Sicher unterwegs – Antalya testet Notfallknopf und Kamera im Taxi

Antalya, eine Stadt, die vor allem für Sonne, Tourismus und regen Verkehr bekannt ist, testet derzeit ein neues Sicherheitskonzept im Taxigewerbe. Ziel ist es, sowohl Fahrgäste als auch Fahrer besser zu schützen – mit einem System aus Kameras und einem sogenannten Panikknopf.

Das Projekt läuft noch als Pilotversuch - bis Ende August 2025 sollen alle Taxis in Antalya aber bereits mit dem Notsystem ausgestattet werden.| Foto: Danis Khisamutdinov_unsplash
Das Projekt läuft noch als Pilotversuch - bis Ende August 2025 sollen alle Taxis in Antalya aber bereits mit dem Notsystem ausgestattet werden.| Foto: Danis Khisamutdinov_unsplash

Das Projekt läuft zunächst als Pilotversuch, ist aber ambitioniert: Bis Ende August sollen alle 6.630 Taxis der Stadt mit dem neuen System ausgestattet sein. Bereits bis zum 1. Juli will man im Innenstadtbereich die ersten 3.750 Fahrzeuge umgerüstet haben. Die Initiative stammt von der städtischen Taxifahrer-Vereinigung, der Antalya Şoförler Odası. Sie hat eigens einen Kontrollraum eingerichtet, um die Datenströme aus den Fahrzeugen zu überwachen.

Technik mit doppelter Wirkung

Kern des neuen Sicherheitsmechanismus ist ein leicht erreichbarer Notfallknopf – auf Fahrer- und Fahrgastseite. Wird dieser betätigt, nehmen Innen- und Außenkameras automatisch eine 30-sekündige Sequenz auf. Die Daten gehen in Echtzeit über eine Mobilverbindung an eine zentrale Stelle, die wiederum Polizei oder Gendarmerie informiert. Perspektivisch soll das System auch mit dem nationalen Notrufzentrum 112 verknüpft werden.

Das Ziel ist klar: mehr Sicherheit, schnellere Hilfe im Ernstfall – und eine abschreckende Wirkung auf mögliche Täter.

„Gerade bei Raubüberfällen oder körperlichen Angriffen kann jede Sekunde zählen“, sagt Kammerpräsident Mehmet Ali Alkan.

In den vergangenen Jahren war es auch in Antalya immer wieder zu Übergriffen auf Fahrer gekommen. Für Fahrgäste gilt umgekehrt: Auch sie können bei Bedrohung durch den Fahrer Hilfe anfordern.

Vorbild mit Fragezeichen

Die Türkei hat in der Vergangenheit mit mehreren Maßnahmen zur Digitalisierung des Taxigewerbes auf sich aufmerksam gemacht – darunter eine verpflichtende App-Nutzung in Istanbul und zentrale Tarifsysteme. Das neue Sicherheitskonzept geht jedoch einen Schritt weiter. Ein vergleichbares System ist bislang in Europa selten zu finden. Zwar gibt es in London, Paris und Stockholm teils Kameras in Taxis – allerdings meist nur zur internen Beweissicherung, nicht in Verbindung mit einer Notfallübertragung in Echtzeit.

In Deutschland wäre ein solches System technisch umsetzbar, rechtlich aber nicht ohne Weiteres zulässig. Datenschutz steht hierzulande hoch im Kurs. Videoaufnahmen in Fahrzeugen sind nur unter strengen Auflagen erlaubt, eine dauerhafte Kameraüberwachung – auch aus Sicherheitsgründen – ist bislang die Ausnahme. Kommt ein Panikknopf mit Live-Übertragung ins Spiel, wären neue gesetzliche Rahmenbedingungen notwendig. Der Datenschutzbeauftragte müsste ein Wörtchen mitreden, ebenso wie die Gewerkschaften und Taxiinnungen.

Und bei uns?

Ob ein solches System auch in deutschen Städten denkbar wäre? Prinzipiell ja – vor allem in Großstädten mit höherem Risiko für nächtliche Übergriffe. Die Frage ist eher: Wäre der politische und gesellschaftliche Wille dafür da? Und wie lässt sich das mit den hiesigen Datenschutzstandards vereinbaren?

Der Blick nach Antalya zeigt: Mehr Sicherheit im Taxi ist machbar. Es bleibt jedoch abzuwägen, welchen Preis man dafür zahlen möchte – finanziell und in Sachen Privatsphäre. Klar ist: Das Thema verdient Aufmerksamkeit. Denn Taxifahren soll vor allem eines sein – sicher für alle Beteiligten.

 

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