Tankstellen als Mini-Raststätten: Warum Kaffee und Snacks beim Tanken immer wichtiger werden

Der schnelle Tank- oder Ladevorgang reicht vielen Autofahrern längst nicht mehr aus. Kaffee, belegte Brötchen und warme Snacks gehören für zahlreiche Kunden inzwischen selbstverständlich zum Stopp an der Zapfsäule. Eine aktuelle Umfrage zeigt, worauf Verbraucher dabei Wert legen – und wie viel sie dafür auszugeben bereit sind.

Schnell und unkompliziert: Für 51 Prozent ist die schnelle Verfügbarkeit beim Kauf von Snacks besonders wichtig.| Foto: HEM/Adobe Stock 2204529781
Schnell und unkompliziert: Für 51 Prozent ist die schnelle Verfügbarkeit beim Kauf von Snacks besonders wichtig.| Foto: HEM/Adobe Stock 2204529781

Wer heute an einer Tankstelle hält, tankt häufig nicht nur Kraftstoff oder lädt den BEV auf. Zwischen Kaffeemaschine, Bistrotheke und Kühlregal hat sich die Tankstelle vielerorts zu einem Ort entwickelt, an dem Reisende ihren Hunger stillen, eine Pause einlegen oder sich mit Proviant für die Weiterfahrt versorgen. Eine aktuelle Umfrage der Tankstellenkette HEM zeigt, welche Rolle das gastronomische Angebot inzwischen spielt. Demnach kaufen 61 Prozent der Befragten regelmäßig Kaffee oder andere Heißgetränke an der Tankstelle. Damit liegen sie deutlich vor Kaltgetränken (44 Prozent) sowie belegten Brötchen, Sandwiches oder Wraps (39 Prozent). Süßwaren und warme Snacks wie Hotdogs oder Bockwürste folgen mit etwas Abstand.

Besonders morgens scheint der Kaffee für viele Autofahrer zum Pflichtprogramm zu gehören. Mehr als jeder Zweite greift zu einem Heißgetränk. Erst danach folgen belegte Brötchen und andere Snacks. Zur Mittagszeit verschieben sich die Prioritäten: Dann stehen Sandwiches, Wraps und warme Speisen im Mittelpunkt. In den Abend- und Nachtstunden dominieren dagegen Kaltgetränke. Die Zahlen zeigen, dass Tankstellen heute unterschiedliche Bedürfnisse bedienen müssen. Morgens geht es um den schnellen Start in den Tag, mittags um eine unkomplizierte Mahlzeit und am Abend oft um eine kurze Verschnaufpause während längerer Fahrten.

Gut, schnell, frisch

Dabei zählen für die Kunden vor allem drei Dinge: Das Angebot soll gut schmecken, schnell verfügbar sein und möglichst frisch zubereitet werden. Für 53 Prozent der Befragten steht der Geschmack an erster Stelle, 51 Prozent legen Wert auf eine schnelle Verfügbarkeit. Vier von zehn Kunden achten zudem auf frische Zubereitung. Noch deutlicher fällt das Urteil beim Bistroangebot aus. Für 95 Prozent der Befragten ist Frische wichtig, knapp zwei Drittel stufen sie sogar als sehr wichtig ein. Die klassische Auslage allein reicht damit vielerorts nicht mehr aus. Kunden erwarten zunehmend Produkte, die frisch wirken und nicht den Eindruck vermitteln, bereits seit Stunden in der Warmhaltevitrine zu liegen.

Interessant ist auch der Blick auf die eigentlichen Gründe für den Tankstellenbesuch. Nur 29 Prozent der Befragten fahren nach eigener Aussage ausschließlich zum Tanken vor. Für 39 Prozent gehört der Kauf von Snacks oder Getränken selbstverständlich dazu. Weitere 18 Prozent nutzen die sanitären Einrichtungen, während 14 Prozent bewusst eine kurze Pause im Bistro einlegen.

Mini-Raststädte

Die Tankstelle entwickelt sich damit zunehmend zu einer Art Mini-Raststätte – allerdings ohne die langen Wege und mit dem Vorteil der schnellen Erreichbarkeit. Beim Preis bleibt das Publikum allerdings sensibel. Zwar bewerten 56 Prozent das Preis-Leistungs-Verhältnis in Tankstellen-Bistros als gut oder sehr gut. Gleichzeitig halten 38 Prozent die Preise für eher oder sogar sehr schlecht.

Besonders deutlich wird dies bei der Zahlungsbereitschaft. Für ein Frühstück aus Kaffee und Brötchen würden 52 Prozent zwischen fünf und sechs Euro ausgeben. Ein Drittel zieht die Grenze bereits unter fünf Euro. Für ein Mittag- oder Abendangebot wie eine Pizza mit Softdrink akzeptieren knapp die Hälfte der Befragten einen Preis zwischen zehn und zwölf Euro.

Zusätzliche Rabatte könnten helfen, die Kunden häufiger ins Bistro zu locken. Bereits heute nutzt fast jeder vierte Befragte regelmäßig Apps oder Coupons für Preisnachlässe auf Snacks und Getränke. Besonders gefragt sind direkte Vergünstigungen: 62 Prozent würden eine App, Kundenkarte oder Treueaktion nutzen, wenn sich dadurch Kaffee oder Speisen günstiger erwerben lassen.

Wenn es um neue Angebote geht, wünschen sich viele Kunden allerdings keine kulinarischen Experimente. Ein Drittel fordert vor allem eine größere Auswahl an frisch belegten Brötchen und Sandwiches. Gesunde Snacks und zusätzliche warme Speisen folgen mit deutlichem Abstand. Gleichzeitig gibt nahezu jeder Dritte an, derzeit nichts zu vermissen.

Pizza, Burger, Hotdog

Auch die offenen Antworten zeigen ein klares Bild. Statt ausgefallener Konzepte stehen klassische Imbissprodukte hoch im Kurs. Pizza, Burger und Hotdogs werden häufig genannt. Andere wünschen sich frischere oder vegane Alternativen. Ein Befragter bringt den Wunsch nach unkomplizierter Verpflegung auf eine einfache Formel: eine „Tüte Pommes“.

Für Tankstellenbetreiber ergibt sich daraus eine klare Botschaft: Kunden suchen vor allem Verlässlichkeit. Sie erwarten frische Produkte, kurze Wartezeiten und Preise, die nachvollziehbar erscheinen. Der Kaffee bleibt dabei das Zugpferd des Geschäfts – doch rund um die Tasse entwickelt sich das Bistroangebot zunehmend zu einem wichtigen Baustein moderner Mobilität. Und gerade für viele Taxi-Fahrer ist die Tankstelle als Mini-Bistro unverzichtbar.

Logobanner Liste (Views)