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Wer gut sitzt, der fährt auch gut

Die IG Taxi Ortenau und die SVG Baden gaben Fahrerinnen und Fahrern gute Tipps, bevor sie am Steuer spürten, weshalb richtiges Sitzen fürs Bremsen und Lenken so wichtig ist.

In ruhigeren Phasen gab Thomas Zehnle die Tipps zur Sitzeinstellung an den Taxis. Hier sitzt Waltraud Schmidt am Lenkrad und Daniela Zampilli schaut zu. Bild: Dietmar Fund
In ruhigeren Phasen gab Thomas Zehnle die Tipps zur Sitzeinstellung an den Taxis. Hier sitzt Waltraud Schmidt am Lenkrad und Daniela Zampilli schaut zu. Bild: Dietmar Fund
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Dietmar Fund
Arbeitssicherheit

Manche Taxifahrerin und mancher Taxifahrer konnte von der Bremsübung mit nachfolgendem Slalom gar nicht genug bekommen, die Bernd Maier und Thomas Zehnle am Samstag, dem 10. Mai 2019 auf dem weitläufigen Areal einer Spedition am Nordrand Offenburgs aufgebaut hatten. Die beiden Moderatoren der Straßenverkehrsgenossenschaft Baden in Freiburg (SVG) sind zertifizierte Sicherheitstrainer des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR). Sie hatten eine Rutschfolie mitgebracht, die beregnet wurde und so in etwa den Reibbeiwert einer schneebedeckten Fahrbahn aufwies.

Bevor die rund 40 Teilnehmer im eigenen Wagen mit einem der Sicherheitstrainer auf dem Beifahrersitz erstmals auf die Pylonengasse zusteuern durften, nahmen sie die beiden „ins Gebet“. Wie bei Sicherheitstrainings üblich, erläuterten Maier und Zehnle, die beide auch Fachkraft für Arbeitssicherheit sind, zuerst die richtige Sitzeinstellung. Je nachdem, wie viele Teilnehmer gerade angekommen waren, taten sie das individuell am Taxi oder im Halbrund in der Gruppe. „Darauf legen wir viel Wert, weil man besser bremsen und reagieren kann, wenn man richtig sitzt“, erklärte Thomas Zehnle. „Außerdem entlastet es den Rücken, wenn die Lehne steil eingestellt ist und der Sitz so, dass der Fahrer dauerhaft Kontakt mit der Lehne hat. Dann wird man auch beim starken Bremsen nicht aus dem Sitz gehoben.“ Anschließend sollte man die Entfernung zum Lenkrad und das Lenkrad selbst so einstellen, dass Arme und Beine in etwa um 45 Grad abgewinkelt werden. Dann gehen nämlich Arme und Beine bei einem Aufprall automatisch nach hinten und es passiert ihnen gar nichts, während es bei gestreckten Armen und Beinen keine „Sollbruchstelle“ gibt und Kräfte, die beispielsweise ins Bein eingeleitet werden, den Hüftknochen nach hinten schieben und zu Hüftschäden führen. Ordnung hilft auch hier

Ein weiterer Tipp der Moderatoren: Am Arbeitsplatz sollte man nichts herumliegen lassen, was bei einer Gefahrbremsung in den Fußraum rutschen könnte. Auf dem Rücksitz sollte am besten auch nichts herumliegen. Weil die Polizei bei Routinekontrollen auch das Vorhandensein von Verbandskasten und Warndreieck prüft, blickten Maier und Zehnle mit den Teilnehmern auch in den Kofferraum und schauten sich mit ihnen an, ob das Verfallsdatum des Verbandsmaterials noch nicht erreicht ist. „Das klingt zwar banal, aber viele Fahrer müssen beides erst suchen“, berichtete der erfahrene Trainer Zehnle. „Eigentlich ist die Überprüfung des Verbandskastens Chefsache, aber die Fahrer sollten dennoch Bescheid wissen.“ Sein Tipp: Wenn der Verbandskasten sein Verfallsdatum erreicht hat, könnte man ihn einer Hilfsorganisation schenken, die ihn noch für Schulungen gebrauchen kann.

Bei ihren Schulungen erleben die Moderatoren auch immer wieder, dass sich Fahrer damit schwertun, ihr Warndreieck aufzustellen, weil das ja glücklicherweise selten gebraucht wird. Sie rieten den Teilnehmern, es innerorts 50, auf Landstraßen 100 und auf Autobahnen 
200 Meter vor dem liegengebliebenen Fahrzeug aufzustellen und die Hülle auf den Fahrersitz zu stellen, damit man es nicht vergisst und am Fahrbahnrand stehen lässt.

