BVTM lädt zum Parlamentarischen Taxi Abend – viele Worte, kaum Perspektive

„Ernüchternd“ – so könnte man den Abend beschreiben. Drei Parlamentarier von CDU, SPD und den Grünen standen BVTM Geschäftsführer Michael Oppermann und BVTM Präsident Herwig Kollar im VW Drive in Berlin Rede und Antwort. Eine hoffnungsvolle Perspektive für die Taxi-Branche blieb aus.

Diskussionsrunde im VW Drive. Der BVTM lud zum Parlamentarischen Abend.| Foto: BVTM
Diskussionsrunde im VW Drive. Der BVTM lud zum Parlamentarischen Abend.| Foto: BVTM

Eine beeindruckende Lokation war der Rahmen des diesjährigen Parlamentarischen Taxiabends in Berlin: Unter den Linden im VW Drive, zwischen ikonischen Modellen der Wolfsburger Autobauer. Der Bundesverband Taxi und Mietwagen (BVTM) hatte als Parlamentarier Michael Donth (CDU), Stefan Zierke (SPD) und Victoria Broßart von den Grünen geladen.

Impulsvorträge von Kollar und Kiel d’Aragon

Mit zwei Impulsvorträgen startete der Abend. BVTM Präsident Herwig Kollar begrüßte die Anwesenden Taxi-Unternehmer und resümierte, man habe die letzten Jahre versucht, der Politik die Sorgen und Wünsche der Taxi-Branche nüchtern und sachlich nahe zu bringen. Nun sei es an der Zeit, auch mal „ohne Filter“ zu sprechen. Denn, es „brenne lichterloh“, so Kollar. Viele Taxi-Unternehmer kämpften um ihren Betrieb – und das seien häufig Kleinstunternehmer, die Familien ernähren müssten. Man weiße als BVTM schon seit viele Jahren auf die Rechtsbrüche der Plattformbetreiber hin, man sehe, wie Gerichte gegen die Praktiken von Uber und Co. vorgingen. Nur, die Politik reagiere nicht. Das PBefG müsse durchaus an einigen Stellen nachgebessert werden, gebe aber auch schon jetzt durchaus Wege vor, wie dem Wildwuchs der Plattformbetreiber Einhalt geboten werden könne.

Tino Schopf als "leuchtendes Beispiel"

Tino Schopf, Mitglied des Berliner Abgeordentenhauses, wurde - sobald erwähnt – mit viel Applaus bedacht. Kollar betonte, die Verantwortlichen in den Kommunen würden sich häufig darauf zurückziehen, nicht zuständig zu sein. Tino Schopf habe gezeigt, wie es gehe: Man müsse die zuständigen Behörden nur „so lange nerven, bis sie ins handeln kommen“.

Städtetag zeigt Schwierigkeiten auf

Thomas Kiel d’Aragon vom deutschen Städtetag erklärte, in seinen Augen die Probleme mit der Umsetzung des PBefG vorhersehbar gewesen. Der Bund hätte das Gesetz beschlossen, den Kommunen komme die die Rolle des „Wächters“ zu. Es sei ein Fehler gewesen, kein eigens Anmeldeverfahren für Plattformbetreiber, die Taxi-ähnlichen Mitwagenverkehr betreiben, einzurichten. So versuchten sich die Plattformbetreiber darauf „rauszureden“, nur der Vermittler einer Fahrt, nicht aber der Beförderer zu sein. Auch sei es problematisch, dass die Genehmigung eines Mietwagenbetriebes nicht dort stattfinden müsse, wo gefahren werde. Das kenne man zum Beispiel von Berlin und Brandenburg.

Plädoyer für die – gescheiterte – Kleine Fachkunde

Besorgniserregend nannte Kiel d’Aragon die jüngste Entscheidung, auf die Kleine Fachkunde zu verzichten. Der Städtetag halte eine Taxifahrer-Prüfung für unbedingt notwendig, um die Qualität der Taxi-Branche zu sichern. Es könne doch nicht sein, dass ein Fahrer, der Güter fahre, eine Prüfung ablegen müsse, wer aber Personen fahre, ohne Prüfung ans Steuer gelassen werde.

