Interview Akhil Krishnan, Volvo-VP Product Line 60: Absolute Wahlfreiheit!
Der XC60 legte vor allem bei der rein elektrischen Reichweite zu. Bis zu 200 Kilometer nach WLTP sind eine Ansage.
Akhil Krishnan (lächelt): Sind es. Hier haben wir ganz massiv nachgelegt! Denn eine Rückmeldung unserer Kundinnen und Kunden war, dass sie weniger häufig laden wollen. Mit jetzt bis zu 200 Kilometern Reichweite müssen viele Kundinnen und Kunden nur noch einmal die Woche laden, da sie im Pendelverkehr pro Tag selten mehr als 30 Kilometer zurücklegen.
Auch in Flächenstaaten wie den USA oder Kanada?
Akhil Krishnan: Auch dort! Der XC60 ist ein internationales Produkt, das wir weltweit vertreiben, weshalb wir die Daten auch weltweit erhoben haben. Zudem brachte der größere Akku weitere Vorteile: Weil wir das Batteriepaket vom Mitteltunnel unter den Boden verlegt haben, fühlt sich der Fond jetzt noch luftiger an. Wir konnten den Mitteltunnel dort nämlich viel niedriger gestalten.
Da stimmen wir komplett zu. Im Fond fühlt es sich tatsächlich luftiger an.
Akhil Krishnan (lacht): Das sollte es auch! Damit haben wir den XC60 auch beim Raumangebot verbessert – ebenso wie bei der Digitalisierung und den Sicherheitsfeatures. Wir haben jetzt Google Gemini an Board, und perspektivisch soll man sich mit dem XC60 „unterhalten“ können wie mit einem Beifahrer. Dazu kann das Auto Hintergründe zur Route, zu Sehenswürdigkeiten oder Bauwerken geben oder spontan das Café suchen, das den besten Cappuccino hat.
Da wurde tatsächlich alles viel besser und einfacher. Das Café ist ein gutes Beispiel: Wer den genießen will und auch mal länger als 10 bis 15 Minuten rastet, würde den XC60 auch gern wieder schnell laden. Doch warum hat der XC60 mit seinem jetzt vergleichsweise großen Akku immer noch keine DC-Schnellladefähigkeit erhalten, wie andere Hersteller sie anbieten?
Akhil Krishnan: Grundsätzlich kann man den XC60 im Alltag eine ganze Woche bewegen, ohne zu laden. Viele unserer Kundinnen und Kunden laden zu Hause und fahren deshalb ohnehin die meiste Zeit elektrisch. Wer auch Langstrecken immer rein elektrisch absolvieren möchte, sollte gleich zum EX60 mit bis zu 800 Kilometern Reichweite nach WLTP greifen. Tatsächlich sind EX60- und XC60-Kundinnen und -Kunden zwei völlig unterschiedliche Zielgruppen. Die einen wollen ohnehin immer rein elektrisch fahren, die anderen trauen dem noch nicht so ganz und wollen sich auf Langstrecken keinen Kopf um Lade-Apps, freie Ladepunkte oder Restreichweiten machen und stattdessen einfach irgendwo nachtanken.
Wie sieht der Absatz des XC60 international aus? Gibt es da große Unterschiede?
Akhil Krishnan: Hauptmärkte sind klar China, Europa und Nordamerika. Allerdings gibt es dort tatsächlich Unterschiede. In den USA ist der XC60 ein sehr wichtiges Modell. Deshalb werden wir ihn künftig auch zusätzlich in Charleston fertigen. Und in Europa gehört er nach wie vor zu den bestverkauften Plug-in-Hybriden überhaupt. Weshalb wir ihn jetzt auch umfassend pflegten.
Wie groß ist der Privatkundenanteil gegenüber gewerblichen Zulassungen?
Akhil Krishnan: Gewerbliche Zulassungen machen natürlich einen Großteil aus, und wenn wir nach Europa blicken, dann vor allem in Deutschland, Großbritannien und Skandinavien, wo es starke Dienstwagenmärkte gibt.
Preislich gibt es inzwischen keine großen Unterschiede mehr: Der XC60 PHEV ist jetzt praktisch so teuer und schwer wie der EX60 …
Akhil Krishnan (lächelt): Das ist echte Wahlfreiheit! Wir lassen unsere Kundinnen und Kunden entscheiden, ob sie lieber immer rein elektrisch fahren oder ihre täglichen Kurzstrecken elektrisch zurücklegen und sich auf Langstrecken keine Gedanken über das Nachladen machen müssen.
Der Aufwand dafür war allerdings enorm. Ihr habt tief in den Rohbau eingegriffen und für das Update viel Geld in die Hand genommen. Warum wurde nicht gleich ein neuer XC60 auf den Markt gebracht? Schon der Vorgänger wurde erst nach neun Jahren abgelöst – was per se eine lange Zeit ist …
Akhil Krishnan: Das aktuelle Modell ist zusammen mit seinem Vorgänger der meistverkaufte Volvo aller Zeiten und hat mittlerweile sogar den Volvo 240 überholt. Deshalb sind wir hier vorsichtig vorgegangen. Die XC60-Kundinnen und -Kunden schätzen das Auto sehr, so wie es ist. Beim Plug-in-Hybrid, der weiterhin hoch im Kurs steht, schätzen sie durchaus das elektrische Fahren und wollen das gern länger tun.
Was Sie mit dem größeren Akku erreicht haben! Zudem wirkt der XC60 jetzt noch wertiger. Sind die Kundinnen und Kunden bereit, dafür entsprechend zu bezahlen?
Akhil Krishnan (lächelt): Wir bewegen uns mit dem XC60 klar im Premium-Segment. Das wollen wir mit hochwertigen Materialien und neuen Optionen zusätzlich unterstreichen. Und wenn man ohnehin die meiste Zeit rein elektrisch unterwegs ist, was den Komfort noch einmal erhöht, und dann irgendwann Lust auf einen EX60 bekommt – dann haben wir alles richtig gemacht, oder?
Das Interview führte Gregor Soller
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