Ein Jahr Uber in Ulm und Neu-Ulm: Taxiunternehmer kämpfen um ihre Existenz
Seit der Startfreigabe am 4. September 2025 ist die Konkurrenz in der Doppelstadt nicht mehr nur eine theoretische Bedrohung. Schon vor dem Markteintritt hatte Uber nach eigenen Angaben innerhalb von zwölf Monaten rund 50.000 Versuche registriert, in Ulm und Neu-Ulm eine Fahrt zu bestellen. Das zeigt, dass es einen Markt für die App gibt. Für die örtlichen Taxiunternehmen liegt das Problem weniger in der App als in den unterschiedlichen Spielregeln. Taxis müssen sich an behördlich festgelegte Tarife halten. Mietwagen, die über Plattformen wie Uber vermittelt werden, können ihre Preise dagegen flexibler gestalten. Fahrgäste sehen den Preis in der Regel bereits vor der Buchung. Bei geringer Nachfrage kann eine Fahrt dadurch deutlich günstiger ausfallen als im Taxi. Der SWR verglich zum Start eine Fahrt vom Ulmer Hauptbahnhof zum Donaustadion: 12,70 Euro kostete sie im Taxi, 10,93 Euro im Uber-Standardtarif.
Branche fordert gleiche Wettbewerbsbedingungen
Schon wenige Tage nach dem Start forderten die Interessenvertreter des Taxigewerbes deshalb ein Eingreifen der Kommunen. Felix Gutsmann, Geschäftsführer der Taxizentrale Ulm, sagte dem SWR:
„Wir hoffen, dass Uber einen fairen Wettbewerb bestreiten möchte.“
Die Zentrale hatte bereits einen Antrag bei der Stadt eingereicht, um Taxifahrten auch mit Festpreisen anbieten zu können. Emre Celik von den Donau Taxen in Neu-Ulm verlangte ebenfalls einen Tarifkorridor und eine stärkere Regulierung der Mietwagenpreise. Auch der Landesverband Bayerischer Taxi- und Mietwagenunternehmer warnte früh vor den Folgen. Bei einer Informationsveranstaltung Ende September 2025 diskutierten rund 40 Taxiunternehmer über die Entwicklung in Ulm und Neu-Ulm. Als warnendes Beispiel diente Nürnberg: Dort berichtete der Landesverband von Umsatzrückgängen zwischen 30 und 40 Prozent bei Taxiunternehmen nach dem Markteintritt von Plattformanbietern. Solche Zahlen lassen sich nicht einfach auf die Doppelstadt übertragen, zeigen aber, weshalb die Branche die Entwicklung mit Sorge verfolgt.
Mindestpreise bleiben ein Streitpunkt
Ein möglicher Hebel sind Mindestbeförderungsentgelte für Mietwagen. Sie sollen verhindern, dass App-vermittelte Fahrten dauerhaft unter dem Preisniveau des regulierten Taxiverkehrs angeboten werden. Für die Taxiunternehmen geht es dabei um mehr als den Preis einer einzelnen Fahrt. Sie müssen Fahrzeuge und Personal vorhalten und können ihre Tarife nicht nach Belieben an die Nachfrage anpassen. Wenn Aufträge wegbrechen, geraten die ohnehin knappen Margen unter Druck. Geschäftsaufgaben wären dann nicht nur ein betriebswirtschaftliches Problem der einzelnen Unternehmer. Sie könnten auch das Angebot für Fahrgäste verändern, die auf telefonisch bestellte Fahrten, Krankenbeförderungen oder verlässliche Mobilität zu Randzeiten angewiesen sind.
Der Wettbewerb um Fahrgäste wird nicht allein über guten Service entschieden. Solange Taxi und Mietwagen unterschiedlichen Preis- und Betriebspflichten unterliegen, bleibt die Frage nach fairen Bedingungen auf dem Tisch. Die Kommunen müssen prüfen, welche rechtlich zulässigen Instrumente ihnen zur Verfügung stehen. Und die Taxiunternehmen müssen zugleich entscheiden, wie sie digitale Vermittlung und neue Kundengruppen nutzen können, ohne sich auf einen Preiskampf einzulassen, den sie wirtschaftlich unter diesen Umständen nicht gewinnen können.
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