Volkswagen zieht die Reißleine - Allianz mit Bosch beim autonomen Fahren beendet

Vor wenigen Jahren galt die Partnerschaft zwischen Volkswagen und Bosch als eines der ambitioniertesten Technologieprojekte der deutschen Automobilindustrie. Gemeinsam wollten die beiden Konzerne Systeme für automatisiertes Fahren entwickeln, die nicht nur in Oberklassefahrzeugen, sondern auch in Volumenmodellen zum Einsatz kommen sollten.

Symbolbild: Trennung! Mit großen Hoffnungen starteten Volkswagen und Bosch die Kooperation für das autonome Fahren - nun zieht VW die Reißleine.| Foto: KI-generiert
Symbolbild: Trennung! Mit großen Hoffnungen starteten Volkswagen und Bosch die Kooperation für das autonome Fahren - nun zieht VW die Reißleine.| Foto: KI-generiert

Die Zusammenarbeit des Wolfsburger Autoriesen und dem High-Tech-Zulieferer steht offenbar vor dem Ende. Nach übereinstimmenden Medienberichten will Volkswagen die sogenannte Automated Driving Alliance (ADA) beenden. Damit verabschiedet sich der Konzern von einem Projekt, in das seit 2022 erhebliche Mittel geflossen sind und das ursprünglich als wichtiger Baustein der eigenen Softwarestrategie gedacht war. Für Volkswagen ist die Entscheidung mehr als eine Kurskorrektur. Der Wolfsburger Konzern hat über Jahrzehnte eine Struktur angenommen, die schnelle Innovationen zu erschweren scheint. Das Ende der Kooperation mit dem Bosch-Konzern, der lange als eines der innovativsten Unternehmen der Branche galt, ist eine krachende Niederlage gegenüber den chinesischen und amerikanischen Entwicklern.

Der lange Weg zur digitalen Aufholjagd

Während Hersteller wie Tesla ihre Fahrzeuge zunehmend über Software definieren und chinesische Anbieter immer stärker auf intelligente Assistenzsysteme setzen, kämpften die klassischen europäischen Hersteller lange mit der Integration neuer digitaler Technologien. Volkswagen reagierte darauf mit dem Aufbau der Softwaretochter Cariad. Sie sollte die digitale Zukunft des Konzerns gestalten und die Abhängigkeit von externen Zulieferern reduzieren.

Gemeinsam mit Bosch entstand daraus die Idee einer Entwicklungspartnerschaft für Fahrerassistenzsysteme und automatisiertes Fahren. Mehr als 1.000 Spezialisten arbeiteten an entsprechenden Lösungen. Ziel war es, Funktionen zu entwickeln, die deutlich über klassische Assistenzsysteme hinausgehen und den Fahrer in bestimmten Situationen weitgehend entlasten. Doch die Erwartungen erfüllten sich nicht.

Konkurrenz entwickelt schneller

Besonders im Bereich moderner Fahrerassistenzsysteme ist die Entwicklungsgeschwindigkeit hoch. Funktionen, die vor wenigen Jahren noch als Zukunftstechnologie galten, gehören inzwischen vielerorts zum Alltag. Fahrzeuge erkennen Fahrspuren, halten automatisch Abstand, wechseln Fahrstreifen oder übernehmen auf bestimmten Streckenabschnitten zeitweise die Fahrzeugführung.

Gerade in diesem Umfeld scheint Volkswagen den eigenen Zeitplan zunehmend kritisch bewertet zu haben. Nach Medienberichten kamen interne Analysen zu dem Ergebnis, dass die gemeinsam entwickelte Technologie nicht die Wettbewerbsfähigkeit erreicht, die sich der Konzern ursprünglich erhofft hatte. Ob diese Einschätzung allein technische Ursachen hat oder auch wirtschaftliche Überlegungen eine Rolle spielen, bleibt offen.

Vom Eigenentwickler zum Systemintegrator?

Die Entscheidung deutet zugleich auf einen grundlegenden Strategiewechsel hin. Statt zentrale Technologien künftig selbst zu entwickeln, will Volkswagen offenbar stärker auf externe Partner setzen. Bereits in den vergangenen Jahren hat der Konzern seine Zusammenarbeit mit dem israelischen Spezialisten Mobileye ausgebaut. Hinzu kommt die Kooperation mit dem US-Unternehmen Rivian bei Software- und Elektronikarchitekturen.

Künftige Systeme für hochentwickelte Fahrerassistenz sollen nach Medienberichten nicht mehr ausschließlich aus eigener Entwicklung stammen. Stattdessen sucht Volkswagen offenbar nach einem neuen Partner, dessen Lösungen schneller in die Fahrzeugflotte integriert werden können. Für die Automobilindustrie wäre das keine ungewöhnliche Entwicklung. Viele Hersteller konzentrieren sich zunehmend auf die Integration vorhandener Technologien, anstatt jede Komponente selbst zu entwickeln.

Bei den Kosten bremsen – bei der Entwicklung beschleunigen

Die wirtschaftliche Lage des Wolfsburger Konzerns spielt dabei eine wichtige Rolle. Volkswagen steht unter erheblichem Kostendruck. Gleichzeitig verschlingt der Wandel zur Elektromobilität weiterhin hohe Investitionen. Hinzu kommen steigende Entwicklungskosten für Software, Batterietechnik und digitale Dienste.

Vor diesem Hintergrund prüfen viele Hersteller, welche Projekte langfristig selbst betrieben werden sollen und wo externe Lösungen wirtschaftlicher erscheinen. Die mögliche Trennung von Bosch passt in dieses Bild. Statt weitere Jahre in eine Entwicklung zu investieren, deren Marktreife ungewiss ist, könnte Volkswagen versuchen, vorhandene Technologien schneller einzukaufen und an die eigenen Fahrzeuge anzupassen.

Herber Rückschlag für Bosch

Bosch gehört zu den wichtigsten Automobilzulieferern der Welt und investiert seit Jahren in Fahrerassistenzsysteme, Sensorik und automatisierte Mobilität. Die Zusammenarbeit mit Volkswagen war dabei ein bedeutendes Referenzprojekt.

Der Vorgang zeigt erneut, wie stark sich die Kräfteverhältnisse in der Branche verändern. Lange galt die deutsche Automobilindustrie als technologischer Taktgeber. Heute kommen viele Impulse aus dem Softwarebereich, von Technologieunternehmen oder neuen Fahrzeugherstellern. Entwicklungszyklen werden kürzer, Marktanforderungen verändern sich schneller und strategische Entscheidungen müssen häufig unter hohem Zeitdruck getroffen werden.

Trotz Milliarden – Investitionen kaum Fortschritte bei VW

Autonome Fahrfunktionen und intelligente Assistenzsysteme gelten als ein Baustein künftiger Mobilitätsangebote. Plattformunternehmen, Fahrzeughersteller und Technologiekonzerne investieren Milliardenbeträge in entsprechende Systeme. Die Entscheidung von Volkswagen zeigt allerdings, dass auch Milliardeninvestitionen keine Garantie dafür sind, technologische Führungspositionen erreichen zu können.

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