Der Preiskampf der Plattformbetreiber in Zürich stellt Taxi¬Branche vor große Herausforderungen
Am Montagmorgen trafen sich zwischen 8 und 9 Uhr beim Parkplatz Albisgütli in Zürich-Wiedikon rund 800 bis 1.000 Uber-Fahrerinnen und Fahrer, wie Unterlagen zeigen, die der Plattform "Blick" vorliegen. Sie kündigten an, den ganzen Tag über keine Fahrten anzunehmen – als Zeichen gegen das aktuelle Geschäftsmodell von Uber. Im Schreiben heißt es, die Fahrer sähen sich mit „sinkenden Fahrpreisen, steigenden Betriebskosten und zunehmender Konkurrenz durch Fahrer aus anderen Kantonen und aus dem europäischen Ausland“ konfrontiert.
Ein konkretes Beispiel macht deutlich, wie dramatisch die Lage laut der Betroffenen ist: Für eine Fahrt über 43 Kilometer wurden lediglich gut 46 Franken bezahlt. Die Uber Fahrer sprachen davon, dass die Einnahmen drastisch gesunken seien – teils um 60 Prozent in drei Jahren.
„Bei den aktuellen Preisen kann man nicht mehr von einem Verdienst reden. Da legen die Fahrerinnen und Fahrer drauf,“ sagt der Gewerkschafter Daniel Zoricic von der Gewerkschaft Syna.
Marktmechanik und Konkurrenz
Die Ursache für den Unmut liegt insbesondere im Wettbewerbsdruck durch das estnische Unternehmen Bolt, das seit Mai 2024 in Zürich aktiv ist. Bolt wirbt mit günstigeren Fahrdiensten; Uber habe darauf mit Preissenkungen reagiert. Die Folge: Die Einkommen der Uber-Fahrer fielen. Uber selbst verweist darauf, dass lizenzierte Fahrer ihre Preise „jederzeit“ anpassen könnten – ein Anspruch, den Fahrer und Gewerkschafter mit Blick auf die Praxis zurückweisen.
„Wir wissen, wie wichtig der Erfolg unabhängiger Fahrer für den Erfolg unserer Plattform ist“, heißt es in einer Stellungnahme von Uber.
Ein Viertel bis ein Fünftel der Einnahmen an den Plattformbetreiber
In der Schweiz verlangt Uber eine Provision von 25 Prozent von den Fahrern, während Bolt zunächst mit einer ermäßigten Provision von nur 5 Prozent geworben hatte. Mittlerweile erhebt Bolt eine Provision von 20 Prozent. Bei der Ermittlung des Nettoeinkommens müssen Fahrer von beiden Plattformen zusätzliche Kosten wie Fahrzeugwartung, Kraftstoff und Versicherungen berücksichtigen.
Bedeutung für die Mobilitätsbranche
- Preisdruck und Margenverlust: Die Uber-Fahrer melden eine Einkommensminderung von bis zu 60 Prozent über drei Jahre, wie aus aktuellen Berichten hervorgeht.
- Selbstständigkeit vs. Plattformmodell: Viele Fahrerinnen und Fahrer arbeiten als Selbstständige, sind jedoch der Preis- und Plattformsituation ausgeliefert.
- Signalwirkung: Der Streik zeigt, dass auch Teilmärkte der Mobilität zunehmend zu Konfliktfeldern werden – nicht nur stark regulierte Taxis, sondern auch digitale Mobilitätsdienste.
Die Aktion der Uber-Fahrer in Zürich markiert einen Moment der Spannung in einer Branche, die sich im Wandel befindet. Die Plattformbetreiber machen sich gegenseitig Konkurrenz und drücken die Preise immer weiter. Leidtragende sind erst einmal die Fahrer der Plattformbetreiber.
Dramatisch wird so aber die Situation für die Taxi-Branche. Wenn die nicht regulierten Preise ins Bodenlose fallen – wer leistet sich da noch richtiges Taxi?
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