BMWK-Projekt zum bidirektionalen Laden: Gewinn für Klima und Kunden

Erstmals auf allen Ebenen will man smartes und bidirektionales Laden netzdienlich realisieren. Eine breite Beteiligung soll für Relevanz sorgen. E-Autos werden geladen, wenn viel Strom vorhanden ist, die Nutzenden geben den gewünschten Akkustand vor. Minister Habeck sieht Win-Win-Situation.

In beide Richtungen: Mit einem Pilotprojekt zum bidirektionalen Laden unter Ägide des Bundeswirtschaftsministeriums will man die Sektorkoppelung aus Mobilität und Energie vorantreiben. | Foto: TMH
In beide Richtungen: Mit einem Pilotprojekt zum bidirektionalen Laden unter Ägide des Bundeswirtschaftsministeriums will man die Sektorkoppelung aus Mobilität und Energie vorantreiben. | Foto: TMH
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

Unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) ist ein Pilotprojekt zum netzdienlichen bidirektionalen Laden gestartet. Das Projekt wird vollständig von der Industrie finanziert. Beteiligt sind die Unternehmen Bayernwerk Netz GmbH, BMW, EWE Netz, Lechwerke AG, MAINGAU Energie, Octopus Energy, TenneT, The Mobility House und TransnetBW. Ziel ist es, erstmalig smartes und bidirektionales Laden stromnetzdienlich auf allen Netzebenen zugleich zu steuern. 

„Zukünftig sollen E-Autos nicht mehr nur Strom tanken, sondern ihn bei Bedarf auch wieder zurück ins Netz geben. So wird die E-Mobilität dazu beitragen, die Stromnetze deutlich besser auszulasten und die Stromkosten für Wirtschaft und Verbraucher zu senken. Das Pilotprojekt der Industrie geht jetzt den entscheidenden Schritt, von der Theorie in die Praxis. Das Ziel ist, dass das Projekt Schule macht und das bidirektionale Laden in Deutschland schnellstmöglich Realität wird. E-Auto-Besitzer können dann unter dem Strich sogar Geld mit dem Stromverkauf verdienen, anstatt für das Stromtanken zu bezahlen", erklärte Bundeswirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck.

Das Pilotprojekt setzt in den nächsten sechs Monaten mehrere innovative Konzepte im Zusammenspiel des Ladens von E-Autos mit dem Stromsystem um. Be- und Entladevorgänge von bidirektionalen E-Autos sollen netz- und marktdienlich gesteuert werden. Das heißt: E-Autos sollen insbesondere dann geladen werden, wenn Wind und Sonne im Überfluss verfügbar sind und dann Strom zurück ins Netz speisen, wenn die Nachfrage hoch ist oder die Netze stabilisiert werden müssen. Dabei wird der Zustand der Netze auf allen Ebenen in die Optimierung der Ladevorgänge einbezogen. So sollen erstmalig alle Stromnetzebenen zugleich optimiert und besser ausgelastet werden. 
 

Breite Beteiligung

Am Pilotprojekt nehmen mit der Bayernwerk Netz GmbH, EWE Netz und der Lechwerke AG drei der größten deutschen Verteilneztbetreiber teil, bei denen in Summe knapp 10 Prozent der Marktlokationen in der Niederspannung angeschlossen sind. Auf Übertragunsnetzebene decken TenneT TSO und TransnetBW wiederum gut die Hälfte des deutschen Übertragunsnetzes ab. In der Breite umgesetzt soll das bidirektionale Laden zukünftig den Netzausbau und die Stromkosten senken. 

Per App wird der gewünschte Ladezustand definiert

Im Rahmen der Pilotierung legen die Kunden per App fest, bis wann ihre Autos den angestrebten Ladezustand erreichen sollen. Den Rest erledigt das System. Es steuert die Stromflüsse digital so, dass die Stromnetze und die Kosten optimiert werden, denn neben der Netzauslastung wird auch der Strompreis in die Optimierung der Ladevorgänge einbezogen. Kunden profitieren dadurch von niedrigen Ladestrompreisen, die besonders dann auftreten, wenn Solar- und Windparks besonders stark ins Netz einspeisen. Dadurch kann der Anteil an erneuerbaren Energien im Gesamtsystem erhöht werden. Man sieht darin eine Win-Win-Win Situation für Wirtschaft, Verbraucher und Klima.

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