Taxi-heute Test Audi A6 Avant e-tron: Der Vorsprung ist zurück

Wie gut, dass dem ersten Eindruck immer noch ein weiterer folgt – in dem Fall folgte dem Fahrbericht ein Test und da konnte der A6 e-tron mehrfach punkten.

Aerodynamik zahlt sich aus: Der Audi A6 Avant E-Tron konnte im Test mit niedrigen Verbräuchen überzeugen. | Foto: G. Soller
Aerodynamik zahlt sich aus: Der Audi A6 Avant E-Tron konnte im Test mit niedrigen Verbräuchen überzeugen. | Foto: G. Soller
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Vorsprung durch Technik: Wo ist er zuletzt nur geblieben? Im unserem Wintervergleichstest konnte sich er SQ6 e-tron gegen den „Methusalem“ Q7 E-Tron als Plug-in irgendwie nicht so recht in Szene setzen: Zu leicht und günstig gemacht wirkte er im direkten Vergleich und wirklich sparsam war er auch nicht.

Weshalb Audi gleich mal den A6 Avant e-tron performance nachschob. Nachdem den auch die Kollegen der Taxi-Redaktion testen sollten, schickte ihn Audi im außergewöhnlichen, 990 Euro teuren Siambeige metallic – was tatsächlich dezent an hellelfenbein uni erinnert. Die Konfigurierenden ließen ihrem Geschmack dann freien Lauf, wählten die Sportsitze schwarz-hellgrau und schufen so einen wilden Kontrast zu den robusten Stoffbahnen, die auch aus einem Audi 80 aus den späten 1980ern stammen könnten und den Dekoreinlagen matt gebürstet mit Linearprägung anthrazit…man kann sich einen elektrischen A6 tatsächlich vogelwild konfigurieren und mit der Optik der Armaturen werden wir immer noch so wenig warm wie immer, ebenso wie mit dem Handschuhfach in Dacia-Qualität. Aber genug gemeckert – immerhin empfängt uns der A6 wieder mit dem markentypischen edlen „Zahnarztpraxengeruch“ und: er fährt sich richtig gut!

Der Audi fährt sich für seine 2,3 Tonnen Leergewicht erstaunlich leichtfüßig

Womit wir beim Hauptunterschied zum erst kurz zuvor getesteten BMW i5 40e wären, der fast 20 cm länger baut und sich tatsächlich merklich „schwerer“ fährt obwohl der rund 20 kg leichter baut! Denn das hochpräzise Audi-fahrwerk findet die perfekte Synthese – keinen Kompromiss! – aus Agilität und Komfort. Selbst fiese Querfugen oder -schwellen glättet er gekonnt. Die präzise Lenkung, die unserer Meinung nach gern noch einen minimalen Deut direkter sein dürfte, befehligt man über ein knochig-kantiges Lenkrad, wo man beim i5 an einer zu dicken Weißwurst dreht.

Die Außenspiegelkameras: Coole Optik, null Praxisverbesserung

Die Außenspiegelkameras funktionieren weiter eher schlecht als recht – Kollege Kanzler würde sie aus futuristischen Designgründen trotzdem ordern, Kollege Soller fand sie bis zum Testende gewöhnungsbedürftigen Horror. Womit wir einen kurzen Seitenblick aufs Design wagen, auf das man sich mehr und mehr „einschaut“: Ja, anfangs wirkte der A6 fast etwas wild – so wie die Locken am Kopf seines Designers Marc Lichte, doch viele Passanten drehen sich nach ihm um und tatsächlich gefällt die dynamische Linienführung mit ihren dezenten Störern und dem schwarzen Einleger an den Flanken (um laut Lichte die Höhe zu kaschieren) immer besser. Und der 4,93-Meter-A6 wirkt knackiger als er ist!

Das gilt leider auch für den Kofferraum, der mit 502 bis 1.422 Liter zwar ausreichend viel Platz bietet, aber keine Maßstäbe setzt. Das Ladekabel findet im 27-Liter-Frunk Platz, den man cool per Geste über den Audi-Ringen öffnen kann, wenn man den Fahrzeugschlüssel bei sich trägt.

Unser Geräuschmessgerät misst - wenig! 

Unterwegs freuen wir uns über super leise Geräuschmesswerte – wir starten auf unserem zugegebenermaßen fein geteerten Testabschnitt mit 48,2 db(A) und enden schon bei 58,8 dB(A). dazu passen die guten Sitze mit ordentlicher Lendenwirbelstütze und das erwähnt komfortable Fahrwerk. Dazu kommt eine feine fotografische Navigationsansicht, die auch ohne Ziel immer rechtzeitig warnt, wenn man den Fuß lupfen kann, da man langsamer werden muss und eine gekonnte Routenplanung, bei der sich die Ladepunkte auch vorab filtern und kontrollieren lassen – außer, es fährt jemand ganz kurz vor einem den gewählten Punkt an.

