Sitzprobe Škoda Vision O: DAS wird beim E-Octavia alles in Serie gehen

Das Car Design Event 2026 in München nutzte auch Škoda, um noch einmal seine Vision O zu zeigen. Am Rande der Vorstellung verrieten Chefdesigner Oliver Stefani und seine Kollegen auch einige ganz konkrete Details.

Škoda brachte den "Vision O" auf das Car Design Event 2026 nach München. | Foto: CDE 2026
Škoda brachte den "Vision O" auf das Car Design Event 2026 nach München. | Foto: CDE 2026
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Unter der Stoffhülle vermuteten einige Kollegen zuerst einen neuen Volvo V60: Eckige Kanten, flächige, scharf geschnittene Felgen … doch die Haube verriet: Es ist der Škoda Vision O, der sich unter dem schwarzen Stoff versteckt, der dann auch gelüftet wurde. Und was sofort auffällt: Seine Länge von 4,85 Metern kaschiert der Vision O bestens. Auf den ersten Blick wirkt er wegen der dicken B-Säule und viel Glas wie ein 4,4-Meter-Shooting-Brake, doch die Größe ist schon sehr real, denn: Tatsächlich werden die Tschechen nur einen elektrischen Kombi bauen, und der wird, wie uns ein Insider verriet, klassenseitig „eine Idee höher“ zwischen Octavia und Superb positioniert werden. Was nicht wundert, denn die Tschechen beziehen sich seit jeher auf ihre stolze Vorkriegsgeschichte und können ihren ständigen Zug Richtung Premium einfach nicht ganz verleugnen.

Bei den Showcars hat Škoda Budget und Freiheiten

Und haben bei den Showcars freie Hand. Das Budget dafür liegt laut Stefani komplett beim Design, weshalb man sich hier ziemlich funktions- und dezent fahrfähige Studien leisten kann, die teils weit in die Zukunft weisen. Die bleiben trotzdem auch pragmatisch – zum Beispiel beim Raumangebot. Der Vision O bietet vorn und im Fond viel Platz und sehr angenehme 3D-gedruckte Kopfstützen, dahinter einen großen Kofferraum mit üppigen Seitenfächern. Dessen Volumen gibt man mit gut 650 Litern an, bei umgeklappter Fondsitzbank sollen es über 1.700 Liter sein.

Auch „Simply clever“ bleibt – in Form eines tragbaren Bluetooth-Lautsprechers, eines integrierten Kühlschranks, eines Bildschirmreinigers – danke dafür! – und einer etwas raumgreifenden, aber praktischen Ladekabel-Garage im Kofferraum. Und klar hat man wieder Regenschirme in die Türverkleidungen gesteckt: vier (!) Stück, einen pro Tür …

Navistrecke über 1,2 Meter Bildschirmbreite

Alles aus nachhaltigen, wertigen Materialien und teils ganz neu gedacht. Auch die Armaturen mit Anzeigestreifen unter der Windschutzscheibe und Zentralscreen – aber eben auch vielen klar bedienbaren physischen Schaltern und Tastern, die so auch kommen werden. Ebenso wie der Anzeigestreifen, auf den man entweder drei (nicht etliche wie bei BMW) verschiedene Themen legen kann oder eine gaaaanz lange Navistrecke über die gesamte Breite. Und ja, man versucht sich tatsächlich auch an den 3D-gedruckten, superkomfortablen Kopfstützen, die aus Recyclat bestehen und wieder komplett recycelt werden können. Überhaupt besteht das ganze Auto praktisch ausschließlich aus gut trenn- und recycelbaren Monomaterialien. Aber diese Gitter können böse verstauben, und wenn dann noch Talk aus Haaren darin hängt, dann dürfte das doch weniger cool aussehen. Vielleicht mit einer durchsichtigen Hülle oben drüber?

Beim autonomen Fahren denkt man über einen sogenannten „Tranquil-Modus“ nach, der die ohnehin schon loungigen Sessel für mehr Komfort anders einstellt, als wenn man zusätzlichen Platz braucht. Und wer den O als Privathotel nutzen möchte, könnte die Fensterflächen für maximale Privatsphäre komplett verdunkeln …

Aus dem Tech-Deck wird ein Tech-Loop

„Verdunkelt“ sind auch die Tagfahr-LEDs, die sich beim Starten von hinten erst ins „Tech-Deck“ respektive den Tech-Frame schieben. Škodas einst verchromter, stolzer „Wasserfall-Grill“ wird als LED-gesäumter „Rahmen“ neu interpretiert – ähnlich wie bei den chinesischen „Audi-Audis“ mit ohne Ringen … Auch hier erklärt uns Stefani beiläufig, dass man das „Tech Loop“ genannte Thema weiter treiben werde.

Ganz verschwunden ist das einstige Markenlogo, das auch die Geschwister in Pilsen für Lokomotiven, Waggons und Triebwagen nutzen und das als „fliegender Pfeil“ zwar eigentlich sehr stark und unverwechselbar ist, aber auch gern mit amerikanischen Ureinwohnern assoziiert wird. Trotzdem wird es auf den Radnabenkappen wiederkehren, denn: „Wenn man es mehrere Jahre nicht mehr nutzt, verfällt der Markenschutz“, belehrt uns Stefani über die Rechtslage. Was auch so kommen wird: die Rückleuchten, die man bei den jetzt kommenden Modellen schon von „C“ auf „T“ ändern wird.

Die Seitengrafik wird definitiv etwas zurückgenommen

Zurückhaltender wird Stefani bei den Türen und der Seitengrafik: Klar sind die gegenläufig öffnenden Portale nur dazu da, dass man besser ins Innere der Studie schauen kann. Die breite B-Säule im Stil des DS3 ist noch nicht gesetzt – man hatte Ähnliches mal beim Yeti, und sie würde das Auto optisch deutlich kompakter machen. Aber: Der Kombi wird vier konventionelle Türen haben. Trotzdem könnte die B-Säule eine prominente Teilung von zwei sonst komplett durchgezogenen Glasflächen sein. Zumal der Octavia erst in der Vorgängergeneration auf ein optisch durchgängiges „schwarzes Scheibenband“ umgestellt wurde, während sich das Dach in Generation 1 und 2 auf „massive Säulen“ stützte. Ein Insider, der schon die Weiterentwicklung Richtung Serie sah, bestätigte uns, dass das reale Fahrzeug hier „etwas zurückgenommener“ auftreten würde.

So oder so traut sich Škoda mit der Studie des künftigen Markenkerns weit nach vorn, und wir sind schon sehr gespannt, wie all die Ideen dann in Serie aussehen werden. Denn wie Stefani uns zum Schluss versichert: „In dieser Studie steckt verdammt viel drin.“

Was bedeutet das?

Mit dem Vision O wagt sich Škoda weit nach vorn und traut sich auch hier – trotz vergleichsweise „simplem“ 1,2-Meter-breitem Horizon-Display und vielen praktischen Details – wieder einen kleinen Schritt nach „oben“. Und dürfte seinen elektrischen Kombi künftig eher neben i3 Touring (so er denn kommt) oder C-Klasse T-Modell stellen als neben den elektrischen Opel Astra. Oh, man muss ja noch Visionen haben! Kreislaufgeschlossene, octaviatige!

 

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