Lexus ES im taxi-heute Test: Warum der neue Lexus als BEV die bessere Wahl ist.

Der neue Lexus ES tritt 2026 mit zwei Gesichtern an: als klassischer Vollhybrid und erstmals auch als batterieelektrische Limousine. Beide kosten gleich viel, beide zielen auf Dienstwagenfahrer und Taxiunternehmer. Doch auf der Straße zeigt sich schnell, dass die Japaner ausgerechnet mit dem Elektroantrieb ihre überzeugendere Antwort auf die deutsche Businessklasse gefunden haben.

Der neue Lexus ES stand uns in Kopenhagen und Umgebung als Hybrid und als reine Elektro-Variante zur Verfügung.| Foto: Toyota
Der neue Lexus ES stand uns in Kopenhagen und Umgebung als Hybrid und als reine Elektro-Variante zur Verfügung.| Foto: Toyota

Es gibt Autos, die mit Superlativen Krawall machen – den größten Akku, die größte Reichweite, der größte Kühlergrill. Und es gibt Fahrzeuge wie den neuen Lexus ES. Die achte Generation der japanischen Business-Limousine versucht nicht, Aufmerksamkeit durch Leistungsexzesse oder technische Rekorde zu erzeugen. Stattdessen setzt Lexus auf eine Philosophie, die die Designer als „provokante Schlichtheit“ bezeichnen. Ein Begriff, der zunächst wie ein Widerspruch klingt, den man aber versteht, sobald man vor dem 5,14 Meter langen Fahrzeug steht.

Der ES hat sich vom konservativen Vertreter japanischer Oberklasse verabschiedet. Die Linien sind glatter geworden, die Flächen größer, die Front wirkt reduziert. Nicht jeder wird diese neue Formensprache mögen. Doch genau darin liegt die Provokation: Lexus versucht gar nicht mehr, deutsche Premiumlimousinen zu kopieren. Das ist mutig. Schließlich bewegt sich der ES in einem Markt, der von Audi A6, BMW 5er und Mercedes E-Klasse geprägt wird. Und genau dort will Lexus künftig deutlich stärker mitspielen.

Auto für die Welt

Der neue ES ist ein globales Fahrzeug. Lexus wird ihn in mehr als 80 Märkten anbieten. Entsprechend breit fällt das Antriebsangebot aus. Während Europa zunehmend elektrifiziert, bleibt der Hybridantrieb in vielen Regionen die bevorzugte Lösung. Für Deutschland erwartet Lexus dagegen vor allem Geschäftskunden. Rund 80 Prozent der Käufer stammen traditionell aus dem gewerblichen Bereich. Entsprechend wichtig sind Leasingkonditionen, Betriebskosten und Langzeitqualität.

Interessant ist dabei die Preisstrategie: Sowohl der ES 300h Hybrid als auch der ES 350e Elektro starten bei identischen 59.600 Euro. Gewerbekunden können beide Varianten für 519 Euro netto monatlich ohne Anzahlung leasen. Privatkunden zahlen bei 2.500 Euro Anzahlung 555 Euro brutto pro Monat. Für Lexus ist das ein bemerkenswerter Schritt. Die Marke zwingt ihre Kunden nicht über den Preis in eine bestimmte (Antriebs-) Richtung. Die Entscheidung fällt allein über das Produkt.

Innenraum: Ruhe als Luxus

Wer einsteigt, erlebt zunächst das, was Lexus seit Jahren besser beherrscht als viele Wettbewerber: Atmosphäre. Der Innenraum wirkt aufgeräumt, hochwertig und frei von hektischer Digitalinszenierung. Große Bildschirme gibt es zwar auch hier, doch sie dominieren den Raum nicht vollständig.

Besonders gelungen sind die sogenannten „Hidden Switches“. Klimafunktionen bleiben im ausgeschalteten Zustand unsichtbar und erscheinen erst nach dem Start. Das wirkt weniger wie ein technisches Gimmick als vielmehr wie eine elegante Antwort auf die verbreitete Touchscreen-Überforderung moderner Fahrzeuge. Die Materialqualität überzeugt ebenfalls. Verarbeitung und Haptik bewegen sich auf einem Niveau, das viele deutsche Premiumhersteller derzeit nicht durchgängig erreichen. Dazu kommen ausgesprochen bequeme Sitze und ein Lenkrad, das zu den angenehmsten seiner Klasse gehört.

Noch beeindruckender ist allerdings das Platzangebot. Der um 16,5 Zentimeter gewachsene ES bietet auf der Rückbank Oberklasse-Verhältnisse. Gerade für Chauffeurdienste, Limousinenservices oder spätere Taxi- und Ride-Hailing-Einsätze dürfte das Fahrzeug interessant werden. Passagiere finden reichlich Bein- und Knieraum vor. Lexus bietet sogar einen Liegesitz mit ausfahrbarer Ottomane an (allerdings erst nur in der BEV-Variante).

Komfort-Maßstab

Die eigentliche Stärke des ES offenbart sich jedoch erst nach dem Losfahren. Selten gelingt es einem Hersteller, Fahrkomfort und Präzision so ausgewogen miteinander zu verbinden. Die neu abgestimmte Plattform mit Mehrlenker-Hinterachse, zusätzlicher Karosseriesteifigkeit und deutlich verbesserter Geräuschdämmung zahlt sich aus. Der Lexus federt mit einer Gelassenheit, die auf deutschen Straßen inzwischen selten geworden ist. Querfugen, Frostaufbrüche und Schlaglöcher verlieren ihre Dramatik. Das Fahrzeug gleitet darüber hinweg, ohne schwammig zu wirken.

