E-Auto im Praxistest: Schnelles Fahren frisst mehr Reichweite als Heizung oder Klimaanlage

Viele Fahrerinnen und Fahrer von Elektroautos schalten im Sommer die Klimaanlage erst spät ein – aus Sorge, die Batterie zu sehr zu belasten. Eine neue Analyse zeigt jedoch: Den größeren Einfluss auf die Reichweite hat nicht das Kühlen oder Heizen, sondern die Geschwindigkeit.

Auch bei so effizienten E-Autos wie dem Tesla Model Y steigt der Verbrauch bei höheren Tempo spürbar an.| Foto: Tesla
Auch bei so effizienten E-Autos wie dem Tesla Model Y steigt der Verbrauch bei höheren Tempo spürbar an.| Foto: Tesla

Der kanadische Telematik-Spezialist Geotab hat dafür rund drei Millionen Fahrten ausgewertet. Die Firma, die seit dem Jahr 2000 Flottenmanagement-Systeme anbietet und weltweit mehr als fünf Millionen Fahrzeuge digital überwacht, wollte wissen, wie stark sich verschiedene Faktoren auf den Energieverbrauch von E-Autos auswirken. „Viele Autofahrer versuchen, das Einschalten der Klimaanlage bei warmem Wetter hinauszuzögern, um Energie zu sparen. Doch unsere Daten zeigen, dass hohe Geschwindigkeit nachteiliger für die Reichweite ist“, sagt Charlotte Argue, die bei Geotab den Bereich Nachhaltigkeit leitet.

Die Ergebnisse sind deutlich: Schon ab 80 Kilometern pro Stunde steigt der Energiebedarf stärker durch die Geschwindigkeit als durch die Klimaanlage. Ursache ist ein physikalisches Grundgesetz. Ab einer bestimmten Geschwindigkeit dominiert der Luftwiderstand den Verbrauch, und dieser wächst nicht linear, sondern im Quadrat zum Tempo. Wer doppelt so schnell fährt, braucht also die vierfache Energiemenge, um den Fahrtwind zu überwinden.

Geotab nennt den Fall eines elektrischen Transporters mit einem 65-Kilowattstunden-Akku: Bei konstant 80 km/h schafft er rund 230 Kilometer. Erhöht der Fahrer das Tempo auf 97 km/h, sinkt die Reichweite auf 195 Kilometer. Bei 112 km/h sind es nur noch 166 Kilometer. Wer knapp unter der Autobahn-Richtgeschwindigkeit von 130 km/h fährt, muss sich mit etwa 142 Kilometern begnügen – ein Verlust von rund 38 Prozent gegenüber Tempo 80.

Bei Pkw mit flacherer Bauform fällt der Effekt schwächer aus, bleibt aber spürbar. Eine elektrische Limousine, die bei 80 km/h noch 446 Kilometer schafft, kommt bei 128 km/h nur noch 322 Kilometer weit. Das entspricht einem Minus von einem Viertel.

Die Studie zeigt auch: Schon eine geringfügige Reduzierung des Tempos kann viel bewirken. Wer zwischen 16 und 24 km/h langsamer fährt, kann die Reichweite je nach Modell um mehr als 20 Prozent steigern. Daran ändern auch größere Akkus wenig. Denn das Naturgesetz des Luftwiderstands bleibt bestehen – unabhängig von der Batteriegröße.

Für E-Autofahrer bedeutet das: Nicht das Zögern beim Einschalten der Klimaanlage entscheidet über die Reichweite, sondern die Frage, wie schnell sie unterwegs sind.

 

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