Fahrerlose Konkurrenz –bleibt bei der Mobilität der Zukunft das Taxi auf der Strecke?
Doch die Vision trifft nicht nur auf Begeisterung – insbesondere die Taxi-Branche sieht Risiken für ihr Geschäft. Bisher läuft der Alltag auf Münchens Straßen wie gewohnt: Menschen steigen ins Taxi, Busse fahren (meist) nach Fahrplan, die Autos haben einen Fahrer. Doch hinter den Kulissen arbeitet Politik und Industrie längst daran, dieses Bild zu verändern. Söder kündigte auf der IAA an, dass „20.000 selbstfahrende Shuttles und 5.000 autonome Busse“ mittelfristig in München unterwegs sein sollen. Gemeinsam mit Oberbürgermeister Dieter Reiter setzt er auf neue Lösungen gegen Fahrermangel im öffentlichen Verkehr und auf eine bessere Anbindung der Randgebiete durch kleinere, flexible Fahrzeuge.
Von Bad Birnbach bis Oberfranken – Bayern probt den Alltag ohne Fahrer
Ganz neu ist die Technik nicht. Schon seit Jahren rollen in Bayern Pilotprojekte: Elektrobusse im Kurort Bad Birnbach, autonome Shuttles im Landkreis Kelheim, Modellregionen in Oberfranken. In München selbst läuft mit „MINGA“ derzeit ein Projekt an, das weitere Erfahrungen sammeln soll. Politik und Forschung sprechen von einem „Pionierstatus“.
Doch während Söder und Reiter große Zahlen in Aussicht stellen, bleibt offen, wann die Fahrzeuge tatsächlich im Alltag fahren werden. Der Präsident der TU München, Thomas Hofmann, mahnt Tempo an. Solange jedes Projekt für sich arbeite, fehle der notwendige Datenpool für die Weiterentwicklung der künstlichen Intelligenz. Länder wie China oder die USA seien längst weiter, weil dort täglich große Datenmengen gesammelt würden.
Regeln, Gesetze, Grenzen
Auch die Industrie drängt. Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie, sieht enormes Potenzial – nicht nur im Nahverkehr, sondern auch in der Logistik. Testfahrten von Lkw-Herstellern wie MAN hätten gezeigt, dass sich Fahrermangel mit autonomen Fahrzeugen ausgleichen ließe. Doch sie verweist auf die Realität: strenge Regularien, aufwändige Genehmigungsverfahren, fehlende Spielräume im Alltag. „In anderen Teilen der Welt ist vieles längst erlaubt, was bei uns noch verboten ist“, sagt Söder.
Uber und Momenta – neue Spieler auf dem Feld
Auch internationale Unternehmen wollen vom Markt profitieren. Der Fahrdienstleister Uber hat gemeinsam mit dem chinesischen Technologie-Unternehmen Momenta angekündigt, ab 2026 autonome Fahrten in München zu erproben. Zunächst werden Fahrer noch im Wagen sitzen, um im Notfall eingreifen zu können. Das Ziel ist jedoch klar: Robotaxis, die innerhalb definierter Zonen ganz ohne menschliche Begleitung fahren. In China ist das bereits Realität – dort betreibt Momenta mehrere solcher Flotten, auch in Kooperation mit deutschen Herstellern.
Neue Gefahr für das Taxigewerbe
Für Münchens Taxiunternehmer klingt all das wie ein doppeltes Risiko. Schon heute setzen Uber und andere Plattformanbieter die Branche unter Druck. Sollten künftig auch noch fahrerlose Robotaxis durch die Stadt rollen, dürfte die Konkurrenz weiter wachsen. Kunden könnten zwischen einem regulierten, tarifgebundenen Taxi und einem flexiblen, vielleicht günstigeren Robotaxi wählen. Gleichzeitig ist unklar, wie der Staat den Wettbewerb regeln will: Gelten für autonome Fahrzeuge die gleichen Pflichten wie für Taxis – etwa Beförderungspflicht, Schichtzeiten oder Konzessionsgebühren? Solange das nicht geklärt ist, bleibt die Vision ein Versprechen.
Die Politik wirbt mit Entlastung für Fahrgäste, mit neuen Verbindungen für die Randgebiete und mit der Chance, Bayern als Innovationsstandort sichtbar zu machen. Aber sollte die Vision von Söder, Müller, Reiter und Co. Realität werden, wird sich der Markt neu aufteilen. Global-Player, die – wie Uber – nicht unbedingt damit glänzen, sich an Recht und Gesetz zu halten, werden die Mobilität neu definieren. Nur das Taxi-Gewerbe droht, auf der Strecke zu bleiben.
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