CAM-Studie Elektromobilität 2026: Tesla und China gewinnen Marktanteile – E-Autos erreichen den Massenmarkt

Mehr als jeder dritte Neuwagen in Deutschland fährt inzwischen rein elektrisch. Während Tesla und chinesische Hersteller kräftig zulegen, geraten viele etablierte Marken unter Druck. Der Wandel zur Elektromobilität verändert den Automarkt schneller als erwartet.

Von diesem Wachstum profitieren jedoch nicht alle Hersteller gleichermaßen. VW bleibt Marktführer, Tesla und die Chinesen legen stark zu.| Foto: CAM
Von diesem Wachstum profitieren jedoch nicht alle Hersteller gleichermaßen. VW bleibt Marktführer, Tesla und die Chinesen legen stark zu.| Foto: CAM

Die Elektromobilität hat in Deutschland eine neue Phase erreicht. Was lange als Zukunftsversprechen galt, zeigt sich inzwischen deutlich in den Zulassungszahlen. Im September 2026 war mehr als jeder dritte neu zugelassene Pkw ein batterieelektrisches Fahrzeug. Gleichzeitig verschieben sich die Kräfteverhältnisse auf dem Automarkt spürbar: Tesla wächst rasant, chinesische Hersteller holen auf, während zahlreiche etablierte Marken Marktanteile verlieren. Das geht aus dem aktuellen Electromobility Report des Center of Automotive Management (CAM) hervor. Die Zahlen zeigen einen Markt, der sich mitten im Umbruch befindet.

Nach den ersten neun Monaten des Jahres wurden in Deutschland bereits 604.144 batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) neu zugelassen. Das entspricht einem Zuwachs von 58 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Bemerkenswert dabei: Schon Ende September wurden mehr Elektroautos zugelassen als im gesamten Jahr 2025. Besonders deutlich wird die Entwicklung beim Blick auf den September. Mit 88.599 neu zugelassenen Elektrofahrzeugen erreichte der BEV-Anteil einen Rekordwert von 34,5 Prozent. Reine Elektroautos lagen damit erstmals deutlich vor klassischen Benzin- und Dieselfahrzeugen, die gemeinsam nur noch auf einen Marktanteil von 26,4 Prozent kamen.

„Das Elektroauto ist in Deutschland im Massenmarkt angekommen“, sagt Studienleiter Prof. Dr. Stefan Bratzel. „Im September war mehr als jeder dritte Neuwagen ein reines E-Auto, und nach neun Monaten sind bereits mehr BEV neu zugelassen als im gesamten Jahr 2025.“

Tesla und China auf Wachstumskurs

Von diesem Wachstum profitieren jedoch nicht alle Hersteller gleichermaßen. Marktführer bleibt zwar weiterhin der Volkswagen-Konzern. Doch trotz seiner starken Position sinkt der Marktanteil von 41,7 auf 39,5 Prozent. Während die Kernmarke Volkswagen bei den Zulassungen leicht verliert, kann Skoda deutlich zulegen.

Die eigentlichen Gewinner kommen jedoch aus den USA und China. Tesla verdreifachte seine Neuzulassungen nahezu und steigerte den Absatz um 202 Prozent auf 44.810 Fahrzeuge. Damit liegt der amerikanische Hersteller inzwischen sogar vor dem chinesischen Branchenprimus BYD. Auch die chinesischen Hersteller insgesamt gewinnen massiv an Bedeutung. Ihr gemeinsamer Marktanteil stieg innerhalb eines Jahres von 4,3 auf 6,7 Prozent. Mit 148.102 Neuzulassungen liegen sie inzwischen nahezu gleichauf mit den japanischen Herstellern.

Besonders stark wächst BYD. Die Marke steigerte ihre Zulassungen um 262 Prozent auf 42.788 Fahrzeuge und überholte damit bereits Volvo auf dem deutschen Markt. Auch MG, Leapmotor und Xpeng verzeichnen deutliche Zuwächse. Die Entwicklung zeigt, dass der Wettbewerb um die Elektromobilität längst global geworden ist. Während deutsche Hersteller über Jahrzehnte den Markt dominierten, drängen nun neue Anbieter mit wettbewerbsfähigen Preisen und moderner Technologie nach Europa.

Schwierige Zeiten für traditionelle Hersteller

Nicht alle Hersteller profitieren vom Marktwachstum. Besonders die japanischen Marken geraten unter Druck. Ihr gemeinsamer Marktanteil sank von 7,7 auf 6,7 Prozent. Marktführer Toyota verlor sogar 19,2 Prozent seines Absatzvolumens. Lediglich Mazda konnte mit einem Plus von 22,8 Prozent gegen den Trend wachsen. Auch Ford musste Rückgänge hinnehmen und verlor im deutschen Markt mehr als zehn Prozent seines Absatzes. Etwas stabiler präsentieren sich BMW, Mercedes-Benz sowie die koreanischen Hersteller Hyundai und Kia. Dennoch zeigt sich auch hier: Der wachsende Elektromarkt garantiert nicht automatisch steigende Marktanteile.

„Tesla und die chinesischen Hersteller gewinnen mit starkem Preis-Leistungs-Verhältnis Marktanteile, viele etablierte Hersteller verlieren“, analysiert Bratzel. „Der Elektromarkt wächst – aber nicht automatisch für die deutschen Hersteller.“

Verbrenner verlieren an Bedeutung

Während Elektroautos zulegen, verlieren klassische Antriebe deutlich an Boden. Im September gingen die Neuzulassungen von Benzinern gegenüber dem Vorjahresmonat um 29,2 Prozent zurück. Dieselmodelle verloren 20,1 Prozent. Plug-in-Hybride konnten ihren Marktanteil dagegen bei rund elf Prozent stabil halten.

Zusammengenommen erreichen Elektroautos und Plug-in-Hybride inzwischen 45,4 Prozent aller Neuzulassungen in Deutschland. Damit nähert sich der Markt einem Punkt, an dem elektrifizierte Antriebe zur dominierenden Antriebsform werden könnten. Als Gründe für die Entwicklung nennt das CAM mehrere Faktoren: das inzwischen deutlich breitere Angebot neuer Elektrofahrzeuge, staatliche Fördermaßnahmen sowie die weiterhin hohen Kraftstoffpreise.

Was bedeutet das für das Taxigewerbe?

Für Taxiunternehmer ist die Entwicklung mehr als eine statistische Momentaufnahme. Viele Hersteller investieren ihre Entwicklungsbudgets inzwischen vorrangig in Elektrofahrzeuge. Das Angebot an elektrischen Großraumlimousinen, Vans und SUV wächst kontinuierlich, während klassische Dieselmodelle zunehmend aus den Modellpaletten verschwinden.

Gleichzeitig bleibt die Wirtschaftlichkeit ein entscheidender Faktor. Hohe Anschaffungskosten, Ladezeiten und regionale Unterschiede bei der Ladeinfrastruktur bremsen den Umstieg vieler Betriebe weiterhin. Auf der anderen Seite werden steigende Kraftstoffpreise und strengere Klimavorgaben den Druck zur Elektrifizierung weiter erhöhen.

Der aktuelle CAM-Report zeigt deshalb nicht nur einen Wandel auf dem Automarkt. Er beschreibt auch die Richtung, in die sich das Taxigewerbe langfristig bewegen wird – es wird immer elektrischer werden. Entscheidend wird sein, welche Hersteller die passenden Fahrzeuge zu wirtschaftlich tragfähigen Konditionen anbieten – und welche Unternehmer den richtigen Zeitpunkt für den Umstieg finden.

 

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