VM-Fahrbericht Omoda 9: Der Preis wäre heiß!

Einst wollte Chery in Europa mit Omoda 5 und Jaecoo 7 starten – jetzt wurde die Omoda-Reihe mit dem Plug-in-Hybrid Omoda 9 nach oben erweitert. Der in Spanien im Sonderangebot ab 39.900 Euro startet. Wir konnten schon mal eine ausführliche Runde drehen.

Der Omoda 9 Plug-in-Hybrid leistet bis zu 535 PS und fährt bis zu 650 Nm an Kraft auf. | Foto: G. Soller
Der Omoda 9 Plug-in-Hybrid leistet bis zu 535 PS und fährt bis zu 650 Nm an Kraft auf. | Foto: G. Soller
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Begegnet man dem Omoda 9 nachts, könnte man ihn mit seinen säbelzahnförmigen Tagfahrleuchten aus der Entfernung auch für einen DS oder Peugeot halten – auffallen tut er jedenfalls. Und während Jaecoo im Chery-Konzern eher für die aufrechten Burschen zuständig ist, spielt Omoda die elegante Fließheckkarte. So auch beim vorübergehenden Topmodell Omoda 9, das wir als Plug-in fahren konnten.

Kurz zu den Daten: Er misst 4,77 Meter in der Länge, bietet 2,80 Meter Radstand und innen entsprechend viel Platz, auch im Fond. In diesen steigen wir zuerst und stellen fest, dass auch hier Infotainment und Klimatisierung dezent nach oben gefahren werden – wenngleich sich das alles immer noch auf einem eher schlecht erreichbaren kleinen Screen zwischen den Vordersitzen abspielt. Da der Omoda 9 in seinem Heimatland auch als Chauffeurslimo dient, kann man den Beifahrersitz von der Fondlehne aus verstellen. Der Kofferraum fasst 471 Liter. Klappt man die Lehnen der Rückbank um, erhöht sich das Volumen auf 1.004 Liter. Damit agiert der Fließheck-Omoda eher sparsam. Zum Vergleich: Der kantige Škoda Kodiaq iV bietet üppige 745 bis 1.945 Liter.

Ergonomisch gelungen: Drehregler fürs Klima plus große Screens

Wir wechseln auf den Fahrerplatz und nehmen auch hier den erhöhten Anspruch von Nummer neun wahr: gesteppte Türverkleidungen, saubere Verarbeitung, im Detail hochwertige Materialien, kaum harter Kunststoff – und selbst der ist im Untergeschoss, wo man ihn nicht so sieht, gut gemacht. Ebenfalls hochwertig: die zwei gekrümmten 12,3-Zoll-Displays unter einer gemeinsamen Glasfläche, ergänzt durch ein gut ablesbares Head-up-Display mit Augmented Reality, wodurch virtuell 50 Zoll entstehen. Besonders gefielen uns im Kontrast dazu die chrombedampften, gerändelten Drehregler für die Klimatisierung, die zwar nicht so satt rasten wie bei Premiumherstellern, sich aber blind bedienen lassen.

Die Sony-Anlage mit 14 Lautsprechern bringt satten, wenn auch nicht überragend umhüllenden Sound. Dazu gibt es natürlich einstellbares Ambientelicht und eine Dashcam. Fürs Smartphone steht eine induktive Ladeschale bereit, außerdem wird es via Apple CarPlay oder Android Auto kabellos ins Infotainment eingebunden.

Fahrwerk und Lenkung: eher flauschig

Dazu passt das leise elektrische Losströmen des offiziell 2.195 Kilogramm wiegenden Omoda 9, dessen Fahrwerk sich erwartungsgemäß eher flauschig gibt: Alle Unebenheiten werden gut herausgefiltert, nur ganz grobe Versätze können ihm manchmal ein unwilliges Poltern entlocken.

Auch die Lenkung passt ins Bild: dezent, eher soft und landestypisch rückmeldungsarm, wenngleich für die EU bereits dezent nachgeschärft. Die Rolle des „großen Omoda“ ist damit klar: Er will eleganter Gleiter sein, nicht knackiger Heizer, und changiert optisch dezent zwischen CUV und SUV.

Grundsätzlich stünden 535 PS und 650 Nm Drehmoment zur Verfügung

Auch bei „leerem“ Akku versucht er innerstädtisch so oft wie möglich rein elektrisch und damit leise zu fahren, bis dann der Vierzylinder die angenehme Ruhe jäh unterbricht. Und auch hier gilt: Ein Vierzylinder-Benziner bleibt ein Vierzylinder-Benziner – künstlichen Charakter könnte man höchstens mit spezieller Abgasanlage, Nockenwelle oder Zündfolge erzeugen. Aber das will man hier gar nicht, denn eigentlich soll der große Omoda so lange wie möglich leise gleiten.

