Ford E-Transit Custom: Akku-Update für mehr Reichweite und Elektro-Allrad

Die Batteriekapazität erhöht sich von 64 auf 70 kWh, womit die Reichweite auf 370 Kilometer steigt. Dank eines Software-Updates sinkt die Ladezeit, auch bei Bestandsfahrzeugen um fast ein Drittel. Zudem kommt ein elektrischer Allradantrieb, der Traktion und Fahrsicherheit erhöht.

Mehr Grip nicht nur im Winter: Mit einem Elektro-Allrad befährt Ford neue Wege im Van. | Foto: Ford Pro
Mehr Grip nicht nur im Winter: Mit einem Elektro-Allrad befährt Ford neue Wege im Van. | Foto: Ford Pro
(erschienen bei LOGISTRA von Johannes Reichel)

Der Nutzfahrzeughersteller Ford Pro hat eine weitere Aufwertung seines Midsize-Transporters E-Transit Custom angekündigt. Allem voran steigt die nutzbare Kapazität seiner Antriebsbatterie von 64 auf 70 kWh, was die Reichweite in Europas Vanbestseller um fast 13 Prozent auf bis zu 370 statt vorher 327 Kilometer steigert. Gleichzeitig erhöht sich die Ladegeschwindigkeit dank eines Updates via Luftschnittstelle: An einem Gleichstrom-Schnellader (DC) mit 125 kW lässt sich die Batteriekapazität des E-Transit Custom künftig in nur rund 29 Minuten von zehn auf 80 Prozent aufladen, rund 10 Minuten schneller als bisher. In zehn Minuten zieht der Van somit Energie für rund 111 weitere Kilometer. Das Batterieupdate kommt für den E-Transit Custom und den Kombi E-Tourneo Custom ab Anfang 2026.

Das Ladeupdate wiederum greift auch für die Bestandsfahrzeuge des 2024 vorgestellten Modell: Mittels Over-the-air Updates (OTA) lässt sich auch die Laderate der bisherigen 64-kWh-Batterie deutlich steigern. Benötigte ein Ladevorgang von zehn auf 80 Prozent der nutzbaren Kapazität bislang etwa 39 Minuten, ist dies künftig in rund 25 Minuten erledigt, 14 Minuten weniger pro Ladestopp.

Neues Allradradsystem für Schlechtwegebetrieb

Gleichzeitig mit der größeren Batterie kommt der E-Transit Custom mit einem neuen Allradsystem, bei dem ein Hochleistungs-Elektromotor an der Vorderachse den serienmäßigen Heckantrieb ergänzt. Eine elektronische Steuerung verteilt das Drehmoment je nach Fahrsituation an die vier Räder. Das Allradsystem steht in allen drei Leistungsstufen – 100 kW (136 PS), 160 kW (218 PS) oder 210 kW (285 PS) – zur Wahl. Anwendungsszenarien sind anspruchsvolle Fahrbahnverhältnissen, etwa auf unbefestigten Streckenabschnitten, auf schlammigen Baustellenzufahrten, in bergigem Gelände oder bei verschneiten Straßen. 

Das AWD-Regelsystem misst bis zu 50 Mal pro Sekunde das mögliche Durchdrehen eines Rades und erfasst damit kontinuierlich den zur Verfügung stehenden Grip. Auf dieser Basis passt es die Drehmomentverteilung an alle vier Räder in Echtzeit an. Im Unterschied zu konventionellen Allradantrieben, die eine mechanische Verbindung aufweisen, arbeiten die beiden elektrischen Antriebseinheiten völlig unabhängig voneinander, wirbt der Hersteller für das Konzept. So könne etwa bei einem Verlust der Traktion an den Hinterrädern die vordere Antriebseinheit eingreifen und ihr volles Drehmoment auf die Vorderräder übertragen.

Bis zu 2,3 Tonnen Anhängelast

Je nach Anforderung arbeiten beide Antriebseinheiten gleichzeitig – etwa im Trailer-Betrieb. Wer den E-Transit Custom AWD mit 210 kW (285 PS) Leistung ordert, kann eine Anhängelast von 2.300 Kilogramm an den Haken nehmen und genießt aus dem Stand ein Motormoment von 630 Newtonmeter (Nm), um mehr als 50 Prozent höher als beim heckgetriebenen E-Transit Custom. So soll müheloses Anfahren auch an Steigungen bei voller Nutzlast möglich sein. Darüber hinaus zahlt das AWD-System bei der Fahrstabilität ein, es interagiert mit dem elektronisches Stabilisierungsprogramm und der Traktionskontrolle. So lassen sich die vier Räder nicht nur individuell mit Leistung versorgen, sondern auch unabhängig voneinander abbremsen. Das System überwacht kontinuierlich die Lenkbewegungen des Fahrers und kann mithilfe von „Fuzzy-Logik“ Drehmoment und Bremskraft einsetzen, um den Van in der Spur zu halten, vorteilhaft etwa auf regennassen Autobahnen oder einem unbefestigten Weg wie bei rechts und links unterschiedlichen Reibwerten. In Kurven wiederum soll das System helfen, Über- oder Untersteuern zu verringern.

Mehr Rekuperation möglich

Anders als Allradsysteme in Verbindung mit Verbrenner-Motoren hilft das System im batterieelektrischen E-Transit Custom, Energie zu sparen, weil beide Antriebseinheiten rekuperieren. Das System gewinnt im Vergleich zum elektrischen Heckantrieb bis zu 50 Prozent mehr Bremsenergie zurück. Wie üblich gibt es verschiedene Fahrmodi, „Rutschig“ und „Trail“. Ersterer begrenzt den Schlupf auf nassen, vereisten oder schlammigen Oberflächen. Die Fahrdynamik bleibt erhalten und der Fahrer profitiert auch bei widrigen Umständen vom berechenbaren Fahrverhalten. Der Trail-Modus greift auf Untergründen wie Schotter oder sandbedecktem Asphalt und lässt dort mehr Radschlupf zu. Das kontrollierte Durchdrehen der Reifen soll auf losen Untergründen zu vorhersehbarem und stabilerem Handling führen.

 

Der E-Transit Custom AWD kommt zudem in Karosserieversionen Kasten Lkw, Doppelkabine, MultiCab und Kombi Pkw, zudem in den Ausstattungen Trend und Limited, Trail und Sport sowie in der vom Rallye-Sport inspirierten Version MS-RT. Der 210-kW-Antrieb (285 PS) bleibt den Modellvarianten Sport und MS-RT vorbehalten. Das AWD-System kommt in Verbindung mit den Leistungsstufen 160 kW (218 PS) oder 210 kW optional auch in den Multifunktions-Van E-Tourneo Custom.

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