Warum die Taxi-Branche auf eine grundlegende Reform des Personenbeförderungsrechts drängt
Entscheidungen – oder doch wieder nur Ankündigungen?
Die Taxi-Branche pendelt mal wieder zwischen Hoffnung und Realität. Da ist zum einen der große Wurf, zumindest in der Ankündigung. Vertreter des VSPV treffen auf Michael Donth und formulieren nichts weniger als den Anspruch, 2026 zum „Jahr des Nahverkehrs und des Taxis“ zu machen. Man möchte fast sagen: endlich. Denn dass das Taxi mehr ist als ein Lückenschließer im System, wissen die Unternehmer seit Jahren – nur das System selbst scheint sich dieser Erkenntnis bislang mit einer gewissen Beharrlichkeit zu entziehen.
Die Debatte um das Personenbeförderungsrecht wirkt dabei wie ein Déjà-vu in Etappen. Evaluieren, nachjustieren, vertagen. Doch diesmal ist der Ton ein anderer. Wenn Sascha Waltemate fordert, die Evaluierung dürfe „nur Anlass, nicht Grundlage sein“, dann ist das weniger ein Detailhinweis als ein freundlicher Hinweis darauf, dass man mit kosmetischen Korrekturen nicht mehr weit kommt. Es geht um Zuständigkeiten, um Kontrolle, um die Frage, wer eigentlich Verantwortung trägt in einem Markt, der sich zunehmend digital organisiert, aber analog reguliert wird.
Und dann ist da noch die Realität an der Zapfsäule. 17 Cent weniger pro Liter – das klingt zunächst nach Entlastung. Der Taxi- und Mietwagenverband Deutschland nimmt das auch so zur Kenntnis, höflich, aber ohne Illusionen. Denn wer seine Preise nicht frei gestalten kann, spürt jede Schwankung unmittelbarer als andere. Zwei Monate Steuererleichterung sind im Alltag eines Unternehmers ungefähr so nachhaltig wie ein freundlicher Gruß auf der Rechnung.
Das eigentliche Problem bleibt strukturell: Kosten steigen schnell, Tarife langsam – wenn überhaupt. Gleichzeitig verschiebt sich das Geschäft weiter in Richtung bargeldloser Abrechnung, während große Auftraggeber wie Krankenkassen oder Schulträger ihre eigenen Taktungen haben. Liquidität ist in diesem System kein theoretischer Begriff, sondern tägliche Praxis.
Immerhin: Beim Kartellrecht will die Politik genauer hinschauen. Das ist überfällig, denn die Frage, warum sinkende Rohölpreise so selten zügig ankommen, beschäftigt nicht nur Taxibetriebe. Ob die neuen Instrumente greifen, wird sich zeigen – Erfahrung lehrt, hier vorsichtig zu optimistisch zu sein.
Was beide Themen verbindet, ist weniger der konkrete Inhalt als das Muster dahinter. Die Branche fordert Verlässlichkeit – bei Regeln, bei Kosten, bei Perspektiven. Die Politik liefert Signale, aber selten Tempo. Dazwischen stehen Unternehmer, die ihren Betrieb durch einen Alltag steuern, der planbarer sein müsste, als er es ist.
Hoffentlich wird 2026 tatsächlich ein Jahr der Entscheidungen. Vielleicht bleibt es auch ein weiteres Jahr der Ankündigungen.
Thomas Kanzler
Chefredakteur taxi heute
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