Bei der ersten Bremsübung rieten die Moderatoren erst einmal zu einem niedrigeren Tempo von 60 km/h und nutzten die erste Bremsung, um die Beläge von Verglasung zu befreien – gute Taxifahrer sind ja gewöhnlich eher vorausschauend unterwegs und müssen selten scharf bremsen. Dann durften die Fahrerinnen und Fahrer „einen Zahn zulegen“. Beim Slalom gab es Schelte für lockeres Lenken mit einer Hand, weil einem dabei ein Stein oder ein Randstein das Lenkrad aus der Hand reißen könnte. Auf der Rückfahrt zum Startpunkt flochten die Trainer das Thema Reifendruck mit ein. Der Rat von Bernd Maier etwa lautete, statt des vom Hersteller empfohlenen „Komfortdrucks“ den Druck für volle Beladung um 0,1 bar zu erhöhen, um so die Stabilität des Reifens zu erhöhen – vorausgesetzt, der vom Reifenhersteller limitierte und an der Flanke angegebene Maximaldruck wird damit nicht überschritten. Ein flexibles Programm

Die Übungen waren so angelegt, dass sie ungefähr eine Stunde dauerten. Da die Fahrerinnen und Fahrer kommen konnten, wann es gerade zu ihren Zeitplänen passte, mussten sie hin und wieder ein paar Minuten bei einer Kaffeespezialität, einem Softgetränk oder einer Bockwurst warten, die die Interessengemeinschaft Taxi Ortenau e.V. ihnen spendierte. Die Kosten der Unterweisung selbst waren im Rahmen der sicherheitstechnischen Betreuung abgedeckt.

Markus Schmid, Vorsitzender der IG Taxi Ortenau e.V., hat für die Vor- und Nachbereitung und die Durchführung drei Tage Zeit investiert. Der „1. Südbadische Verkehrs-Sicherheitstag 2019 in der Ortenau“ stand auch Unternehmen offen, die kein Mitglied der IG sind. Weil er bis zum sturmbedingten Abbruch der Zelte um 16 Uhr gut besucht war und alle Teilnehmer sowie die Moderatoren sehr zufrieden waren, möchte Schmid vergleichbare Veranstaltungen auch in den kommenden Jahren durchführen, um dem Schulungsbedarf seiner Mitgliedsunternehmen nachzukommen.

Mit Moderator Thomas Zehnle peilt er für den 9. Mai 2020 erneut in Offenburg einen Trainingstag an, in dessen Mittelpunkt der Umgang mit Rollstuhlfahrern stehen soll. Der Verband des Verkehrsgewerbes Baden habe bereits angedeutet, dass er sich eine Kostenbeteiligung vorstellen könne, berichtet Schmid.

Außerdem möchte SVG-Mann Thomas Zehnle im Herbst 2019 eine Veranstaltung wie in Offenburg im Freiburger Raum anbieten. Bei ihr wäre die IG Taxi Ortenau e.V. dann zwar kein Veranstalter und Sponsor, würde die Sache aber mit Manpower unterstützen.df

Unternehmer zahlten die Arbeitszeit

Gastgeber Markus Schmid ist der Inhaber von Taxi-Lehmann, das zwei Standorte in Hornberg und in Gutacht hat. Mit seiner Frau Bettina zusammen betreibt er außerdem Taxi Herrmann in Triberg. Das Ehepaar bezahlte seinen Mitarbeitern pauschal jeweils drei Stunden für die Teilnahme am Training sowie die An- und Abreise nach Offenburg. Es war ihnen freigestellt, wie lange sie bleiben wollten. Ähnlich handhabten es auch andere Unternehmer, beispielsweise Maximilian Eisenmann von Autoverkehr Luke aus Hausach. Da seine Mitarbeiter unterschiedlich lange Wege hatten, bezahlte er ihnen die Arbeitszeit individuell. „Wichtig ist aus meiner Sicht, den Mitarbeitern zu zeigen, dass man sich um sie kümmert“, betont dazu Markus Schmid.

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Artikel Wer gut sitzt, der fährt auch gut
Seite 10 bis 11 | Rubrik Gewerbepolitik
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