Stellantis und Bolt: Test autonomer Elektrofahrzeuge startet 2026
Der Automobilkonzern Stellantis und die europäische Mobilitätsplattform Bolt wollen künftig bei der Entwicklung und dem Einsatz fahrerloser Fahrzeuge zusammenarbeiten. Beide Unternehmen haben am 9. Dezember 2025 eine entsprechende Vereinbarung bekannt gegeben. Ziel ist es, autonome Fahrzeuge auf Level-4-Basis in den kommerziellen Betrieb zu bringen und damit die Grundlage für neue Mobilitätsdienste in Europa zu schaffen.
Testbetrieb ab 2026 geplant
Laut Mitteilung der Unternehmen sollen die ersten Testfahrzeuge 2026 auf europäischen Straßen unterwegs sein. Die Einführung erfolgt schrittweise – von Prototypen über Pilotflotten bis hin zu einer schrittweisen industriellen Skalierung, mit einem ersten Produktionsziel im Jahr 2029. Im Mittelpunkt steht dabei die AV-Ready-Plattform von Stellantis, die für den vollautonomen Betrieb ausgelegt ist.
Die geplante Zusammenarbeit umfasst unter anderem den Einsatz der mittelgroßen eK0-Van-Architektur sowie der STLA-Small-Plattform. Diese Fahrzeuggrundlagen sind modular aufgebaut und sollen für verschiedene Mobilitätsanwendungen anpassbar sein. Stellantis bringt seine technologische und industrielle Kompetenz ein, während Bolt sein operatives Netzwerk in über 50 Ländern, darunter 23 EU-Mitgliedstaaten, nutzt.
Bolt plant, die autonomen Fahrzeuge in seine bestehende Plattform für gemeinsame Mobilität zu integrieren. Damit könnten künftig Fahrdienstleistungen ohne Fahrer angeboten werden. Das Unternehmen strebt an, bis 2035 rund 100.000 autonome Fahrzeuge in Betrieb zu haben.
Fokus auf Sicherheit und Regulierung
Nach Angaben beider Partner erfüllen die Fahrzeuge die höchsten Sicherheits-, Zuverlässigkeits- und Cybersicherheitsstandards in Europa. Stellantis integriert in die Plattform Sensoren, Hochleistungsrechner und redundante Systeme, um Ausfallsicherheit und Skalierbarkeit zu gewährleisten. Gleichzeitig sollen die Betriebskosten für Dienstleister niedrig bleiben.
Die Partner betonen, dass sie eng mit europäischen Regulierungsbehörden zusammenarbeiten werden. Ziel sei es, Tests, Zertifizierungen und künftige Zulassungen im Einklang mit geltenden Sicherheits-, Datenschutz- und Cybersicherheitsstandards durchzuführen. Der Start der Zusammenarbeit soll einen „verantwortungsvollen Ansatz“ beim Markthochlauf autonomer Fahrzeuge in Europa sicherstellen.
Autonome Mobilität als Teil der Unternehmensstrategie
Für Stellantis bedeutet die Kooperation eine Erweiterung des bestehenden Partnernetzwerks in Europa. Laut Unternehmensangaben ist sie ein Baustein der globalen Strategie, fahrerlose Mobilität wirtschaftlich und sicher in großem Maßstab zu etablieren.
Bolt verfolgt mit der Zusammenarbeit ein langfristiges Ziel. Gründer und CEO Markus Villig erklärte, beide Unternehmen verbinde die Kenntnis der europäischen Marktbedingungen. Die Kombination aus technischer Plattform und operativer Reichweite solle es ermöglichen, „das beste autonome Fahrzeugangebot zu schaffen, das auf europäische Bedürfnisse zugeschnitten ist und das Millionen von Menschen nutzen können“.
Stellantis CEO Antonio Filosa sagte: „Unsere AV-Ready-Plattformen™ sind auf maximale Flexibilität ausgelegt, damit wir unseren europäischen Kundinnen und Kunden das bestmögliche Erlebnis bieten können. Autonome Flotten können zudem zu einem geringeren CO₂-Fußabdruck beitragen, indem sie eine optimierte Shared Mobility ermöglichen und so Staus und Emissionen reduzieren. Die Zusammenarbeit mit Bolt soll diese Vision näher an die Realität bringen, indem wir unsere technische Expertise mit ihrer operativen Reichweite verbinden, in der Hoffnung, fahrerlose Mobilität zu einem Bestandteil des europäischen Alltags zu machen, dem die Menschen vertrauen.“
Noch unverbindliche Vereinbarung
Derzeit handelt es sich nicht um eine verbindliche Vertragsvereinbarung. Das unterzeichnete Memorandum of Understanding ist unverbindlich und spiegelt die aktuelle Absicht der Parteien wider. Zukünftige Entwicklungen, Implementierungen und kommerzielle Bedingungen werden in separaten, verbindlichen Vereinbarungen geregelt. Dazu zählen technische Spezifikationen, wirtschaftliche Rahmenbedingungen und die Rollenverteilung innerhalb der Kooperation.
Was bedeutet das?
Diese Partnerschaft markiert einen weiteren Schritt in Richtung automatisierter Flottensteuerung. Autonome Fahrzeuge könnten künftig neue Möglichkeiten für innerstädtische Shuttle-Dienste, geteilte Fahrangebote oder Lieferkonzepte eröffnen. Gleichzeitig bleibt unklar, wie schnell die Technologie unter realen Bedingungen einsatzbereit sein wird und welche regulatorischen Hürden bestehen.
Fest steht: Mit dem geplanten Testbeginn 2026 und der Zielmarke 2029 für die Serienproduktion nimmt Europa beim Thema fahrerlose Mobilität langsam Fahrt auf. Ob die Technik bis dahin zuverlässig, sicher und wirtschaftlich genug ist, wird entscheidend dafür sein, ob autonome Fahrzeuge künftig auch in betrieblichen Flotten eine Rolle spielen. (av, Quelle: Stellantis )
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