TÜV-Verband fordert klare Regeln für autonome und vernetzte Fahrzeuge

Wie lassen sich KI, Datenschutz und Cybersecurity im Auto sicher regulieren? Das neue Positionspapier des TÜV-Verbands gibt konkrete Empfehlungen für Gesetzgeber und Industrie – von der digitalen Fahrzeugakte bis zur Prüfung lernender Systeme.

Moderne Fahrzeuge vernetzen sich zunehmend mit ihrer Umgebung und verarbeiten große Mengen an Daten – das stellt neue Anforderungen an Sicherheit, Prüfung und Regulierung. | Symbolbild: John Howard via Pixabay
Moderne Fahrzeuge vernetzen sich zunehmend mit ihrer Umgebung und verarbeiten große Mengen an Daten – das stellt neue Anforderungen an Sicherheit, Prüfung und Regulierung. | Symbolbild: John Howard via Pixabay

Die Automobilbranche befindet sich im Wandel: Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung prägen zunehmend die Mobilität. Vor diesem Hintergrund hat der TÜV-Verband ein Positionspapier mit dem Titel „Digital Car – Sicherheit, effiziente Regulierung und unabhängige Prüfung“ veröffentlicht. Es zeigt Wege auf, wie technische Innovationen mit Sicherheit, Datenschutz und fairer Marktregulierung in Einklang gebracht werden können. Zentrale Themen sind dabei der Umgang mit autonomem Fahren, Künstlicher Intelligenz und fahrzeuggenerierten Daten.

Autonomes Fahren sicher einführen 

Für die sichere Einführung von Fahrzeugen mit Automatisierungsgrad SAE-Level 4 fordert der TÜV-Verband transparente Genehmigungsverfahren und die Förderung praxisnaher Einsatzszenarien, etwa im Logistiksektor. Zudem setzt sich der Verband für eine europäisch abgestimmte Regulierung ein, um einheitliche Standards zu schaffen.

Regulierung sicherheitskritischer KI-Systeme 

Lernende KI-Systeme im Fahrzeug stellen neue Anforderungen an die Sicherheit. Der TÜV-Verband spricht sich für ein verpflichtendes Prüf- und Zertifizierungsmodell aus. Ein europäischer „Datatrust“ soll dabei helfen, die Qualität von Trainingsdaten zu sichern. Prüfungen der KI sollten in bestehende Verfahren wie Typgenehmigung und Hauptuntersuchung integriert werden.

Einführung einer digitalen Fahrzeugakte 

Eine zentrale Maßnahme zur Verbesserung der digitalen Fahrzeugverwaltung ist die Einführung einer EU-weit harmonisierten digitalen Fahrzeugakte (dFZA). Sie soll mit dem Software-Update-Management verknüpft sein und datenschutzkonform betrieben werden. Sichere und standardisierte Schnittstellen sollen einen zuverlässigen Datenaustausch gewährleisten.

Zugang zu Fahrzeugdaten standardisieren 

Der TÜV-Verband fordert verbindliche Regelungen für den Zugang zu fahrzeuggenerierten Daten. Standardisierte, interoperable Schnittstellen sollen Prüfstellen und Behörden den gleichberechtigten Zugang ermöglichen. Leitlinien reichen aus Sicht des Verbands nicht aus – notwendig seien gesetzlich verankerte Vorgaben.

Datenschutz bei autonomen Fahrzeugen 

sicherstellen Autonome Fahrzeuge verarbeiten umfangreiche personenbezogene Daten. Um den Anforderungen der DSGVO gerecht zu werden, sollten Funktionen wie Anonymisierung, Einwilligungsmanagement und der Einsatz von Datentreuhändern verpflichtender Standard sein. Auch beim Datenzugang im öffentlichen Interesse sind klare gesetzliche Regelungen erforderlich.

Technische Überwachung modernisieren 

Die technische Fahrzeugüberwachung (PTI) muss laut TÜV-Verband an neue Technologien angepasst werden. Prüfmethoden für E-Fahrzeuge und Assistenzsysteme sollen weiterentwickelt werden. Zudem sei ein gesicherter Zugang zu sicherheitsrelevanten Fahrzeug- und Softwaredaten nötig. Eine bessere Verzahnung mit der Typgenehmigung wird ebenfalls angestrebt.

Cybersecurity über den gesamten Lebenszyklus 

Zur Absicherung vernetzter Fahrzeuge über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg empfiehlt der Verband die konsequente Umsetzung der UN-Regelung Nr. 155 sowie der Norm ISO/SAE 21434. Die künftigen Anforderungen des EU Cyber Resilience Acts sollten damit harmonisiert werden. Eine klare Abgrenzung der Prüfverfahren und deren gegenseitige Anerkennung seien ebenfalls erforderlich.

Mit seinem Positionspapier will der TÜV-Verband die Grundlage für eine sichere, technologisch offene und vertrauenswürdige Mobilität der Zukunft schaffen – unter der Prämisse unabhängiger Prüfung und fairer Regulierung.

Zum Download »

Logobanner Liste (Views)