Lucid Motors: Starkes Wachstum auf niedrigem Niveau und neue Modelle
Am Rande der CES in Las Vegas gab auch Lucid konkrete Pläne für die Zukunft bekannt. Nach der Oberklasselimousine Air und dem neuen Luxus-SUV Gravity richtet sich der Blick nun auf die Mittelklasse. Dort sollen gleich drei neue Modelle entstehen. Nur eine Bauform bleibt kategorisch außen vor: eine weitere Limousine. Ausgerechnet jenes Segment also, mit dem Lucid einst angetreten ist, die automobile Welt neu zu ordnen.
Lucid sieht seine Zukunft bei den SUV, nicht bei den Limousinen
Auf der CES in den USA erklärte Interim-CEO Marc Winterhoff gegenüber Journalisten, dass die kommende Mittelklasse-Plattform drei unterschiedliche Karosserien hervorbringen werde. Keine davon werde allerdings eine viertürige Limousine sein – trotz anderslautender Spekulationen.
„Ich möchte nicht im Limousinensegment tätig sein“
erklärte Winterhoff. „Das ist nicht unser Schwerpunkt.“ Eine bemerkenswerte Aussage für einen Hersteller, dessen erstes Modell genau dort angesiedelt war. Stattdessen plant man eher im Bereich CUV und SUV – vielleicht auch deshalb, weil der „Gravity“ den „Air“ im Absatz sehr schnell abhängte.
Modell 1: SUV-Crossover (Start 2027)
Den Auftakt auf der neuen Plattform soll ein SUV-Crossover machen, der klar als Wettbewerber für den Tesla-Bestseller Model Y positioniert ist. Ein von Lucid veröffentlichtes sogenanntes Schattenbild liefert bereits einen vorsichtigen Vorgeschmack auf die dritte Baureihe des noch jungen Unternehmens. Vorgestellt werden soll das Modell noch in diesem Jahr, die Produktion ist ab 2027 geplant. Optisch wirkt es etwas beliebiger als die beiden Auftaktmodelle – zumal es auch eine viel breitere Käuferschicht ansprechen soll, die es mit Futurismus vielleicht nicht so hat.
Modell 2: weiteres SUV, geländegängig (spätestens Anfang 2028)
Neben dem „Mainstream“-CUV oder –SUV soll es ein geländegängiges SUV geben, das gegen den Mercedes-Benz Baby-G, den kleinen Land Rover Defender und ähnliche Modelle von Audi und BMW positioniert sein dürfte. Dieses zweite Modell werde „kurz danach kommen, spätestens ein Jahr später, vielleicht sogar früher“ – womit Winterhoff Anfang 2028 meinen könnte.
Modell 3: noch unbekannt, größere Veränderung (18 Monate später)
Das dritte Fahrzeug soll schließlich 18 Monate nach dem zweiten folgen. Konkrete Details nannte Winterhoff nicht. Er deutete jedoch an, dass dieses Modell eine „noch größere Veränderung“ mit sich bringen werde als seine Vorgänger – was offenbar auch erklärt, warum die Entwicklungszeit länger ausfällt. Hier könnte eine Art Minivan oder ein kompakter Mehrsitzer mit neuen Ideen gemeint sein, eventuell auch ein autonom fahrendes Fahrzeug.
Eine weitere Limousine nach dem Vorbild des Air ist damit definitiv nicht vorgesehen. Vertreter der Marke verwiesen laut dem Portal InsideEVs auf der CES auf die eher schleppenden Verkaufszahlen des Air im Vergleich zum 2025 gestarteten SUV Gravity. Letzterer mache laut Winterhoff inzwischen den Großteil der Auslieferungen aus – ein Umstand, der die strategische Neuausrichtung deutlich erklärt.
Klar ist: Auch bei Lucid müssen die Kosten runter und die Stückzahlen rauf
Die geplanten Mittelklasse-Modelle zielen zwar auf einen anderen Markt, sollen aber weiterhin Premiumprodukte bleiben. „Weil das die DNA des Unternehmens ist“, wie Finanzchef Taoufiq Boussaid im Dezember betonte. Die erste Plattform für mehrere Lucid-Modelle soll die Kosten senken und die Skalierbarkeit verbessern. Die Volumenfahrzeuge würden „im Herz des Marktes“ positioniert – zu einem Preis von rund 50.000 US-Dollar vor Steuern (etwa 43.000 Euro).
Die Mittelklasse soll zuerst in Saudi Arabien produziert werden
Produziert werden soll die mittelgroße Plattform zunächst ab Ende 2026 oder 2027 in Saudi-Arabien. 2029 will Lucid die volle Kapazität erreichen, anschließend dürfte auch das Stammwerk im US-Bundesstaat Arizona in die Produktion einsteigen.
Parallel dazu veröffentlichte Lucid die Produktions- und Auslieferungszahlen für das vierte Quartal 2025 sowie für das Gesamtjahr. Zwischen Oktober, November und Dezember wurden 8.412 Fahrzeuge produziert – ein Plus von 116 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Ausgeliefert wurden im vierten Quartal 5.345 Elektroautos (+31 %).
Die Zahlen deuten steil nach oben – aber von niedrigem Niveau aus kommend
Im gesamten Jahr 2025 stellte Lucid 18.378 Elektroautos her, was einem Zuwachs von 104 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Die Auslieferungen beliefen sich auf 15.841 Fahrzeuge, ein Plus von 55 Prozent. Eine genaue Aufschlüsselung zwischen Air und Gravity nennt das Unternehmen nicht, obwohl beide Modelle auch in Europa, unter anderem in Deutschland, angeboten werden.
Die vollständigen Geschäftszahlen für 2025 will Lucid Ende Februar veröffentlichen. Klar ist schon jetzt: Das Unternehmen schreibt weiterhin hohe Verluste. Diese werden bislang vor allem vom größten Investor, dem saudi-arabischen Staatsfonds PIF, getragen. Ab 2026 sollen nun ausgerechnet Mittelklasse-Elektroautos das Wachstum sichern – ganz ohne neue Limousine.
Lucid wächst dezent – immer noch zu dezent, um wirklich ein großer Player zu sein – immerhin kommt man jetzt langsam auf solide fünfstellige Stückzahlen. Aber Autohersteller, die keine Hypercars oder Supersportwagen bauen, müssen eher im Bereich von mindestens 300.000 bis 400.000 Einheiten plus x produzieren und absetzen. Weshalb auch Lucid ins (SUV-)Mittelklassesegment einsteigen muss, denn dort liegen die Stückzahlen.
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