VW bringt selbstfahrenden Bulli auf die Straße

(dpa) Vier Sitzplätze, 13 Kameras, neun Lidare, fünf Radare: Der neue E-Bulli soll bis 120 km/h autonom fahren und ab Werk Hannover in Großserie rollen. Für den Linien- und On-Demand-Verkehr peilt VW Stückzahlen im fünfstelligen Bereich an.

Anjes Tjarks (Bündnis 90/Die Grünen), Hamburgs Senator für Verkehr und Mobilitätswende, spricht bei der Vorstellung des autonomen «Volkswagen ID.Buzz AD» in der Hamburger Hafencity. Volkswagen zeigt in Hamburg erstmals die Serienversion seines autonom fahrenden Elektro-Bullis ID Buzz. | Foto: David Hammersen via dpa
Anjes Tjarks (Bündnis 90/Die Grünen), Hamburgs Senator für Verkehr und Mobilitätswende, spricht bei der Vorstellung des autonomen «Volkswagen ID.Buzz AD» in der Hamburger Hafencity. Volkswagen zeigt in Hamburg erstmals die Serienversion seines autonom fahrenden Elektro-Bullis ID Buzz. | Foto: David Hammersen via dpa

Volkswagen hat in Hamburg die Serienversion seines ersten vollständig autonom fahrenden Fahrzeugs vorgestellt. Der ID Buzz AD (Autonomous Driving) soll ab 2026 in Hamburg und Los Angeles in den Betrieb gehen. In Hamburg ist der Regelbetrieb ab 2027 vorgesehen. 

"Damit positioniert sich der Volkswagen-Konzern in der Spitzengruppe eines milliardenschweren globalen Wachstumsmarkts", sagte Konzernchef Oliver Blume bei der Weltpremiere in Hamburg. "Ab 2026 machen wir nachhaltige, autonome Mobilität in großem Maßstab in Europa und den USA verfügbar."

Zulassung bis Ende 2026 angestrebt

VW will bis Ende 2026 die Genehmigung für den fahrerlosen Betrieb nach SAE-Level 4 sowohl in Europa als auch in den USA erhalten. Danach könnte auf einen bisher gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitsfahrer verzichtet werden. In Europa wäre dies laut VW die erste Zulassung dieser Art für ein Serienfahrzeug.

Produktion und geplante Stückzahlen

Die Fertigung des ID Buzz AD erfolgt im Werk von VW Nutzfahrzeuge in Hannover. Das Modell ist nicht als Kleinserie, sondern für größere Stückzahlen ausgelegt. Geplant ist die Auslieferung von mehr als 10.000 Fahrzeugen. Bis Ende 2027 sollen 1.000 Exemplare auf der Straße sein. Allein der Fahrdienst Uber hat laut VW Interesse an bis zu 10.000 Fahrzeugen innerhalb der nächsten zehn Jahre bekundet.

"Und es wird noch mehr Verträge mit Kunden geben», sagte Christian Senger, der im Vorstand von VW Nutzfahrzeuge für das autonome Fahren zuständig ist. "Wir sind zuversichtlich, dass wir 2027 in Deutschland mehr als Hamburg haben."

Ursprünglich war in Hamburg von einem Start des Regelbetriebs im Jahr 2026 die Rede, nun soll es 2027 losgehen. Mittelfristig könnte die Flotte auf 500 selbstfahrende E-Bullis wachsen, sagte Sascha Meyer vom VW-eigenen Sammeltaxianbieter Moia, der die Fahrzeuge in Hamburg betreibt. Testfahrten mit Prototypen finden dort bereits seit 2023 statt.

Technische Ausstattung und Fahrzeugkonzept

Das autonome Fahrzeug ist mit 13 Kameras, neun Lidar-Sensoren und fünf Radarsystemen ausgestattet. Es kann bis zu einer Geschwindigkeit von 120 km/h vollständig autonom fahren. Die Serienversion unterscheidet sich vom bisherigen Prototyp durch eine leicht vergrößerte Karosserie und bietet vier Sitzplätze für Passagiere statt bisher drei.

Testbetrieb und Erfahrungen

Seit 2021 führt VW Testfahrten mit dem ID Buzz AD durch. Aktuell sind 100 Fahrzeuge in Städten wie München, Hamburg, Austin und Oslo im Einsatz. Die Testflotte hat laut Konzernangaben bisher mehr als 600.000 Kilometer zurückgelegt.

Fokus auf Flottenkunden

Ein Verkauf an Privatkunden ist nicht vorgesehen. Grund dafür sind die beschränkten Einsatzgebiete des Fahrzeugs sowie die Notwendigkeit einer überwachenden Leitstelle. Zudem würde der Preis im niedrigen sechsstelligen Eurobereich liegen. VW richtet sich mit dem ID Buzz AD gezielt an Flottenbetreiber, insbesondere an Verkehrsunternehmen. In Hamburg besteht eine Kooperation mit dem HVV, in Berlin gibt es eine entsprechende Absichtserklärung mit den BVG.

Marktperspektive

Kurzfristig erwartet der Konzern noch keine Gewinne aus dem Projekt. Langfristig sieht VW im autonomen Fahren jedoch ein profitables Geschäftsfeld mit deutlich höheren Margen als im klassischen Automobilbereich.

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