Kommt Musks Robotaxi? Tesla zwischen Ankündigungen, Autonomie und Absatzkrise
Im Juli will Musk einen neuen Anlauf nehmen. In Houston, Texas, sollen rund 20 sogenannte „Cybercabs“ ihren Betrieb aufnehmen – elektrisch, fahrerlos, zukunftsweisend. So zumindest die Ankündigung. Der Zeitplan wirkt ehrgeizig, wenn nicht unrealistisch. Denn die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA äußert erhebliche Sicherheitsbedenken gegenüber Teslas autonomen Systemen. Für Unmut sorgte zudem, dass Tesla im Frühjahr jene NHTSA-Mitarbeiter entfernte, die für die Aufsicht über das autonome Fahren zuständig waren.
Ein Rückstand, der wächst
Die Konkurrenz hat längst Fakten geschaffen. Waymo, eine Tochter des Google-Mutterkonzerns Alphabet, führt wöchentlich rund 250.000 Fahrten durch – reguliert und im Realbetrieb. Tesla dagegen hat seit Jahren kein autonomes Produkt zur Marktreife gebracht. Die Software „Full Self Driving“ bleibt in der Testphase, trotz wiederholter Ankündigungen.
Derweil verschärfen sich die Absatzprobleme. Besonders in Europa sind die Verkaufszahlen zuletzt deutlich eingebrochen. In Deutschland verzeichnete Tesla im April 2025 einen Rückgang um 45 Prozent auf nur noch 885 Fahrzeuge. In Skandinavien fiel das Minus teils noch drastischer aus: minus 81 Prozent in Schweden, 74 Prozent in den Niederlanden und 67 Prozent in Dänemark. Das vormals populäre Model Y hat seine Marktführerschaft verloren. Wettbewerber aus China wie BYD und MG gewinnen zunehmend Marktanteile.
Cybertruck und Optimus als Risikofaktoren
Nicht nur das Robotaxi-Projekt wirft Fragen auf. Auch andere ambitionierte Vorhaben geraten ins Stocken. Der Cybertruck, mit großem PR-Aufwand eingeführt, entwickelt sich zur Belastung. Rückrufe wegen technischer Mängel, darunter Beschleunigungsprobleme und Qualitätsdefizite, zwingen Tesla zur Nachbesserung. Die Produktion könnte monatelang verzögert werden.
Parallel läuft der Aufbau des Robotikprogramms „Optimus“, mit dem Musk Tesla zu einem Robotikunternehmen umformen will. Doch auch hier häufen sich die Rückschläge. Zuletzt verließ Milan Kovac, Leiter der Optimus-Entwicklung, das Unternehmen. Kovac betonte, sein Rückzug habe persönliche Gründe, sein Vertrauen in Tesla sei ungebrochen. Dennoch fällt der Abgang in eine kritische Phase: Noch 2025 will Tesla Tausende humanoide Roboter produzieren. Ob das realistisch ist, bleibt offen – zumal auch externe Faktoren wie Chinas Exportbeschränkungen für seltene Erden und Magnete das Vorhaben erschweren.
Zwischen Technik und Taktik
Musks Argumentation ist klar: Autonomie und Robotik seien die künftigen Säulen des Unternehmens.
„Die einzigen Dinge, die langfristig zählen, sind Autonomie und Optimus“, sagte er im Mai gegenüber CNBC.
Bloomberg berichtet, dass Autopilot-Chef Ashok Elluswamy die Leitung des Optimus-Programms übernimmt.
Musk selbst gerät indes zunehmend unter politischen Druck. Seine Nähe zu rechten Verschwörungstheorien, öffentliche Auftritte auf der Plattform X (ehemals Twitter) und ein Streit mit Donald Trump beschädigen sein Image – sowohl in Europa als auch in den USA. Selbst in konservativen Kreisen verliert er an Rückhalt.
Marktwende bleibt aus
Tesla gibt sich dennoch zuversichtlich. Die nächste Modellgeneration des Model Y, gefertigt in der Gigafactory Berlin, soll die Wende bringen. In Märkten, in denen das neue Modell bereits erhältlich ist, seien die Zahlen stabil, heißt es von Unternehmensseite. In Deutschland jedoch ist davon wenig zu spüren. Der Absatz ging im Mai weiter zurück – auf nur noch 1.210 Fahrzeuge. In Großbritannien sackte Tesla auf Rang fünf unter den Elektroauto-Anbietern ab, in Italien sanken die Verkäufe um 20 Prozent. In Österreich lag der Rückgang zuletzt bei rund 70 Prozent.
Wetten auf eine ungewisse Zukunft
Während Mitbewerber wie Waymo bereits praktische Erfahrungen sammeln, bleibt Tesla auf dem Feld der Robotaxis in der Ankündigungsphase. Ob das Unternehmen die technische Kurve bekommt – oder in seinem eigenen Anspruchsdenken stecken bleibt –, dürfte sich im Lauf dieses Jahres entscheiden.
Für Elon Musk steht viel auf dem Spiel. Nicht nur die Zukunft von Tesla, sondern auch sein Anspruch, als technologische Führungsfigur wahrgenommen zu werden. Bleiben Ergebnisse weiter aus, könnte sich das Unternehmen gezwungen sehen, den Fokus neu zu justieren. Bis dahin bleibt das Robotaxi für Musk eine Wette. Vielleicht die letzte.
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