VSPV-Austritt beim TMV: Ein Verband setzt auf eigene Wege

Der Verband des privaten gewerblichen Straßenpersonenverkehrs Nordrhein-Westfalen (VSPV e.V.) vollzieht zu Jahresbeginn einen Bruch in der deutschen Taxi-Verbandslandschaft: Der Landesverband hat seine Mitgliedschaft im Taxi- und Mietwagenverband Deutschland (TMV) aufgekündigt und damit den bislang üblichen Schulterschluss mit dem bundesweit agierenden Dachverband beendet.

Quo vadis, VSPV? Der Verband des privaten gewerblichen Straßenpersonenverkehrs Nordrhein-Westfalen ist zum Jahreswechsel aus dem TMV ausgetreten und setzt auf mehr Eigenständigkeit.| Foto: T. Kanzler/KI
Quo vadis, VSPV? Der Verband des privaten gewerblichen Straßenpersonenverkehrs Nordrhein-Westfalen ist zum Jahreswechsel aus dem TMV ausgetreten und setzt auf mehr Eigenständigkeit.| Foto: T. Kanzler/KI

Sascha Waltemate, Leiter der VSPV-Geschäftsstelle und in der Branche seit Jahren als sachkundiger Verbandsmanager bekannt, begleitet den Schritt nach innen wie nach außen. Der VSPV vertritt unter anderem Taxi- sowie Mietwagenunternehmer in Nordrhein-Westfalen und agiert als Ansprechpartner für Leistungserbringer im privaten Straßenpersonenverkehr. Waltemate ist dort als Geschäftsführer der Geschäftsstelle tätig und fungiert als eine der zentralen Stimmen des Verbandes.

Nach Angaben des VSPV will man künftig die bundespolitischen Aufgaben „wieder selbst in die Hand nehmen“. Der Verband, der bisher als Mitglied im TMV organisiert war, begründet den Austritt mit dem Wunsch nach stärkerer eigenständiger Einflussnahme gerade in einer Phase, in der wichtige Weichenstellungen für das Personenbeförderungsrecht anstehen. Die Mitgliedschaft im TMV war nach Angaben aus dem Lobbyregister des Deutschen Bundestags zuletzt offiziell verzeichnet; Waltemate ist dort auch als Interessenvertreter gelistet.

Neue strategische Ausrichtung

Kern der neuen strategischen Ausrichtung ist eine verstärkte Präsenz in der Bundespolitik. Zu diesem Zweck hat der Verband – kurze Zeit nach dem Austritt aus dem TMV – den ehemaligen TMV-Geschäftsführer Patrick Meinhardt als Generalbevollmächtigten und Leiter eines neu eingerichteten Hauptstadtbüros in Berlin engagiert. Meinhardt, der den TMV Ende 2025 verlassen hat, soll nach Verbandsangaben dazu beitragen, „Sichtbarkeit, kurze Wege und Durchsetzungskraft“ in politischen Gesprächen zu sichern.

Waltemate kommentierte diesen Schritt als notwendige Vorbereitung auf anstehende branchenspezifische Gesetzesprozesse. In seinem Verbandsumfeld sieht man den Zeitpunkt für richtig, Netzwerke zu professionalisieren und politische Kontakte direkt zu pflegen – ein Ansatz, der in Nordrhein-Westfalen mit dem Aufbau eines Hauptstadtbüros verbunden wird.

Großer Verlust für den TMV

Der TMV seinerseits sieht sich weiterhin als bundesweiter Interessenvertreter kleiner und mittelständischer Taxi- und Mietwagenunternehmer. Er betont seine Rolle als starke Gemeinschaft, die insbesondere in der Politikkontaktpflege und beim Thema fairer Wettbewerb gegenüber Plattformanbietern aktiv bleibt. Für den Verband bedeutet der Abschied des VSPV nicht zuletzt einen personellen und symbolischen Einschnitt: Ein Mitglied mit regionaler Verankerung und einer eigenen Positionierung verlässt den gemeinsamen Verband.

Die Entscheidung des VSPV wird in der Branche unterschiedlich bewertet. Während einige Marktteilnehmer die neue Eigenständigkeit als Chance sehen, warnen andere vor einer möglichen Schwächung der gemeinsamen Verbandsarbeit auf Bundesebene. Für das Taxi- und Mietwagengeschäft insgesamt steht mit dem Austritt eines Landesverbandes eine Phase der Neujustierung an, in der Interessenvertretung und politische Einflussnahme neu austariert werden müssen.

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