Elektrotaxis lahmen wegen des Ladens

Beim Stuttgarter Modellprojekt „GuEST“ berichteten vier Taxiunternehmer über ihre Erfahrungen mit elektrisch angetriebenen B-Klassen.
Joachim Wolf (v. l.), Albrecht Henke, Markus Kukral und Günther Mannschreck waren die vier Elektro-Pioniere, die bei der Zwischenbilanz den Journalisten Rede und Antwort stehen mussten.
Joachim Wolf (v. l.), Albrecht Henke, Markus Kukral und Günther Mannschreck waren die vier Elektro-Pioniere, die bei der Zwischenbilanz den Journalisten Rede und Antwort stehen mussten.

Eine B-Klasse mit Elektroantrieb fährt sich angenehm und nach der Eingewöhnung hat man auch keine so starke „Reichweitenangst“ mehr. Das berichteten am 21. April 2015 vier Stuttgarter Taxiunternehmer, die seit September 2014 je ein solches Fahrzeug einsetzen. Sie haben es im Rahmen des Modellprojekts GuEST („Gemeinschaftsprojekt Nutzungsuntersuchungen von Elektrotaxis in Stuttgart“) von der Daimler AG geleast und bezahlen eine Flatrate für die Ladung an zehn öffentlich zugänglichen Ladesäulen in der Nähe von Halteplätzen, die sie häufig anfahren. Sie und ihre Fahrer wurden bei einer eintägigen Schulung im Entwicklungszentrum in Sindelfingen in die Technik eingewiesen. Für einen Elektro-Vito fand sich wegen dessen viel geringerer Reichweite kein Unternehmer.

Während Albrecht Henke und Joachim Wolf als Einzelunternehmer sowieso hauptsächlich selbst fahren und ihre Pausen zum Laden nutzen können, haben die Mehrwagenunternehmer Markus Kukral und Günther Mannschreck andere Perspektiven. Sie berichteten, dass ein Mehrschichtbetrieb  wie bei Diesel-Taxis wegen der begrenzten Reichweiten von höchstens 120 Kilometern, langen Ladezeiten und einiger „Nickeligkeiten“ an den Ladesäulen mit dieser Generation von Elektroautos noch nicht möglich seien.

Manfred Hülsmann, Vorstand der Taxi-Auto Zentrale Stuttgart e. G., hat das Projekt in den letzten eineinhalb Jahren gewerbeseitig begleitet und auf die Erfahrungen seines Kollegen Andreas Raible aufgebaut, der es schon länger verfolgt. Hülsmann forderte bei der Pressekonferenz mehr Ladestationen an den Halteplätzen und nicht nur in deren Nähe. Wie die Unternehmer berichteten, gebe es beispielsweise am Stuttgarter Flughafen keine Ladestation, obwohl man dort die üblichen langen Wartezeiten sehr gut zum Laden nutzen könnte.

Die Wissenschaftler, die das Projekt bis zum Abschluss Endes 2015 begleiten und Fahrgast-Rückmeldungen auswerten, zeigten sich von den unterschiedlichen Strukturen der Taxibetriebe überrascht. Ihre Fahrprofile wichen stark von denen privater Autokäufer ab. Beispielsweise würden bei Taxis die Türen viel länger geöffnet, was den Energiebedarf für die Heizung im Winter und die Kühlung im Sommer vergrößere.

Einen ausführlichen Bericht über die Zwischenbilanz bringt taxi heute, das als einziges überregionales Fachmagazin an der Pressekonferenz teilnahm, in Kürze. Dort lesen Sie auch, wie die Stadt Stuttgart mit den nötigen Konzessionen umging, wie viel die Unternehmer für ihre Elektrotaxis berappen müssen und welche Fördermöglichkeiten Taxibetriebe für Elektroautos und Plug-in-Hybride in Baden-Württemberg haben.
 

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