Toyota und Uber bauen Zusammenarbeit aus – bleibt das Taxi-Gewerbe auf der Strecke?

Toyota wirbt in einer aktuellen Pressemitteilung damit, die Partnerschaft mit Uber zu intensivieren. Das Angebot richte sich an zentrale europäische Märkte und knüpfe an die hohe Beliebtheit von Toyota-Modellen im europäischen Ride-Hailing-Segment an, so der Autokonzern. Schade, das Toyotas Engagement beim Taxi dagegen scheinbar nachlässt – bis jetzt haben die Japaner jedenfalls noch keinen Stand auf der diesjährigen Taxi-Messe in Köln gebucht!

Vollgas für die Plattform - Toyota intensiviert die Zusammenarbeit mit Uber.| Foto: Toyota/KI
Vollgas für die Plattform - Toyota intensiviert die Zusammenarbeit mit Uber.| Foto: Toyota/KI

Es gab eine Zeit, da gehörte Toyota zu den verlässlichsten Größen im deutschen Taxi-Gewerbe. Der Prius war für viele Unternehmer weit mehr als ein Hybridauto. Er war ein Symbol für Wirtschaftlichkeit, Haltbarkeit und einen frühen Einstieg in die Elektrifizierung. Später folgten Modelle wie der Corolla Touring Sports oder der RAV4 Hybrid, die sich ebenfalls in zahlreichen Taxibetrieben etablierten. Wer auf einen sparsamen und robusten Antrieb setzte, kam an Toyota kaum vorbei. Nun richtet der japanische Hersteller seinen Blick verstärkt auf den gewerblichen Personenverkehr. Allerdings nicht auf das klassische Taxi.

Europaweite Zusammenarbeit mit Uber 

Toyota Motor Europe hat eine neue Partnerschaft mit Uber angekündigt. Gemeinsam wollen beide Unternehmen Fahrdienstfahrern und Flottenbetreibern in Europa den Zugang zu elektrifizierten Fahrzeugen erleichtern. Das Angebot umfasst Hybridfahrzeuge, batterieelektrische Modelle sowie geprüfte Gebrauchtwagen der Marken Toyota und Lexus. Hinzu kommen Finanzierungs-, Leasing- und Versicherungslösungen aus dem Konzernverbund.

Der Rollout beginnt in zehn europäischen Ländern. Deutschland gehört zu den ersten Märkten. Fahrer und Flottenpartner, die über Uber tätig sind, sollen künftig auf ein Komplettpaket zugreifen können, das Fahrzeug, Finanzierung und Versicherungsleistungen miteinander verbindet.

Auf den ersten Blick wirkt das wie eine klassische Vertriebsinitiative eines Automobilherstellers. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch eine strategische Entscheidung, die Fragen aufwirft. Denn Toyota stärkt damit ausgerechnet einen Markt, der seit Jahren im Konflikt mit dem Taxi-Gewerbe steht.

„Flexibler“ Umgang mit Recht und Gesetz

Plattformen wie Uber oder Bolt haben den Markt für individuelle Personenbeförderung grundlegend verändert. Sie vermitteln Fahrten digital, versprechen transparente Preise und setzen auf eine möglichst einfache Nutzererfahrung. Gleichzeitig wird seit Jahren über die wirtschaftlichen und sozialen Folgen dieses Geschäftsmodells diskutiert. Taxi-Unternehmer kritisieren dabei nicht nur den zunehmenden Wettbewerbsdruck. Sie verweisen vor allem auf ungleiche Rahmenbedingungen. Während das Taxi-Gewerbe an Tarifpflichten, Betriebspflichten und zahlreiche kommunale Vorgaben gebunden ist, operieren viele Mietwagenunternehmen deutlich flexibler. Hinzu kommen unzählige Fälle von Sozialdumping, Scheinselbstständigkeit oder Verstößen gegen die Rückkehrpflicht. Gerichte und Aufsichtsbehörden beschäftigen sich seit Jahren mit entsprechenden Verfahren.

Vor diesem Hintergrund wirkt die neue Partnerschaft bemerkenswert.

