Anruf unter 23 00 01 - Frankfurt und die Uber-Frage

Es gibt Telefonnummern, die in einer Stadt fast so bekannt sind wie die Vorwahl. In Frankfurt gehörte die 23 00 01 dazu. Wer früher ein Taxi brauchte, griff zum Hörer. Heute ist die Bestellung eines Taxis nur noch ein Wisch auf dem Smartphone – und die Taxi-Zentrale in Uber-Hand.

Nach Angaben der Frankfurter Taxi-Zentrale sind über die Hälfte der Taxis in Frankfurt an die Vermittlung der Zentrale angeschlossen.| Foto: KI-generiert
Nach Angaben der Frankfurter Taxi-Zentrale sind über die Hälfte der Taxis in Frankfurt an die Vermittlung der Zentrale angeschlossen.| Foto: KI-generiert

Hinter der Nummer 23 00 01 steht eine Entwicklung, die weit über Frankfurt hinaus Aufmerksamkeit erzeugt. Die Taxi Frankfurt eG, jahrzehntelang eine der wichtigsten Taxizentralen Deutschlands, wurde von einer Gesellschaft übernommen, die eng mit Uber verbunden ist. Käufer war die Berliner SafeDriver Group, die seit Jahren als Generalunternehmer für den amerikanischen Plattformkonzern tätig ist.

Frankfurt war nie irgendein Markt. Die Stadt zählt zu den wirtschaftlich bedeutendsten Verkehrsstandorten Deutschlands. Flughafen, Messe, Bankenviertel und ein internationales Publikum sorgten über Jahrzehnte für ein Fahrgastaufkommen, von dem andere Städte nur träumen konnten. Die dortige Taxizentrale galt entsprechend als Schwergewicht innerhalb der Branche. Rund 900 der knapp 1.700 Frankfurter Taxis sind nach Angabe der Zentrale an die Vermittlung angeschlossen. Umso größer war die Unruhe, als im Herbst 2025 erstmals Gerüchte über einen Verkauf auftauchten. Die Reaktion der Genossenschaft fiel damals eindeutig aus. Weder sei die Zentrale verkauft worden, noch existierten Verträge mit Uber, erklärte der Vorstand öffentlich. Tatsächlich liefen jedoch bereits Gespräche mit dem Unternehmer Thomas Mohnke, dessen Unternehmen seit Jahren zum operativen Umfeld von Uber in Deutschland gehört.

Rückblickend liest sich diese Episode wie die Ruhe vor einer Entscheidung, die längst vorbereitet wurde.

Im März 2026 stimmte eine Mehrheit der verbliebenen Genossenschaftsmitglieder dem Verkauf ihrer Anteile an die SafeDriver Group zu. Die Verhandlungen sollen bereits seit mehr als einem Jahr gelaufen sein. Nach Angaben aus Branchenkreisen wurde den Genossen ein Angebot unterbreitet, das für viele Anteilseigner wirtschaftlich attraktiv war. Doch warum waren die Verkäufer überhaupt bereit, diesen Schritt zu gehen?

Uber als Gegner!

Wer heute mit Taxi-Unternehmern spricht, hört selten ideologische Debatten. Stattdessen geht es um Vermittlungskosten, Softwareentwicklung, Personal und die Frage, wie sich Kunden überhaupt noch erreichen lassen. Die klassische Telefonvermittlung verliert seit Jahren an Bedeutung. Wer eine Fahrt bestellt, nutzt zunehmend Apps. Und die Sichtbarkeit in einer App entscheidet oft stärker über den Auftragseingang als der Standort eines Fahrzeugs. Frankfurt zeigt diese Entwicklung besonders deutlich. Uber vermittelt dort auch Taxifahrten und meldete bereits 2025 eine deutlich steigende Nachfrage sowie eine wachsende Zahl angeschlossener Taxiunternehmer. Für viele Betriebe entstand dadurch ein zusätzlicher Vertriebskanal, unabhängig davon, wie sie politisch oder emotional zu dem Unternehmen stehen.

Die Generation, die Uber vor allem als Gegner wahrnimmt, traf auf Unternehmer, die vor allem auf die Auslastung ihrer Fahrzeuge schauen. Lange verstand sich das Taxigewerbe als Gegenmodell zur Plattformökonomie. Die Zentralen kontrollierten die Vermittlung, die Unternehmer waren Mitglieder einer gemeinsamen Organisation, die Wertschöpfung blieb innerhalb der Branche.

Uber als Partner?

Dennoch wäre es vermutlich zu einfach, den Frankfurter Vorgang als bloße Kapitulation vor der Plattformökonomie zu deuten. Der Verkauf an den Plattformbetreiber zeigt ein strukturelles Problem. Viele Taxizentralen wurden für eine andere Zeit gebaut. Sie entstanden in einer Welt von Funkkanälen, Telefonzentralen und lokal begrenzten Märkten. Heute konkurrieren sie mit Unternehmen, die weltweit agieren, Software entwickeln und digitale Reichweite verkaufen.

Der Verkauf der Taxi Frankfurt eG zeigt, wie stark sich die wirtschaftlichen Kräfteverhältnisse verschoben haben. Selbst eine traditionsreiche Genossenschaft mit einer bekannten Marke und einer dominierenden Stellung in ihrer Region suchte den Schulterschluss mit Akteuren, die eigentlich als Gegenspieler gelten sollten.

Wirtschaftlicher Druck rechtfertigt (fast) alles

Die neuen Eigentümer versprechen Stabilität, zusätzliche Aufträge und eine langfristige Perspektive für die angeschlossenen Betriebe. Wer künftig in Frankfurt die 23 00 01 wählt, bestellt zwar weiterhin ein Taxi. Doch hinter der vertrauten Nummer arbeitet inzwischen eine andere Logik als noch vor wenigen Jahren. Der Verkauf der Taxi Frankfurt eG an die SafeDriver Group – und damit indirekt an den amerikanischen Plattformbetreiber Uber - markiert deshalb weniger das Ende einer traditionsreichen Genossenschaft als vielmehr das Ende einer Epoche.

Und genau darin liegt die eigentliche Brisanz des Frankfurter Falls.

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