Mobilität ohne Defizit: Warum Kelheim den Rufbus stoppte und auf Taxis setzt
Sechs Monate lief das System im Probebetrieb. Nun teilt die Stadt mit, dass es fortgeführt wird. Das ist ein deutliches Signal, wie Kommunen mit begrenztem Haushaltsspielraum Mobilität organisieren. Das Prinzip ist einfach. Jeder Kelheimer über 70 Jahre erhält 50 Gutscheine im Wert von jeweils fünf Euro. Der Betrag wird vom Fahrpreis abgezogen. Für Rollstuhlfahrer gibt es ebenfalls 50 Gutscheine, allerdings zu je 15 Euro. Wer ein Taxi bestellt, muss den Gutscheinbesitz direkt angeben. Abgerechnet wird zwischen Stadt und Taxiunternehmen.
Ohne Zuschüsse wird On-Demand-Verkehr zu teuer
Die Konstruktion verlagert das wirtschaftliche Risiko. Beim Rufbus musste die Kommune Fahrzeuge, Disposition und Auslastung mitfinanzieren – unabhängig davon, wie viele Menschen tatsächlich fuhren. Solche On-Demand-Systeme rechnen sich in kleineren Städten selten aus eigener Kraft. Sie leben von Zuschüssen. Fallen diese weg, bleiben Fixkosten und Defizite.
Das Gutscheinmodell funktioniert anders. Es greift auf bestehende Strukturen zurück: drei örtliche Taxiunternehmen, vorhandene Fahrzeuge, vorhandenes Personal. Die Stadt zahlt nur, wenn tatsächlich gefahren wird. Keine Leerfahrten, keine eigene Flotte, keine zusätzliche Verwaltungseinheit. Mobilität wird zu einer variablen Größe im Haushalt.
Kosten für Taxi-Gutscheine für die Kommune überschaubar
In einer Pressemitteilung spricht die Stadt von einem Beitrag zur sozialen Teilhabe. Das ist nicht falsch. Ältere Menschen gewinnen Beweglichkeit im Alltag, ohne selbst ein Auto vorhalten zu müssen. Gleichzeitig bleibt die Maßnahme kalkulierbar. 50 Gutscheine à fünf Euro bedeuten pro Person maximal 250 Euro Zuschuss im Jahr. Selbst bei hoher Inanspruchnahme bleibt die Summe überschaubarer als ein dauerhaft subventionierter Rufbusbetrieb.
Kelheim ist kein Einzelfall. Viele Kommunen testen Rufbus-Systeme mit wohlklingenden Namen, häufig angeschoben durch Förderprogramme von Land oder Bund. In der Pilotphase wirkt das Modell modern und flexibel. Doch sobald die Anschubfinanzierung ausläuft, rücken die Betriebskosten in den Vordergrund. Dann stellt sich die Frage, ob sich das Angebot ohne externe Mittel tragen lässt.
Warum neue Mobilitäts-Strukturen aufbauen? Das Taxi ist schon da!
On-Demand-Verkehre benötigen Technik, Disposition, Marketing und eine gewisse Mindestauslastung. In dünner besiedelten Regionen bleibt diese Auslastung schwankend. Das macht die Kalkulation schwierig – und besonders für kleinere Städte sehr riskant.
Die Kommunen müssen erkennen, dass es nicht darum gehen kann, wer das schönste neue On-Demand-Verkehrsprojekt ins Leben ruft. Das Kelheimer Taximodell klingt da vielleicht erst mal unspektakulär. Es verzichtet auf App-Euphorie und Projektlogo. Es nutzt, was da ist. Und es kostet die Stadt nur dann Geld, wenn jemand tatsächlich fährt. In Zeiten enger Haushalte ist das ein schlagendes Argument. Kelheim hat nun eine naheliegende Lösung gefunden, die vielleicht weniger Vision verspricht, dafür aber finanzielle Vernunft erkennen lässt.
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