Taxi statt Leerfahrt – Thüringens Verband will Nahverkehr neu denken

In Thüringen setzt der Landesverband des Verkehrsgewerbes neue Impulse für mehr Taxis im öffentlichen Nahverkehr. Der Verband der Mitteldeutschen Omnibusunternehmen sieht die Vorschläge der Taxi-Branche skeptisch.

Etwa 800 Taxis und 1.200 Mietwagen sind in Thüringen unterwegs - und könnten stärker in den  ÖPNV eingebunden werden.| Foto: 65223, pixabay
Etwa 800 Taxis und 1.200 Mietwagen sind in Thüringen unterwegs - und könnten stärker in den ÖPNV eingebunden werden.| Foto: 65223, pixabay

Er ist nicht der Erste, der es vorschlägt – aber Martin Kammer, Geschäftsführer des Landesverbandes Thüringen des Verkehrsgewerbes, bringt das Thema mit neuem Nachdruck vor: Taxis könnten als ergänzende Bausteine im öffentlichen Nahverkehr künftig eine größere Rolle spielen. Vor allem in Regionen, in denen Busse schlecht ausgelastet oder gar nicht verfügbar sind.

„Ruf-, Sammel- oder Linientaxis könnten Lösungen für bessere Mobilitätsangebote gerade in ländlichen Regionen und im Umfeld von Städten sein“, sagt Kammer.

Tatsächlich liegt in Thüringen das Potenzial auf der Straße: Rund 800 Taxis und etwa 1.200 Mietwagen sind laut Kammer im Freistaat unterwegs. Genutzt wird dieses mobile Netz für den Linienverkehr bisher kaum. Lediglich in der Stadt Jena und im Landkreis Greiz setzen die Planer auf die Dienste von Taxis, um Lücken im Busverkehr zu schließen. Der Verband möchte das ändern:

„Der Verband setzt sich dafür ein, das Linienverkehrsnetz in Thüringen unter Kosten- und Serviceaspekten zu überdenken. Dabei sollte auch entschieden werden, wo Busse eingesetzt werden, und wo Taxis“, so Kammer.

Widerstand von den Omnibusunternehmern

Ein Vorschlag, der in Zeiten knapper Kassen nicht überall auf offene Ohren stößt. Tilman Wagenknecht, Geschäftsführer des Verbands Mitteldeutscher Omnibusunternehmen, sieht durchaus Anknüpfungspunkte, warnt aber vor allzu großer Euphorie:

„Man kann daraus Konzepte machen“, sagt er mit Blick auf den Zubringerverkehr in ländlichen Regionen. Doch er mahnt zur Zurückhaltung: „Der Fördertopf für den öffentlichen Nahverkehr ist endlich. Schon jetzt besteht die Herausforderung darin, trotz gestiegener Kosten den Verkehr überall aufrechtzuerhalten.“

Die Beförderungskosten pro Person, so Wagenknecht, müssten auch bei der Integration von Taxis ins ÖPNV-System im Auge behalten werden. Denn:

„Beim Einsatz von Taxis müssten deren privatwirtschaftliche Tarife schließlich auf das ÖPNV-Niveau heruntersubventioniert werden. Das sind riesige Kosten.“

Taxi-Unternehmer „leben“ häufig von Schüler- und Krankenfahrten

In Thüringen sind nach Verbandsangaben rund 100 Busunternehmen im Linienverkehr tätig. Dem gegenüber stehen etwa 600 Transportunternehmer, Spediteure sowie Taxi- und Mietwagenfirmen, die im Landesverband organisiert sind. Nach Schätzungen sind im gesamten Verkehrsgewerbe mehr als 20.000 Beschäftigte tätig. Kammer betont, dass viele Taxiunternehmen heute wirtschaftlich stabil arbeiten – nicht zuletzt dank Krankentransporten oder Schülerfahrten.

Dass Taxis als Bestandteil einer flexiblen Nahverkehrsstruktur funktionieren können, zeigen Beispiele aus anderen Bundesländern. Auch in Thüringen gibt es mit Rufbussen und Anruf-Sammeltaxen erste Ansätze für on-demand-Verkehr – bislang allerdings meist als Pilotprojekte. Für Kammer ist klar: Wenn der Nahverkehr auf dem Land weiter existieren soll, müsse wir man die Angebotsstruktur überdenken – auch mit Blick auf Effizienz, Auslastung und Nutzerfreundlichkeit.

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