Michael Oppermann und die drei Parlamentarier

Der Geschäftsführer des BVTM, Michael Oppermann, leitete die Runde mit den Politikern. Michael Donth ist den Teilnehmenden sicherlich am besten bekannt, begleitet er doch schon seit Jahren in zahlreichen Diskussionsrunden das Taxi-Gewerbe. Nach seinen Worten sei die schwierige Wirtschaftslage nicht nur ein Problem der Taxi-Unternehmer, die allgemeine Wirtschaftslage stelle auch andere Branchen vor große Herausforderungen. Das PBefG sei nun mal ein Kompromiss-Gesetz. Nun müsse man die Evaluierung abwarten und könne dann gegebenenfalls nachsteuern. Er bitte um Sachlichkeit im Umgang miteinander, denn er kämpfe jedenfalls schon jahrelang für das Taxi-Gewerbe.

Stefan Zierke lenkte den Blick auf die Situation in den ländlichen Gebieten. Er sei für die Uckermark in den Bundestag eingezogen, da seien die Nöte mit der Taxi Branche andere als in einer Großstadt wie Berlin. Es gäbe im ländlichen Bereich einfach viele Gegenden, da würde kein Taxi mehr kommen.

Außerdem sei er Kaufmann – für ihn wäre es die beste Lösung, wenn es keine gesetzlichen Regelungen brauche, wenn der „kaufmännische Handschlag“ reiche. Er fände es nun wiedersinnig, wenn allendhalben nach neuen Regelungen gerufen werde, wo man doch allgemein das Ziel habe, Bürokratie abzubauen.

Das sei in Rosenheim – zum Glück – anders. Laut Victoria Broßart sei die Vernetzung zwischen ÖPNV und Taxi in der Oberbayerischen 60.000 Einwohner Stadt sehr gut. Überhaupt, sie sei ein begeisterte Taxi-Kundin. Für sie sei das Taxi unbedingt Teil des ÖPNV und es sei an der Zeit, endlich mit dem Sozialdumping und den schlechten Arbeitsbedingungen bei den Plattformbetreibern aufzuräumen.

Diese Äußerung führte erwartungsgemäß zu heftigen Applaus im VW Drive.

Nochmal kamen deutliche Worte von Herwig Kollar. Es sei mitnichten so, dass man als Verband immer wieder neue Regelungen fordere. Was man dagegen schon erwarte, sei, dass bestehende Regelungen angewendet werden. Und dass unsinnige Ausnahmen – wie zum Beispiel den Umstand, Mietwagen von der Verpflichtung eines Wegstreckenzählers auszunehmen – gestrichen würden. Auch sei es für den Verband nicht verständlich, dass eine im Gesetz stehende Taxifahrer-Prüfung, die Kleine Fachkunde, erst fünf Jahre nicht umgesetzt werde, und dann einfach gestrichen werde.

Man habe bereits mit der unsinnigen Entscheidung, 2017 die Ortskunde für Mietwagen zu streichen, das Einfallstor für die Plattformbetreiber geöffnet. Das „Nicht-Handeln“ der Politik sei für ihn nur durch Unkenntnis der Entscheider – oder durch Umstände, die er sich nicht vorstellen wolle – erklärbar.

Schönes Ambiente, Interessante Gespräche – ein fader Beigeschmack

In den Gesprächen nach der Politiker-Diskussionsrunde nahm man doch eine gewisse Ernüchterung unter den Teilnehmern war. Die Politik scheint im besten Fall erst einmal abwarten zu wollen, was die Evaluierung des PBefG zeigen wird. Nur – laut Thomas Kiel d’Aragon - wird diese Evaluierung keine Informationen darüber enthalten, wie sich in den letzten Jahren der Taxi-Markt im Vergleich zu den Plattformbetreibern entwickelt hat. Es wird also keine Entscheidungshilfe für die Politiker sein – diese müssten, wie Kiel d’Aragon betonte, sich selbst informieren. Und leider war auch wieder die Mähr davon zu vernehmen, es gäbe halt zwei Meinungen, die des Taxi-Gewerbes und die der Plattformbetreiber. Man müsse sich halt irgendwie einigen.

Solange sich bei den verantwortlichen Politikern nicht die Erkenntnis durchsetzt, dass es nicht einfach zwei Meinungen zu diesem Thema gibt, wird sich leider nicht viel an der momentanen Situation verbessern. Es muss der Politik erst klar sein, dass sich hier zwei Dinge diametral gegenüberstehen. Recht gegen Unrecht, oder auch: Sozialabgaben gegen Sozialdumping, oder auch: Mindestlohn gegen Lohndumping, oder auch: Regeln gegen Wild-West Manier… (die Liste ließe sich fortsetzten).

 

Den weiteren Verlauf der Diskussionsrunde werden wir in einem zweiten Teil veröffentlichen.

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