Trotzdem bietet er auch genug Punch: Der Antriebsstrang kombiniert je eine E-Maschine pro Achse mit einem 1,5-Liter-Turbo. Ergebnis: üppige 390 kW bzw. 535 PS sowie 650 Nm Drehmoment. Nach 4,9 Sekunden könnte er die 100-km/h-Marke reißen, bei 180 km/h wird abgeregelt.

Reichweite und Verbrauch? Hängt ganz von den Fahrenden ab

Auch bei der Reichweite klotzt Omoda: Als Plug-in-Hybrid soll er kombiniert bis zu 1.100 Kilometer weit kommen – auch, weil er mit einem 70-Liter-Tank ein großes Spritfass trägt. Der offizielle Durchschnittsverbrauch von 1,7 l/100 km ist freilich unrealistisch. Wir lasen andere Werte ab, aber immerhin eine üppige Restreichweite. Ob 6,3 l/100 km plus 3,0 kWh/100 km – hochgerechnet rund 6,7 l/100 km – viel oder wenig sind, ist Ansichtssache. Wir würden es als angemessen bezeichnen, dafür dass der Omoda 9 zuletzt meist innerstädtisch und über Land bewegt und tendenziell eher nicht geladen wurde.

Die rein elektrische Reichweite beträgt offiziell bis zu 145 Kilometer – dank großem Akku mit 34,5 kWh Bruttokapazität. Stark auch die maximale DC-Ladeleistung von 65 Kilowatt: Damit könnte man den Speicher binnen 25 Minuten von 30 auf 80 Prozent laden. Schade nur: AC lädt er maximal mit 6,6 kW, 11 kW wären zeitgemäßer.

So kann man als Pendler durchaus elegant und lange gleiten – sofern man regelmäßig nachlädt. Umgekehrt gilt, wenig überraschend: Auf der Autobahn gönnt sich der 1,5-l-Vierzylinder auch mal neun Liter plus/minus x. Bei uns genügte schon ein kurzer flotter Ritt aus der Stadt, und aus 6,3 l/100 km wurden schnell 7,1.

Das Sprachverständnis tendiert beim polnischen Testwagen eher gegen null

Die Fahrassistenz meldet sich zwar ab und an, tut das aber dezent. Man kann sie etwas umständlich im Menü des Zentralscreens deaktivieren. Wir versuchten das auch per Sprache – ebenso wie Temperaturänderungen, eine Navigationsadresse oder einen Radiosender. Doch der Omoda 9 verweigerte sich beharrlich! Hier darf Omoda gern nachprogrammieren.

Die Anhängelast beträgt 750 Kilogramm ungebremst und 1.500 Kilogramm gebremst – etwas wenig für so viel Power. Am Ende ließ uns der große Omoda etwas ratlos zurück: Er leistet sich zwar keine groben Schwächen, konnte uns aber auch nirgendwo so richtig abholen. Fahrwerk und Antrieb erledigen dezent ihren Job, Emotionen kommen dabei nicht auf. Die entstehen eher im ziemlich edlen Interieur, zumal es genug Platz für alle gibt. Doch bei der Software – angeblich eine große Stärke der Chinesen – fehlt es noch weit. So sitzt der Omoda 9 am Ende schweigend zwischen allen Stühlen: Die trockene Perfektion der deutschen Premiums erreicht er ebenso wenig wie den Pragmatismus der Koreaner oder der Core-Brands des Volkswagenkonzerns. Und wer es wirklich individuell mag, wäre bei Cadillac, DS, Genesis, Lexus oder auch Nio und Xpeng besser aufgehoben. Weshalb aus dem großen Omoda wohl keine Massenmode wird.

Der Preis ist heiß: Fast Premium für gut unter 50.000 Euro

Dafür könnte der Preis echt heiß sein! Omoda will den 9 auch nach Deutschland bringen, hat aber noch keinen Termin verraten. Wir haben in Spanien nachgesehen: Dort kostet er regulär rund 45.000 Euro. Zwischen 12.9. und 25.9. gibt es jedoch die spezielle Aktion „Tage des Drachen“: Dann fliegt er ab 39.900 Euro ein! Und ja – dieser Preis ist extrem heiß. Vergleichbares aus dem VW- oder Hyundai-Konzern liegt rund 10.000 Euro höher.

Was bedeutet das?


Wie viele chinesische Marken braucht auch Omoda noch mehr Profil. Das muss ebenso erst gefunden werden wie ein funktionierendes Sprachverständnis bei Infotainment und Klimatisierung. Umso spannender wird die Preisfrage – 39.900 Euro sind ein Schnapper, auch 45.000 Euro wären noch okay.

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