Die Fahrassistenz können andere noch besser

Nicht ganz so intuitiv wie bei BMW gibt sich die Fahrassistenz:  Wo er i5 über Land immer ganz dezent und sehr gekonnt eingreift, gibt der Audi Tipps und unterstützt. Auf er Autobahn kann man ihn dann auch mal „teilautonom“ fahren lassen, aber das Lenkrad führt dabei immer ganz dezente, für die Insassen nicht spürbare Pendelbewegungen aus und der A6 rollt dann gern auch mal näher auf den Vordermann auf. Spurwechseln mit Spiegelblick klappt gar nicht, zumal man durch die Screens wahnsinnig schwer einschätzen kann, wie weit das herankommende Fahrzeug auf der anderen Spur noch entfernt ist.

Die Sprachbedienung gibt sich dafür verständig und die Möglichkeit, das Handy an die Ladeschale „klammern“ zu können, gefällt uns. Dafür spart Audi nach wie vor etwas an trickreichen und großzügigen Ablagen. Dafür gibt es unter der Haube einen Frunk fürs Kabel.

Reichweitenvorsprung durch Aerodynamik

Womit wir endlich beim Laden und der Reichweite sind: Letztere fällt dank einem Verbrauch von nur 19,13 kWh/100 km bei einem 94,9-kWh-Akku mit realen 496 Kilometer tatsächlich sehr großzügig aus. Der A6 bei milden 13,5 Grad getestete A6 folgt hier den Konzernmodellen, die Im Winter gern merklich mehr Strom ziehen, sich aber im Sommer gern supersparsam geben. Das trifft auch hier zu, obwohl der avant mit einem cW-Wert von 0,24 deutlich schlechter liegt als das Fließheck mit extrem günstigen 0,21.

Die Aero zahlt vor allem auf den Autobahnverbrauch ein – hier brauchte der A6 Avant keine 21 kWh/100 km, während er über Land mit 17 kWh/100 km nicht ganz so günstig lag und in der Stadt die 2.348 kg Leergewicht auf den Verbrauch schlagen – 17,5 kWh/100 km gehen in Ordnung, sind aber kein Fabelwert. Doch all diese Werte liegen immer merklich unter dem i5 40e Touring, der sich im direkten Vergleich eine viertel Nummer größer anfühlt – was er auch ist, da er gleichzeitig die i7-Basis bilden muss.

Schnell fahren, schnell laden = langstreckentauglich

Auf 100 km/h zoomt es den Audi binnen 5,5 Sekunden, Zwischenspurts von 50 auf 80 dauern keine zwei, von 80 auf 120 gut 3,5 Sekunden. Genauso zügig lädt der Ingolstädter mit bis zu 270 kW im Peak. Was mittlerweile schon wieder kein Topwert ist, aber der A6 hält diesen Wert sehr lange sehr stabil: Bis gut 40% SOC zieht er so möglich mit über 250 kW, erst dann lässt die Ladeleistung sukzessive nach: Doch den Hub von 10 auf 80% kann man so in 21 Minuten schaffen.

Fahrberichte sind das eine, echte Tests auf unserer Standradrunde das ganz andere: Im Test punktete der A6 Avant e-tron viel nachdrücklich als auf der ersten unverbindlichen Ausfahrt. Mit dem geringen Verbrauch ist er ein echter Außendienstler auch für längere und schnellere Passagen. Er erlaubt sich nirgends grobe Patzer erlaubt, fährt und schnell und bleibt trotzdem sparsam. Was in Summe klar als Vorsprung durch Technik (uns Aerodynamik) gewertet werden kann.

 

Audi A6 Avant e-tron performance in Daten und Zahlen:

L x B X H: 4.928 x 2.137 (m. Spiegelkam.) x 1.541 mm

Radstand: 2.950 mm

Kofferraumvolumen: 502 – 1.422 l + 27-l-Frunk

Synchronmotor hinten mit Permanentmagnet

Fahrwerk: 5-Lenker-Vorder- und Hinterachse

Max. Leistung kW (PS): 270 (Lauch Control 280 kW) (367/381 PS)

Max. Drehmoment: 565 Nm/0 min.

Messwerte:

0-60/80100 km/h: 3,6/4,7/5,5 Sek.

Durchzug 50-80/80-120 km/h (Kickdown Sport): 2,0/3,6 Sek.

Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h

Geräusche 30/50/60/80/100/120 km/h: 48,2/49,8/50,7/54,2/57,6/58,8 db(A)

Testverbrauch:

Stadt: 17,49 kWh/100 km

Land: 17,02 kWh/100 km

BAB: 20,42 kWh/100 km

Gesamt: 19,13 kWh/100 km

Kosten/km: 0,96 Euro

 Ladezeiten 94,9-kWh-Akku:

2,3 kW AC: ca. 41 h 10 min.

11 kW AC: ca. 10 h.

270 kW DC 10 - 80%: 21 min.

Leergewicht: ab 2.348 kg

Anhängelast ungebr. / gebr. 2.100 / 750 kg

Stützlast/Dachlast: 100 / 100 kg

Grundpreise (Stand Mai 2025): ab 77.250 Euro (64.915,97 Euro netto)

Preis Testwagen: 101.875 Euro (85.609,24 Euro)

Verbrauch:

Stadt: 17,49 kWh/100 km

Land: 17,02 kWh/100 km

BAB: 20,42 kWh/100 km

Gesamt: 19,13 kWh/100 km

Kosten/km: 0,96 Euro

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