Bundesverband der Personalbeförderung (BVPB) - Der neue Plattformverband?
Regulierung oder Plattformlogik
Da gründet also ein Unternehmer aus der Paketlogistik einen neuen „Bundesverband der Personenbeförderung“. Der Name klingt zunächst neutral – tatsächlich aber markiert der BVPB eine ziemlich klare Kampfansage an das klassische Taxigewerbe. Weniger Regulierung, flexible Preise, Abschaffung der Rückkehrpflicht – kurz gesagt: fahren wie ein Taxi, nur ohne die lästigen Taxi-Regeln.
Der neue „Taxi-Verband“ formuliert, was Plattformanbieter seit Jahren wollen. Dynamische Preise statt Tarifordnung. Algorithmen statt kommunaler Regulierung. Skalierung statt Mittelstand. Der Markt werde das schon richten, lautet die Botschaft. Das klingt modern und effizient. Nur hat der Markt im Personenverkehr die unangenehme Eigenschaft, nachts um halb drei in der Kleinstadt plötzlich nicht mehr funktionieren zu wollen. Oder an Weihnachten. Oder wenn Rollstuhlfahrten anstehen. Oder wenn eine Fahrt wirtschaftlich schlicht unattraktiv ist. Genau deshalb existiert das „so unmoderne“ regulierte Taxisystem überhaupt: weil Mobilität eben mehr ist als ein Smartphone-Button mit Surge-Pricing, sondern Daseinsvorsorge.
Fast zeitgleich sendet die hessenschau einen Beitrag über Sozialbetrug, prekäre Beschäftigung und dubiose Konstruktionen im Plattform-Mietwagenmarkt. Während also auf der einen Seite von Innovation, Zukunft und moderner Mobilität gesprochen wird, zeigen Zoll, Ermittler und Wissenschaftler auf der anderen Seite die Schattenseite des Systems: Verantwortung wird ausgelagert, Risiken landen bei Fahrern und Sozialkassen.
Nur – die Fakten rund um Uber & Co. sind seit Jahren bekannt, die echten Taxi-Verbände kämpfen seit Jahren für faire Bedingungen für die Branche. Denn während Taxiunternehmer ihre Fahrzeuge finanzieren, Tarifpflichten erfüllen, rund um die Uhr Beförderung sicherstellen und sich an kommunale Vorgaben halten müssen, basiert das Geschäftsmodell der Plattformflotten gerade darauf, diese Verpflichtungen möglichst zu umgehen. So sollte sich der neu gegründete Verband BVBP daher besser „Bundesverband der Plattformbeförderung“ nennen.
Thomas Kanzler
Chefredakteur taxi heute
Jetzt kostenlos abonnieren
Weitere Editorials