Das größte Taxi der Welt: Wie „Trucker Babe“ Cindy Touristen durch den Erzbergbau chauffiert

Taxifahrer kennen den Alltag zwischen Bahnhof, Krankenhaus und Flughafen. Cindy aus der Steiermark hat dagegen einen etwas ungewöhnlicheren Arbeitsplatz: Sie fährt Touristen mit einem 1.217 PS starken Riesentruck durch einen aktiven Erz-Tagebau. Das Fernsehen nennt ihn das „größte Taxi der Welt“ – und ganz falsch ist das nicht.

Mit 1.217 PS durch den Tagebau - das "Riesentaxi" macht´s möglich.| Foto: Seven.One Entertainment Group GmbH
Mit 1.217 PS durch den Tagebau - das "Riesentaxi" macht´s möglich.| Foto: Seven.One Entertainment Group GmbH

Wer an ein Taxi denkt, hat meist eine Mercedes-Limousine oder einen Kleinbus vor Augen. Kaum jemand stellt sich ein Fahrzeug vor, das mehrere Dutzend Tonnen wiegt, ursprünglich Eisenerz transportierte und heute Besucher über die gewaltigen Terrassen eines Bergwerks bringt.

Doch genau so ein Fahrzeug lenkt Cindy, bekannt aus der ATV-Serie „Trucker Babes Austria“. In einer Folge der Sendung begleitet die Kamera die Steirerin bei ihrer Arbeit am Erzberg in Eisenerz. Dort chauffiert sie Besucher mit einem sogenannten „Hauly“ durch den größten Tagbau Mitteleuropas – eine Aufgabe, die ihr den Titel als Fahrerin des „größten Taxis der Welt“ eingebracht hat.

Vom Erztransporter zum Touristenmagneten

Der Erzberg in der österreichischen Steiermark wird seit Jahrhunderten genutzt und prägt die Region bis heute. Der terrassenförmig angelegte Berg gilt als einer der bedeutendsten Eisenerzstandorte Europas. Um Besuchern die Dimensionen des Bergbaus nahezubringen, entstand vor Jahren die Idee, ausrangierte Schwerlastfahrzeuge für touristische Fahrten umzubauen.

Einer dieser Giganten ist der Hauly.

Das Fahrzeug war ursprünglich für den Erztransport im Tagebau vorgesehen. Später wurde die gewaltige Mulde zu einer Besucherplattform umgebaut. Heute bietet der Truck Platz für Dutzende Fahrgäste und fährt regelmäßig über die markanten Stufen des Erzbergs. Bereits in den 1990er-Jahren wurde ein ehemaliger Haulpak-Muldenkipper mit 62 Sitzplätzen für touristische Rundfahrten umgerüstet.  Mittlerweile setzt „Abenteuer Erzberg“ einen modernisierten Hauly mit 1.217 PS ein. Die Betreiber werben selbst mit dem Begriff „größtes Taxi der Welt“. Während der rund einstündigen Tour erleben Besucher den aktiven Bergbau aus nächster Nähe und beobachten Muldenkipper und Radlader bei der Arbeit.

Frau in einer Männerdomäne

Dass ausgerechnet Cindy dieses Fahrzeug steuert, passt gut zum Konzept von „Trucker Babes Austria“. Die Fernsehserie begleitet Frauen, die in klassischen Männerberufen arbeiten und schwere Lastwagen durch Österreich und Europa bewegen.

Am Erzberg ist Cindy längst keine Ausnahmeerscheinung mehr. Dennoch bleibt ihr Arbeitsplatz ungewöhnlich. Während andere Berufskraftfahrer Autobahnen, Baustellen oder Logistikzentren kennen, bewegt sie einen Giganten durch eine industrielle Landschaft, die eher an einen Steinbruch aus einem Science-Fiction-Film erinnert.

Natürlich haben ein „normales“ Taxi und ein Erzberg-Hauly wenig gemeinsam. Dennoch gibt es Parallelen. Beide Berufe leben vom sicheren Transport von Menschen. Beide verlangen technisches Verständnis, Verantwortungsbewusstsein und einen professionellen Umgang mit Fahrgästen. Und in beiden Fällen geht es darum, eine Strecke nicht nur zurückzulegen, sondern den Passagieren ein gutes Erlebnis zu bieten. Und während Taxifahrer ihren Gästen oft die Sehenswürdigkeiten einer Stadt erklären, erzählt Cindy ihren Fahrgästen vom Bergbau, von Sprengungen und vom Alltag auf dem Erzberg. Die Fahrt wird damit zur Mischung aus Beförderung und Erlebnisprogramm.

Taxi der besonderen Art

Die Bezeichnung „größtes Taxi der Welt“ mag zunächst wie ein Werbespruch wirken. Wer den Hauly jedoch vor den gewaltigen Terrassen des Erzbergs sieht, versteht schnell, warum dieser Begriff hängen bleibt. Für Cindy ist der Riesentruck längst Alltag. Für ihre Fahrgäste bleibt die Tour dagegen etwas Besonderes: eine Taxifahrt, bei der man nicht durch den Stadtverkehr rollt, sondern mitten durch eine der eindrucksvollsten Industrielandschaften Europas fährt.

Und vielleicht zeigt gerade dieses ungewöhnliche Beispiel, dass die Idee des Taxis weit mehr sein kann als die Fahrt von A nach B. Manchmal führt die Strecke eben durch einen Berg – und das Fahrzeug hat 1.217 PS.

 

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