Zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Robotaxis im Rückspiegel
Der aktuelle Vorfall ereignete sich am 8. Mai in San Francisco. Ein unbesetztes Robotaxi von Zoox war beim Abbiegen mit einem E-Scooter-Fahrer kollidiert. Laut Unternehmensangaben hatte das Fahrzeug zuvor an einer Kreuzung gestoppt, um Vorfahrt zu gewähren, als der E-Scooter in das stehende Fahrzeug prallte. Der Fahrer stürzte, blieb aber weitgehend unverletzt und lehnte eine ärztliche Behandlung ab.
Trotz der geringen Geschwindigkeit des Robotaxis veranlasste der Unfall einen freiwilligen Software-Rückruf, wie ihn das Unternehmen auch schon kurz zuvor nach einem ähnlichen Vorfall in Las Vegas durchführte. Damals war ein Robotaxi in einen Zusammenstoß mit einem Pkw verwickelt. Die Ursache in beiden Fällen: ungenaue Vorhersagen der Fahrzeugsoftware über das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer.
Over-the-air Software-Update
Zoox reagierte schnell: Die betroffenen Fahrzeuge erhielten ein Software-Update, das die „Wahrnehmungsverfolgung“ verbessern und ungewollte Fahrzeugbewegungen bei nahen Gefährdungen verhindern soll. Wie viele Fahrzeuge konkret vom Rückruf betroffen sind, blieb allerdings unklar.
Im Unterschied zu klassischen Rückrufen bei Verbrennern, bei denen Werkstattbesuche nötig sind, lassen sich Updates bei Robotaxis per Fernzugriff einspielen. Das ermöglicht schnellere Reaktionen – vorausgesetzt, die Fahrzeuge gehören, wie bei Zoox, dem Unternehmen selbst. Doch der technische Fortschritt stößt auch dabei immer wieder an seine Grenzen.
Rückruf von 1.200 Fahrzeugen bei Waymo
Zoox ist mit seinen Problemen nicht allein. Auch Waymo, die Alphabet-Tochter und vielleicht prominentester Robotaxi-Anbieter, steht wegen ähnlicher Vorfälle im Visier der US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA. Erst kürzlich musste Waymo über 1.200 Fahrzeuge zurückrufen, um ein Problem mit parkenden Fahrzeugen zu beheben. Die Ermittlungen dauern an.
GM-Tochter Cruise bankrott, Tesla unter Beobachtung
Noch härter traf es im vergangenen Herbst Cruise, eine Tochter von General Motors. Nach einem Unfall in San Francisco wurde das Unternehmen zu einer Millionenstrafe verurteilt. Auch Tesla steht mit seinem sogenannten Autopiloten weiter unter Beobachtung. Rund 2,4 Millionen Fahrzeuge sollen überprüft werden. Die angekündigte Einführung eines Robotaxi-Dienstes im Juni dürfte daher unter besonderer Beobachtung stehen.
Die Robotaxi-Branche steht an einem kritischen Punkt: Die Erwartungen sind hoch, die Realität noch von zum Teil deutlichen „Kinderkrankheiten“ geprägt. Zwischen Sicherheit, technologischem Anspruch und öffentlicher Akzeptanz scheint es ein schmaler Grat zu sein.
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