Bemerkenswert ist dabei die Ruhe im Innenraum. Selbst bei Autobahntempo bleibt der ES ausgesprochen leise. Windgeräusche dringen kaum durch, das Fahrwerk arbeitet nahezu geräuschlos. Hier erinnert der Lexus eher an klassische Luxuslimousinen als an moderne Businessfahrzeuge.

Elektro oder Hybrid?

Und damit kommen wir zur entscheidenden Frage. Welcher Antrieb passt besser zum ES?

Nach Fahrten mit beiden Varianten fällt die Antwort überraschend eindeutig aus: der Elektroantrieb. Eigentlich müsste der Hybrid die vernünftigere Wahl sein. Schließlich gilt Lexus seit Jahrzehnten als Hybrid-Spezialist. Die sechste Generation des Vollhybridsystems kombiniert einen 2,5-Liter-Benziner mit einem Elektromotor und erreicht eine Systemleistung von 196 PS.  Unser Verbrauch bei den Testfahrten in Dänemark lag bei rund 5,7 Litern pro 100 Kilometer. Das Problem liegt nicht im Verbrauch, sondern im Charakter. Der Hybrid fährt ordentlich, aber nie wirklich souverän. Das bekannte Zusammenspiel aus Vierzylinder und CVT-Getriebe wirkt bei kräftigen Beschleunigungen angestrengt. Die Geräuschkulisse passt nicht zum hohen Komfortniveau des Fahrzeugs.

Der elektrische ES 350e macht es besser. Mit 224 PS ist auch er kein Leistungsträger seiner Klasse. Dennoch wirkt das Fahrzeug harmonischer, ruhiger und hochwertiger. Der Elektromotor passt schlicht besser zum entspannten Wesen des ES. Besonders beeindruckend ist die Effizienz. Während unserer Testfahrten bewegte sich der Verbrauch bei lediglich 14,6 kWh pro 100 Kilometer. Das ist für ein über fünf Meter langes Fahrzeug ein bemerkenswert guter Wert. Lexus verbaut – für diese Fahrzeuggröße – einen vergleichsweise kleinen Akku. Beim ES 350e sind es 72 kWh, die nutzbar sind, beim Allrad Lexus ES 500e 71 kWh. Die Reichweite fällt trotzdem mit 525 – 581 Kilometern (laut WLTP für den ES 350e) und 494 – 529 (laut WLTP für den ES 500e) nicht üppig, aber alltagstauglich aus.

Ladeleistung bleibt ein Rätsel

Lexus beschränkt die DC-Ladeleistung auf maximal 150 kW. AC-seitig sind dagegen zeitgemäße 22 kW möglich. Die Entscheidung wirkt ungewöhnlich. In einer Fahrzeugklasse, in der Audi, BMW oder Mercedes inzwischen deutlich höhere Ladeleistungen anbieten, erscheint die Begrenzung konservativ. Selbst Lexus räumt auf Nachfrage ein, dass die technische Basis grundsätzlich mehr ermöglichen könnte.

Die offizielle Begründung lautet, man habe die beste Kombination aus Reichweite, Effizienz und Kosten gesucht. Das mag global betrachtet plausibel sein. Für deutsche Dienstwagenfahrer, die regelmäßig lange Strecken zurücklegen, bleibt dennoch die Frage, warum ein neues Elektroauto des Modelljahres 2026 nicht mehr kann. Immerhin soll der Ladevorgang von zehn auf 80 Prozent in rund 28 Minuten gelingen.

Interessant für Taxi und Mietwagen

Für das Personenbeförderungsgewerbe könnte der ES künftig eine spannende Alternative werden. Der enorme Fondraum, die ausgezeichneten Sitze, die niedrigen Verbrauchswerte und die lange Garantie sprechen dafür. Lexus gewährt sowohl für Hybrid als auch Elektroversionen bis zu 15 Jahre beziehungsweise 250.000 Kilometer Garantie – einschließlich der Hochvoltbatterie.

Gerade für Taxiunternehmen und Mietwagenbetreiber ist das ein starkes Argument. Hinzu kommt die ausgeprägte Zuverlässigkeitskultur der Marke. Während viele Wettbewerber immer komplexere Technikpakete schnüren, konzentriert sich Lexus weiterhin auf Langlebigkeit und Bedienbarkeit. Dass der bisherige ES in Deutschland 2025 lediglich rund 300 Käufer fand, dürfte sich mit der neuen Generation ändern. Die elektrische Variante trifft den Zeitgeist deutlich besser als ihr Vorgänger.

Flüsterleise Businesslimousine

Der neue Lexus ES ist kein Auto für Menschen, die ständig über Leistungswerte oder Ladezeiten diskutieren möchten. Er ist ein Fahrzeug für Fahrer, die täglich viele Kilometer zurücklegen und dabei vor allem eines suchen: Ruhe.

Als Hybrid bleibt der ES ein solides Angebot. Als Elektroauto entfaltet er jedoch seine eigentliche Stärke. Die lautlose Fortbewegung harmoniert perfekt mit dem außergewöhnlichen Federungskomfort, der hochwertigen Verarbeitung und dem großzügigen Raumangebot. Die begrenzte Schnellladeleistung verhindert, dass der ES zum Klassenmaßstab wird. Dennoch gelingt Lexus etwas Bemerkenswertes: Die Japaner bauen eine Business-Limousine, die sich bewusst von den deutschen Wettbewerbern unterscheidet. Nicht durch mehr Leistung. Nicht durch mehr Displays.

Sondern durch Gelassenheit. Und genau das könnte 2026 sein stärkstes Verkaufsargument sein.

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