Toyota spricht von der Unterstützung eines „schrittweisen Übergangs zu emissionsärmeren Flotten“. Leonardo Carluccio, Vice President Sales bei Toyota Motor Europe, betont, Fahrdienstfahrer benötigten Fahrzeuge, die „wirtschaftlich und operativ überzeugen“. Uber wiederum sieht in der Zusammenarbeit die Möglichkeit, „niedrigere Einstiegshürden“ für Fahrer zu schaffen und die Elektrifizierung zu beschleunigen.

Das sind nachvollziehbare Ziele. Die Dekarbonisierung des Verkehrs gehört zu den großen Aufgaben der kommenden Jahre. Gerade im urbanen Personenverkehr können elektrifizierte Fahrzeuge einen wichtigen Beitrag leisten. Die Frage ist jedoch, warum Toyota seine Aktivitäten so stark auf Plattformverkehre konzentriert, während das Taxi-Gewerbe in vielen Regionen Europas unter erheblichem wirtschaftlichem Druck steht.

Kaum eine andere Branche eignet sich besser für die Elektrifizierung als das Taxi. Die Fahrzeuge legen hohe Jahreslaufleistungen zurück, verkehren überwiegend in Städten und verfügen über planbare Einsatzprofile. Viele Unternehmer beschäftigen sich seit Jahren intensiv mit alternativen Antrieben. Gleichzeitig steigen die Investitionskosten. Gerade kleinere Betriebe stehen vor der Herausforderung, hohe Anschaffungspreise mit sinkenden Margen in Einklang zu bringen.

Warum nicht eine europaweite Partnerschaft mit dem Taxi?

Die aktuelle Initiative richtet sich vor allem an Fahrer und Flottenpartner der Plattformökonomie. Das ist aus Unternehmenssicht verständlich. Uber wächst europaweit weiter und bündelt erhebliche Fahrzeugvolumina. Für Hersteller entstehen dadurch attraktive Absatzkanäle. Ein Rahmenvertrag mit einer Plattform verspricht Skaleneffekte, die einzelne Taxiunternehmen kaum bieten können.

Dennoch bleibt ein gewisser Widerspruch. Toyota hat seine Reputation im gewerblichen Personenverkehr nicht zuletzt im Taxi-Markt aufgebaut. Viele Unternehmer erinnern sich an eine Zeit, in der der Hersteller gezielt Taxi-Pakete entwickelte, auf branchenspezifische Anforderungen einging und den direkten Austausch mit den Betrieben suchte. Heute entsteht der Eindruck, dass diese Kundengruppe strategisch an Bedeutung verloren hat.

Dabei befindet sich gerade das Taxi-Gewerbe in einer Phase grundlegender Veränderungen. Die Branche investiert in Apps, digitale Vermittlung, Kartenzahlung und alternative Antriebe. Gleichzeitig übernimmt sie weiterhin Aufgaben, die Plattformen häufig nur eingeschränkt leisten: Krankenfahrten, Schülerbeförderung, barrierefreie Mobilität oder die Versorgung ländlicher Regionen. Diese Funktionen sind wirtschaftlich nicht immer attraktiv. Für das öffentliche Mobilitätssystem bleiben sie dennoch unverzichtbar.

Deshalb wäre es ein wichtiges Signal, wenn Hersteller wie Toyota ihr Engagement nicht ausschließlich auf die Plattformwirtschaft konzentrieren würden. Die Transformation der Mobilität gelingt nicht allein über Apps und digitale Vermittlungsplattformen. Sie braucht auch Unternehmen, die langfristig Verantwortung für Infrastruktur und Daseinsvorsorge übernehmen.

Toyota setzt auf Plattform

Toyota verfügt über die passenden Produkte. Die Hybridkompetenz des Konzerns gilt seit Jahren als ausgereift. Mit batterieelektrischen Fahrzeugen und der Premiummarke Lexus besitzt das Unternehmen zudem interessante Optionen für unterschiedliche Einsatzprofile.

Mit der neuen Uber-Partnerschaft hat der Hersteller eine Antwort gegeben, wie sich die Japaner in Zukunft aufstellen. Aus Sicht vieler Taxiunternehmer dürfte die allerdings unbefriedigend ausfallen. Denn während Toyota den Plattformverkehr elektrifiziert, wartet das klassische Taxi-Gewerbe weiterhin auf ein Zeichen, dass seine Bedeutung für die Mobilität der Städte nicht in Vergessenheit geraten ist.

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