signalisiert das Projekt, dass der öffentliche Verkehr zunehmend nach flexiblen, kleinteiligen Lösungen sucht. Für das Taxigewerbe könnte das mittelfristig bedeuten, dass es sich stärker über Servicequalität, Verlässlichkeit und digitale Buchbarkeit positionieren muss, um nicht bei kurzen, innerstädtischen Fahrten an Boden zu verlieren.

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