Der unsichtbare Fahrer – wenn das Robotaxi die Cops ruft
Überwachung und Neues zum Betriebssitz
Blicken wir erst zu einem Fall aus Kalifornien. Zwei Jugendliche steigen in ein fahrerloses Waymo-Robotaxi, benehmen sich daneben, hantieren mit täuschend echt aussehenden Spielzeugwaffen – und werden wenig später von schwer bewaffneten Polizisten aus dem Fahrzeug geholt. Nicht etwa, weil ein Fahrer den Notruf gewählt hätte. Einen Fahrer gab es schließlich nicht. Stattdessen bemerkte die Technik den Vorfall, stoppte das Fahrzeug und alarmierte die Behörden.
Der Vorgang ist bemerkenswert. Jahrzehntelang war der Taxifahrer die soziale Instanz im Fahrzeug. Er schlichtete Streit, half Betrunkenen auf die Beine, fand verlorene Handys wieder und wusste meist schon nach wenigen Sekunden, ob eine Fahrt entspannt oder unerquicklich werden würde. Nun übernimmt diese Rolle eine Software. Kameras beobachten, Algorithmen bewerten, Leitstellen entscheiden. Die Frage ist dabei nicht nur, ob autonome Fahrzeuge wirklich sicher fahren. Eine spannende Frage lautet inzwischen auch, wer eigentlich zuschaut.
Fast zeitgleich beschäftigt die Branche eine andere Entwicklung. Der Bundesgerichtshof hat die Rückkehrpflicht für Mietwagen bestätigt. Für viele Taxiunternehmer klang das zunächst wie eine seltene Nachricht aus Karlsruhe. Doch die Freude könnte von kurzer Dauer sein. Denn während Juristen noch die Urteilsbegründung studieren, denken manche Plattformunternehmen offenbar bereits über neue Konstruktionen nach. Die Idee ist ebenso schlicht wie wirkungsvoll: Wenn die Rückkehrpflicht die Rückkehr zum Betriebssitz verlangt, dann schafft man eben mehr Betriebssitze. Oder zumindest etwas, das man dafür halten könnte.
Man könnte sagen: Aus dem Betriebssitz wird ein Betriebssitzchen. Wo früher ein ordentliches Büro mit Telefon, Personal und Kaffeeküche stand, könnte künftig vielleicht schon eine angemietete Fläche genügen. Ein Parkplatz hier, eine Abstellfläche dort – und schon schrumpft die gesetzlich vorgeschriebene Rückkehr auf wenige hundert Meter.
Die Technik verändert Fahrzeuge. Die Plattformökonomie verändert Märkte. Und das Recht versucht, Schritt zu halten. Für das Taxigewerbe bleibt dabei eine Erkenntnis: Wer glaubt, dass ein Urteil, eine neue Technologie oder ein politischer Beschluss die Diskussion endgültig beendet, wird schnell eines Besseren belehrt.
Thomas Kanzler
Chefredakteur taxi heute
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